Blog von Peter Piksa

Staatsanwaltschaft: Ohne Vorratsdatenspeicherung geht gar nichts!

Gemeinsam mit einigen anderen Personen aus meiner Stadt administriere ich eine Facebook-Community zu der Stadt Langenfeld, in der ich lebe. Vor einiger Zeit kam es dort zu unschönen Wortbeiträgen, die einen Adminkollegen zur Aufgabe einer Anzeige wegen Volksverhetzung getrieben haben. Der Vorwurf richtet sich gegen einen männlichen Langenfelder, der in besagter Community unter einem Pseudonym agierte. Ich habe den Vorgang der Anzeige nur beiläufig mitbekommen und inzwischen auch wieder vergessen. Nun hat sich der Kollege mit seiner Anzeige jetzt aber wieder in meine Erinnerung gerufen, denn er bekam ein Schreiben von der zuständigen Staatsanwaltschaft, daß diese das Ermittlungsverfahren inzwischen wieder eingestellt hat – und dafür einen aberwitzigen Grund aufführt. Hier nun das (durch mich geschwärzte) Schreiben:

Staatsanwaltschaft

Aha. Angeblich könne man also nichts machen, weil keine Vorratsdatenspeicherung existiert. Ich weiß nicht, wie es euch beim Lesen dieser Begründung geht. Mir persönlich kommt das so vor, als würde die Staatsanwaltschaft ein Schreiben wie dieses zur Klage über einen angeblichen Mißstand instrumentalisieren.

Frei nach dem Motto “Wir können doch nichts machen, solange wir die VDS nicht bekommen”. (Was mir angesichts der weitgreifenden Ermittlungsmöglichkeiten der Strafverfolgungsbehörden wie eine lahme Ausrede erscheint).

Nur um es klar zu stellen: Mich persönlich interessiert das konkrete Ermittlungsverfahren nicht die Bohne. Soweit ich weiß, ist der Typ, um den es darin geht, aus der Community ausgeschlossen und kann seinen Quatsch nunmehr woanders absondern. Für mich ist das Problem quasi aus der Welt geschafft.

Mir geht es hiermit vielmehr um das Verhalten einer Staatsanwaltschaft, die glaubt unterschwellig Politik machen zu wollen, indem sie Menschen, die ggf. eine weitaus ernsthaftere Anzeige stellen, eintrichtern, daß ohne VDS angeblich nichts geht. Man hätte sich auch mit einer Formulierung wie Beispielsweise “Uns fehlen die zweckmäßigen Mittel” neutral fassen können – aber man zieht es offenbar vor billige Ohne-VDS-geht-nichts-Propaganda unters Volk zu bringen.

Das ist unredlich und verlogen.

Wärmebilder eines Raspberry Pi

Gestern habe ich von einem Geschäftspartner eine Trotec EC060 (Amazon / Herstellerlink) Wärmebildkamera geliehen bekommen. Wer sich einmal ansehen möchte, wie die Temperaturentwicklung auf einem Raspberry Pi Model B mit diesem Kühlerkit verläuft, der kann das anhand der nachfolgenden Wärmebilder tun.

Das Gerät kam gut gekühlt aus dem Eisfach. Zu sehen ist ein Zeitfenster von ungefähr 15 Minuten. Auf dem Raspberry läuft eine OwnCloud wie ich sie im Rahmen meiner unternehmerischen Tätigkeit auch an Unternehmenskunden verkaufe.

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Bedauernswerter Weise sind Wärmebildkameras äußerst kostspielig. Besonders Modelle, mit hohen Auflösungen kosten gut und gerne fünfstellig.

Seit wann bitteschön soll TrueCrypt kaputt sein?

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Die bis Anfang dieser Woche noch (bei richtiger Anwendung) selbst für Geheimdienste als unknackbar geltende Verschlüsselungssoftware TrueCrypt wird ausweislich aktueller Berichterstattung, unzähliger Tweets und Verlautbarungen aus sonstigen Quellen, einschließlich der Entwicklerwebsite, nunmehr als “unsicher” bezeichnet.

Entschuldigung, ich glaube nicht, hier etwas verpasst zu haben. Nun ja, es mag sein, daß aus bislang noch ungeklärter Ursache die Weiterentwicklung TrueCrypts eingestellt worden ist. Und ja, es mag sein, daß selbst die Entwicklerwebsite davor warnt, daß Truecrypt ungefixte Schwachstellen beherrbergt und daher als unsicher angesehen werden muss. Trotz allem sind aus meiner Sicht mal ein paar nüchterne Gedankengänge anzustellen.

1.) TrueCrypt in der bis vor wenigen Tagen letzten Version 7.1a galt bis dato als genau die Software, auf die man sich verlassen möchte, wenn man den Inhalt seiner Datenträger vor allzu neugierigen Blicken anderer schützen möchte. (Strafverteidiger Vetter berichtet aus seinem Arbeitsalltag.) Ein vor kurzem durchgeführter Sicherheitsaudit der Software (siehe PDF-Datei) stellte lediglich kleine Mängel fest, die nicht dazu geeignet sind, daß Heilsversprechen TrueCrypts anzugreifen.

2.) Unterstellt, die Entwickler fällten ihren Entschluss, TrueCrypt nicht weiterzuentwickeln, tatsächlich aus freien Stücken, so mutet der Umstand, daß mit der nun veröffentlichten Version 7.2, die faktisch nur noch das Entschlüsseln bestehender TrueCrypt-Container und -Festplatten ermöglicht, äußerst merkwürdig an. Daß die aktuelle Version mit demselben Key signiert ist, mit dem auch bereits die Vorgängerversion 7.1a signiert wurde, entlockt mir dabei nur ein müdes Achselnzucken. Wenn ich mich recht entsinne, stand bei TrueCrypt immer auch der Gedanke, eine OpenSource-basierte Lösung zu entwickeln, im Vordergrund. Daß die Entwickler nun ruhigen Gewissens und ganz ohne Not auf das von Microsoft stammende Bitlocker verweisen, kann ich mir nicht vorstellen.

3.) Die Erklärung, TrueCrypt würde eingestellt werden, weil Microsoft den Support für Windows XP eingestellt habe und TrueCrypt eigentlich das Ziel verfolgt hatte, vertrauenswürdige Verschlüsselung für Windows-Systeme anzubieten, halte ich für wenig überzeugend. Um ehrlich zu sein, wirkt diese Erklärung auf mich eher wie eine Märchengeschichte, die dem insgesamt doch eher rätselhaft anmutenden Vorgängen etwas Plausibilität einhauchen soll. Mein Gefühl sagt mir: Diese XP-Nummer ist bloß Legendierung. Realistischer ist für mich eher, daß die Entwickler bei dieser Aussage einkalkuliert haben, daß erst in Zukunft eklatante Schwachstellen entdeckt werden könnten. Die Warnung, TrueCrypt sei nicht sicher, daß sie Schwachstellen enthalten könnte, muss aus meiner Sicht eher als Absicherung für die Zukunft verstanden werden.

4.) Was soll an TrueCrypt jetzt bitte unsicher sein? TrueCrypt 7.1a galt, ich erwähnte es bereits, als niet-und-nagelfest. Auch wenn die offizielle Entwicklerseite die Version 7.1a nicht mehr anbietet, so wird man doch bei Heise und unzähligen anderen Anbietern und privaten Softwarearchiven fündig. Bloß, weil große Nachrichtenseiten Dinge hundertfach nachplappern, werden sie nicht zu einer Tatsache – bestenfalls dienen sie der Zerstörung des bis dato herausragend guten Images von TrueCrypt.

5.) “Hilfe, Hilfe, die Leute sagen, daß TrueCrypt kaputt ist, was soll ich tun?” Setz Dich wieder hin, benutze TrueCrypt 7.1a und stell Deine irrationale Schnappatmung ein, Du fängst Dir sonst noch den Tod!

Podiumsdiskussion der Langenfelder Bürgermeisterkandidaten

Gestern Abend fand in der Langenfelder Stadthalle eine von der Rheinischen Post veranstaltete Podiumsdiskussion mit den Bürgermeisterkandidaten Günter Herweg (Grüne), Frank Schneider (CDU), Sascha Steinfels (SPD) und Frank Noack (FDP) statt. Ich habe mir die Veranstaltung angesehen und will mal meinen Eindruck davon widergeben. Da ich mir während der Veranstaltung keine Notizen gemacht habe, ist alles Nachfolgende im Grunde ein Gedächtnisprotokoll.

Los ging es um 19 Uhr mit einer kurzen Fragerunde, bei der die Kandidaten kurz vorgestellt wurden, wie alt sie sind und was sie so beruflich machen. Das ging nur wenige Minuten und ich glaube jeder witzelte herum, daß er natürlich in dem schönsten, bzw. allerschönsten Stadtteil wohnen würde. Das war eher uninteressant und mir fiel eigentlich nur auf, daß sie bei Herrn Schneider gar keinen Beruf genannt hatten, bei allen anderen aber schon. Welchen Beruf übt denn Herr Schneider eigentlich aus, weiß das jemand?

Im Anschluß daran ging es um die Bebauungspoltik in Langenfeld und insbesondere den Grüngürtel. Das mit dem Grüngürtel stellte sich für mich persönlich als einer der erhellendesten Momente der gesamten Veranstaltung heraus. Aber dazu später mehr. Naturgemäß ist die Bebauung in Langenfeld ein eher kontroverses Thema. Schneider meinte zwar, der Grüngürtel sei ihm heilig, sah sich dann aber zum einen Kritik von Herweg und ich glaube auch Steinfels ausgesetzt und konnte bei seiner Erwiderung für mich meinen Geschmack nicht so richtig überzeugen. Auch aus dem Publikum kamen Bemerkungen, die an Herrn Schneider gerichtet waren und da fand ich die Antworten ebenfalls wenig überzeugend.

Am besten fand ich bei diesem Thema den Grünen Herweg und Steinfels von der SPD. Steinfels argumentierte, daß die weitere Bebauung von bisherigen Grünflächen unnötig sei und meinte, wir sollten als allererstes mal zusehen, daß wir die ganzen leerstehenden Gebäude sowohl in der Innenstadt als auch in den Industriegebieten mit neuen Mietern bestücken. Von der Rhetorik als auch von der Nachvollziehbarkeit des Gesagten fand ich Steinfels hier am besten. Bei Herrn Herweg hatte ich oft das Gefühl, daß man Insiderwissen haben müsste, um ihm inhaltlich folgen zu können. Frank Noack hat zu diesem Thema glaube ich auch etwas gesagt, was genau das war, kann ich aber nicht mehr widergeben. Ich weiß nur noch, daß es ebenfalls gut nachvollziehbar war.

Jetzt zu dem Punkt, den ich Eingangs als “erhellend” bezeichnet habe. Da muss ich wirklich einmal sagen, wie absurd, obskur und kindergartenmäßig die politischen Gespräche ablaufen können. In zweiter Reihe meldete sich ein älterer Bewohner zu Wort, daß ihm nicht klar sei, was denn der Begriff “Grüngürtel” eigentlich aussagt. Als die Kandidaten daraufhin antworteten, stellte sich schnell heraus, daß es da offensichtlich unterschiedliche Auffassungen darüber gibt. Mit anderen Worten: Alle vier reden über den Grüngürtel, meinen aber unterschiedliche Dinge. Frank Schneider meinte Grüngürtel sei wie der Gürtel, den er sich um die Hose bindet das ganze Grünzeug außen herum, während Herweg soweit ich mich richtig erinnere durchaus auch Grünflächen innerhalb des äußeren Rings meint. Wie Steinfels und Noack das wort Grüngürtel definieren, kann ich heute nicht mehr genau sagen, aber es ist klar geworden, daß da keine richtige Einigkeit besteht – und das ärgert mich auch jetzt noch. Liebe Kandidaten, weil ich weiß, daß ihr hier mitlest, möchte ich diesbezüglich jetzt persönlich ein paar Worte an euch richten:

Jeder Fünftklässler begreift, daß man immer nur aneinander vorbeireden wird, wenn man sich über die Begriffe noch nicht einmal einig ist. Ich unterstelle Ihnen allen einen gewissen Intellekt und deswegen erwarte ich von Ihnen, daß Sie einen solchen Killefitz in Zukunft abstellen. Das bringt niemanden weiter, nicht Sie persönlich, nicht ihre Partei und schon gar nicht das jeweilige inhaltliche Anliegen in unserer Stadt. Schafft bitte zunächst einmal einen Konsens darüber, was der Begriff eigentlich aussagt, bevor ihr die Haltung des anderen doof findet.

Ich persönlich muß sagen, daß ich es sachdienlicher fände, künftig nicht mehr vom “Grüngürtel” zu sprechen, sondern stattdessen von “Grünflächen”. Warum? Weil ich Grünflächen insgesamt total dufte finde und ich SELBSTVERSTÄNDLICH auch im Stadtinneren Bäume, Blumen, Wiese, kurzum: Grün sehen möchte! Es macht aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn, diese Diskussion auf das Grün um Langenfeld herum zu beschränken. Und falls das doch Sinn machen sollte, bitte ich die Kandidaten, das einfach mal zu erklären. Auf die Erklärung bin ich aber gespannt!

Der nächste Punkt war die Gewerbesteuer in Langenfeld und die Frage, ob man diese heben oder senken sollte. Schneider ärgerte sich darüber, daß die anderen Parteien Unternehmen manchmal mit Erpressern vergleichen. Seine Argumentation war sinngemäß diese:

“Ist doch klar, daß Unternehmen natürlich auch die Gewerbesteuer mitberücksichtigen wenn sie einen Mietvertrag verlängern wollen. Das ist einfach unternehmerisches Handeln und keine Erpressung. Außerdem verliere ich lieber ein paar Euro an der Gewerbesteuer als die gesamte Gewerbesteuereinnahme und das Unternehmen”.

Steinfels machte an dieser Stelle zwar keinen offensiven Angriff, man merkte aber, daß er insgesamt nicht mit Herrn Schneider einer Meinung ist – so jedenfalls mein Eindruck. Steinfels argumentierte, daß wenn man die Gewerbesteuer senkt, mal locker acht Millionen an Einnahmen flöten gehen und die müßte man dann auch erst einmal irgendwie wieder reinbekommen. Außerdem sollte man sich mal gut überlegen, was für Unternehmen man in Langenfeld haben will. Es ist nämlich niemanden gedient, wenn man hier einige wenige Unternehmen hat, die alleine einen Großteil der Gewerbesteuereinnahmen ausmachen, weil man dann selbstverständlich in einer schlechten Verhandlungsposition ist.

Was Herweg und Noack zu dem Thema gesagt haben, weiß ich nicht mehr. Was mir sofort einleuchtete, ist, daß es nicht gut sein kann, sich auf einige wenige – wie Herr Schneider sagte – “Blockbuster” zu verlassen. Vor meinem inneren Auge spielt sich da immer folgende Szene ab: Geht der gewerbesteuerstarke Unternehmer zur Politik und sagt:

“Schöne Gewerbesteuer habt ihr da, wäre doch schade, wenn die künftig ausbliebe… *mafiablick*”.

Und genau das soll wohl im Zusammenhang mit der Firma ControlExpert passiert sein. Aber als der Name fiel, redeten plötzlich alle durcheinander, sodaß ich da nichts Genaueres drüber sagen kann. Insgesamt fand ich hier Herrn Steinfels recht differenziert und überzeugend. Was Herr Schneider sagte, klang jetzt nicht wirklich falsch, aber stellenweise wirkte er auf mich, wie ein von Unternehmen Getriebener. So, als wenn nicht die Politik bestimmt, was die Spielregeln sind, sondern die faktische Machtausübung von der Wirtschaft aus geht. Ist nicht so, daß ich nicht wüßte, das wirtschaftliche Zwänge und Mechanismen den Handlungsspielraum der Politik in gewisser Weise auch einschränken, aber in Summe empfand ich Schneider hier eher hilflos.

Als nächstes Ging es glaube ich um die Wiedereinführung der kostenfreien Parkstunde in der Langenfelder Innenstadt. Da fand ich schade, daß niemand mal richtige Zahlen vorgelegt hat, was das nun eigentlich bringt. Steinfels ist tendenziell eher für die Wiedereinführung der kostenfreien Parkzeit, bei den anderen bin ich mir jetzt gar nicht so sicher, weil die Standpunkte irgendwie nicht richtig rübergekommen sind. Aus dem Publikum meldete sich ein Einzelhändler und kritisierte Steinfels, daß diese Diskussion eigentlich völlig unnötiger Quatsch sei, weil sich eigentlich niemand über das kostenpflichtige Parken aufregen würde.

Als es um das Thema Verkehr ging, ist für mich auch nicht so richtig klar geworden, wer da jetzt eigentlich was genau will. Einigkeit herrscht aber wohl in dem Punkt, daß die Berghausener Straße zu Stoßzeiten ein einziges Krebsgeschwür ist und daß man da echt mal was machen müsste. Nur was? Dazu hat sich glaube ich kein einziger der Kandidaten geäußert.

Am Ende kam das Thema Windkraft dran. Hier hatte ich mir wirklich etwas erhofft, weil das Thema mich persönlich sehr interessiert. Leider war das Gesagte ziemlich enttäuschend. Bei Herrn Schneider hatte ich ständig das Gefühl, daß er da herumeiert wie ein Weltmeister. Ständig wurde auf irgendwelche Gutachten verwiesen und das wirkte auf mich eher so als ginge es in erster Linie darum, sich selbst an nichts die Finger zu verbrennen. Enttäuschend fand ich da auch die Schlußbemerkung von Herrn Noack, daß Langenfeld ja nicht die Energieprobleme der Welt lösen könnte. Das wirkte auf mich wie “darauf haben wir als FDP keinen Bock!”. Whoa… seriously, FDP!? Mehr als DAS ist nicht drin?? Dankenswerter Weise rief Herr Herweg gleich hinterher, daß man aber immerhin zur Lösung beitragen könnte.

Was mich außerdem enttäuscht hat, war, daß nicht klar geworden ist, was denn jetzt eigentlich der Stand der Dinge ist. Außerdem hatte ich den Eindruck, daß die vier gerade bei diesem Thema regelrecht wütend aufeinander sind und sich gegenseitig Blockade des Projekts vorwerfen. Aber wer da letzten Endes die Wahrheit sagt, kann ich alleine nicht beurteilen. Aus dem Bauch heraus würde ich sagen, wer für den Bau einer Windkraftanlage ist, der sollte Grün wählen. Bei der FDP ist mit

“Langenfeld kann nicht die Energieprobleme der Welt lösen”

bitterlicherweise alles gesagt. Bei der CDU wirkt es so, als würden sie taktieren und schmutzige Spielchen spielen – ich kann nicht detailiert begründen wieso, aber mein Bauch sagt mir: Finger weg! Bei der SPD bin ich mir unschlüssig, wie die jetzt eigentlich dazu stehen. Da würde ich mir mal eine öffentliche Klarstellung wünschen und vielleicht kann die SPD da ja noch gleich das eine oder andere erhellende Detail gleich mit reinschreiben.

Insgesamt waren in dem Raum etwa 100 Leute anwesend. Ob da jemand unter 20 Jahren dabei war… ich glaube nicht. Gefühlsmäßig waren sehr viele Parteigänger anwesend, da hätte ich mir gewünscht, daß da mehr ungebundene Bürger gekommen wären. Auf der anderen Seite ist es aber auch kein Wunder, daß da so viele von den “üblichen Verdächtigen” kommen: So richtig beworben, wurde die Veranstaltung ja nicht.

Die Moderation durch den Rheinische-Post-Menschne Stephan Meisel fand ich fair and balanced. Was ich aber doof fand, war folgendes: Als man den Raum betreten hat, lag auf jedem Stuhl ein Zettel, auf den man seine Fragen aufschreiben konnte. Doof deshalb, weil ich zu so einer Veranstaltung doch nicht zwingend einen Kugelschreiber mitnehme. Schade fand ich auch, daß Publikumsfragen auch nur zu den Themen gestellt werden konnten, die die Agenda vorgesehen hatte. Am Ende war auch keine Zeit mehr für eine offene Fragerunde, bei der jeder einfach hätte fragen können, was ihn gerade interessiert. Zeitlich war das ganze auch eher kurz. Es ging so bis viertel nach Acht also eine Stunde und 15 Minuten – da war ja selbst bei der Veranstaltung des Jugendrings vor ein paar Tagen mehr Zeit! Schade, da hat man eine Chance verpasst.

Achso und wenn ich mich richtig erinnere macht die Bettine-von-Armin Schule jetzt die Tage auch noch einmal eine Podiumsdiskussion. Da sollen dann glaube ich 200 Schülerinnen und Schüler die Kandidaten grillen. Weiß da jemand genaueres dazu? Ich weiß nur noch, daß der Herr Steinfels darauf hingewiesen hatte, was ich ja schon mal sehr positiv zur Kenntnis nehme, wenn man als Bürgermeisterkandidat von sich aus so was tut!

Unterm Strich muss ich nach dieser Veranstaltung und der davor vom Jugendring sagen, daß Herr Steinfels von allen Kandidaten am besten rüberkommt. Er spricht eloquent und sondert kaum Sprechblasenworthülsen ab, sondern was er sagt, ergibt für mich Sinn und ist nachvollziehbar. Herr Noack ist in den wenigen Momenten, wenn er denn mal was sagt, ebenfalls nachvollziehbar und er wirkt auf mich wie jemand, der Entscheidungen nicht einfach aus der hohlen Hand heraus trifft, sondern sich erstmal auf Fakten berufen möchte. Da er aber eher wenig sagt, kann ich mir von ihm nicht so richtig gut eine Meinung bilden.

Schneider wirkt auf mich sehr oft ziemlich isoliert. Isoliert in dem Sinne, daß zwischen Noack, Steinfels und Herweg eigentlich recht oft Einigkeit herrscht, Herr Schneider jedoch immer wieder in Erklärungsnöte kommt und dann aber nicht überzeugen kann und anfängt Sprechblasen in Form von längeren Redeschwällen abzusondern. Herr Herweg verliert sich öfters mal in irgendwelchen Details, sodaß man als Außenstehender nur schwer folgen kann. Man hat zwar das Gefühl, daß er auf dem richtigen Weg ist mit seiner Argumentation, aber wirklich überprüfen kann man das nicht – ICH zumindest nicht. Da würde ich mir wünschen, daß er seine Dinge greifbarer darstellen würde.

Ich persönlich muß sagen: Was ich in den letzten zwei Veranstaltungen gesehen habe, hat dazu beigetragen, daß ich sehr wahrscheinlich anders wählen werde, als ich es davor noch getan hätte. Deshalb kann ich jedem nur empfehlen, zu solchen Veranstaltungen hinzugehen. Die Informationsstände, bei denen jeder Kandidat bzw. jede Partei für sich alleine irgendwelche Dinge erzählt, haben mir im direkten Vergleich mit diesen öffentlichen Konfrontationen ehrlich gesagt nicht viel weitergeholfen.

Kommunalwahl ist übrigens am 25. Mai. Geht hin!

Die weltweite Informationstechnologie ist zunehmend kaputt. Wir bewegen uns gerade auf ein digitales Peak Oil zu.

Neuerdings will es jeder “doch schon immer gewußt” haben. Daß nämlich die Überwachung allgegenwärtig ist und daß sowohl private Firmen, der Staat als auch Geheimdienste alles überwachen, wozu sie technisch in der Lage sind. Wie selbstverständlich hört man neuerdings diese Formel. Neuerdings, wohlgemerkt. Denn wer sich vor einigen Jahren noch mit derlei Aussagen aus dem Fenster gelehnt hat, der bekam umgehend ein Stempel aufgedrückt: wahlweise das des Spinners oder das des Verschwörungstheoretikers.

Selbst wenn man spätestens seit den Veröffentlichungen Edward Snowdens die Existenz mannigfaltiger geheimdienstlicher Überwachungsapparate bejaht und sie mit dem Verweis “das hätte man doch wissen müssen!” bestätigt, offenbart sich in der Selbstverständlichkeit, mit der diese Aussage gemacht wird, eine verstörende Mischung aus Gleichgültigkeit und Ohnmacht. Beinahe verstörender als die bloße Existenz besagter Überwachungsapparate ist die Tatsache, daß sie von weiten Teilen der Zivilgesellschaft offenbar hingenommen werden; daß sich darüber kaum noch richtig empört wird.

Fairerweise sei an dieser Stelle anzumerken, daß für richtige Empörung streckenweise schlicht keine Kraft mehr übrig ist. Zu viel hat man sich in den letzten Jahren empört. Irgendwann ist naturgemäß einfach die Luft raus – und selbst wenn man zu denen gehört, die es tatsächlich schon immer wussten: Daß immer neue Hiobsbotschaften geheimdienstlicher Überwachungspraxis neuerdings zu einer Art laufenden Sportberichterstattung werden, lässt selbst sehr sachliche und bodenständige Beobachter allmählich abstumpfen.

Auch wenn bisweilen unklar ist, ob es in absehbarer Zeit – ich spreche von einem Zeithorizont von 15 bis 30 Jahren – gelingen wird, Privatsphäre im digitalen Raum effektiv durchzusetzen, erscheint mir eines als traurige Gewissheit: Ohnmacht breitet sich aus und es ist kein Ende in Sicht.

Besonders als Informatiker lässt mich die eingangs erwähnte “Sportberichterstattung” nicht kalt. Und dabei ist nicht bloß von den Umtrieben der Geheimdienste zu sprechen. Wer neuerdings einen Blick in die Nachrichten riskiert, der bekommt laufend Meldungen über kompromittierte Zugangsdaten zu lesen. Eine Millionen Passwörter entfleucht hier, 18 Millionen Zugangsdaten zu Emailpostfächern “gestohlen” dort, wieder anderenorts stellt sich heraus, daß aufgrund von vermeidlich kleinen Schwachstellen so ein elementares Verschlüsselungsverfahren wie OpenSSL seit 2012 unsicher gewesen ist. Milliarden Privatnutzer und Unternehmen waren betroffen. Milliarden!

2012 war auch das Jahr, in dem Reihenweise die weltweiten Certificate Authorities im Grunde genommen geplatzt sind. Für alle Nichtinformatiker: CAs, das sind diejenigen, die dafür sorgen, daß einem keine rote Fehlermeldung im Browser angezeigt wird, wenn man das vermeidlich “sichere” HTTPS benutzt um sein Onlinebanking aufzurufen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Sache wächst uns zusehends über den Kopf. Wir nähern uns langsam aber stetig einem Punkt, an dem die Wahrscheinlichkeit, daß kommenden Monat das nächste wirklich wichtige Ding kaputt geht, größer ist als die Wahrscheinlichkeit, daß wir unsere Totalschäden aus den Vormonaten reparieren können. Wir verlieren die Kontrolle.

  • Wir haben erkannt, daß unser Verfahren, wie wir im Internet Vertrauenswürdigkeit abbilden, grundlegend dysfunktional ist. Trotzdem machen wir aus einer Mangel an einer praxistauglichen Alternative notgedrungen weiter so.
  • Gefühlt alle zwei Tage platzt bei einem Diensteanbieter mit Millionen von Kunden die Datenbank mit den Zugangsdaten. Und das Einzige, was uns Informatikern dazu einfällt, ist: “Ändert mal eure Passwörter!”.

    Ernsthaft!? Wie oft gedenken wir den Menschen da draußen denn noch alle zwei Tage den Ratschlag zu geben, sie mögen doch jetzt mal alle ihre Passwörter ändern? Es ist fürchterlich genug, daß wir uns damit allmählich lächerlich machen. Schlimmer noch ist, daß wir keinen Plan B haben, während Innenpolitiker und Vertreter aus der Privatwirtschaft bereits mit Konzepten wie dem ePerso das vermeidliche Heilsversprechen bewerben.

    Wir Informatiker sind aus offensichtlichen Gründen am Ende, wenn das unser modus operandi für die kommenden 20 Jahre sein soll. Denn auch in diesem Fall machen wir aus Mangel an praxistauglichen Alternativen notgedrungen weiter so.

  • Produktlebenszyklen werden immer kürzer. Wer heute beispielsweise als IT-Dienstleister in einen zufälligen Betrieb geht, findet im Regelfall einen regelrechten Zoo an Betriebssystemen vor, den es zu Anfang der 2000er-Jahre so nicht gegeben hätte. Die Komplexität nimmt immer weiter zu – und alles hat heute Abhängigkeiten zu allem.

    Kollegen, die vor zehn Jahren noch guten Gewissens Computernetzwerke ihrer Kunden betreuten, berichten mir, daß Ihnen die Sache heutzutage stellenweise aus der Hand gleitet, weil gefühlt “nichts mehr sauber funktioniert”.

Im Angesichte der Gewissheit, daß wir uns in ein Zeitalter bewegen, in dem jeder Kühlschrank und jeder PKW mindestens eine IP-Adresse hat und fröhlich Daten zur weiteren Verarbeitung in irgendwelche Rechenzentren schickt, graust es mir davor, mir auszumalen, wie das alles weiter gehen soll, wenn wir nicht langsam mal zur Vernunft kommen.

Wir können so nicht weiter machen, sonst haben wir mit unserer zunehmend zerfallenden Informationstechnologie bald ein Problem, das sich mit Blick auf seinen gesellschaftlichen Impact nur knapp unter Peak Oil bewegt.

Bevor mich jemand fragt: Nein, ich selbst habe bisweilen auch keine Lösung parat. Mir geht es hiermit erst einmal darum, zu erklären, weshalb ich besorgt bin.

Schnuckelbär!

Wenig sinnvolle Ideen auszurotten, ist bekanntlich ein schwieriges Unterfangen. Der Einsatz von wahlweise als “Porno-” oder “Jugendschutzfilter” bezeichneten Zensurinstrumenten hingegen wird möglicherweise niemals zu den Akten gelegt werden. So berichtet Heise Online mit Meldung vom 11. Februar 2014, daß die Niedersächsische Landesmedienanstalt in Gestalt ihres Direktors Andreas Fischer nun für den Einsatz solcher Zensurinstrumente plädiert. Andreas Fischers Tätigkeit beschreibt die NLM wie folgt:

Der Direktor nimmt die Aufgaben der NLM wahr, soweit sie nicht der Versammlung zugewiesen sind. Er vertritt die NLM gerichtlich und außergerichtlich und ist Dienstvorgesetzter der Bediensteten der Landesmedienanstalt.

Und die NLM selbst – was macht die eigentlich? Ausweislich ihrer Website folgendes:

Die NLM lizenziert private Radio- und Fernsehveranstalter und beaufsichtigt die Programme. Sie engagiert sich im Bereich Medienkompetenz, fördert den Bürgerrundfunk und unterstützt die Digitalisierung der Rundfunktechnik.

Medienkompetenz also. Soso!

Lustig wirds, wenn man sich den Lebenslauf des Direktors der NLM einmal etwas genauer ansieht. Dieser ist nämlich auf der Website der NLM in Form einer PDF-Datei abrufbar. Und wer darin einen Blick auf die Dokumenteneigenschaften wirft, wird in der Kategorie “Verfasser” auf ein eher amüsantes Detail stoßen:

schnuckelbaer

Im Hinblick darauf, daß die Niedersächsische Medienanstalt von sich sagt, im Bereich Medienkompetenz unterwegs zu sein, belasse ich es bei dieser amüsanten Beobachtung. So eine PDF-Datei ist ja schnell ausgetauscht. Weniger amüsant hingegen finde ich die politische Forderung besagter Zensurinstrumente. Diese haben in einem freiheitlichen Staat nichts verloren. Ob als Vorwand zur Einführung nun Jugendschutz, Terrorismus oder Urheberrechtsverletzungen herhalten müssen – derlei Filter sind vom Teufel und das sollte man eigentlich wissen, wenn man sich “Medienkompetenz” ans Revers heftet.

Auf der anderen Seite: Welcher Direkter einer solchen Institution bezeichnet sich selbst öffentlich schon als “Schnuckelbär”, bzw. lässt von “Schnuckelbär” seine Vita verfassen?

Markus Lanz bekommt zurzeit sachliche Kritik zu hören – und keinen “Shitstorm”

Bei dieser Geschichte um Markus Lanz und Sarah Wagenknecht geht mir ganz besonders auf die Nerven, daß sowohl von den Kritiker-Kritikern als auch von Teilen der Medien die gegenüber Lanz Verhalten geäußerte Kritik schlechthin als “Shitstorm” bezeichnet wird. Auffällig ist, daß ausgerechnet diejenigen von einem Shitstorm sprechen, die ein Interesse an der Delegitimation der Kritik und ihrer Urheber haben – die Konservativen im Allgemeinen und Linkengegner im Besonderen.

Sie machen es sich einfach, sie drehen das ganze einfach um: Menschen, die gut begründet, schlüssig und nachvollziehbar Markus Lanz Verhalten kritisieren, sollen auf diese Weise zu Idioten gemacht werden; zu Leuten, die, wie ein Kollege kommentierte, “Tugendfuror und unberechtigte Skandalisierung” betreiben. Es ist, als wollten die Kritiker-Kritiker den inzwischen wie ich hörte über hunderttausend Petenten mitteilen, daß sie doch mal lieber die Schnauze halten sollten, anstatt ihre Meinung kundzutun.

Ich sehe die Sache so: Die ganzen Kritiker-Kritiker sind in Wahrheit bloß gekränkt und eingeschnappt, weil ausgerechnet eine Linkenpolitikerin als “Siegerin” aus besagter Sendung hervorging! Und damit ist das Thema für mich beendet. Was freilich noch zu diskutieren wäre, ist der Umgang der Öffentlich Rechtlichen mit dieser Thematik. Und dieser ist nach meiner bisherigen Beobachtung ebenfalls eher peinlich.

Besuch beim 30. Chaos Communication Congress

Gestern war ich in Hamburg mir den zweiten Tag des diesjährigen Chaos Communication Congress anzusehen. Es war echt super dort. Die Location ist wirklich sehr groß und die Vorträge (zumindest die, die ich bisher gesehen habe) waren stellenweise großartig – ganz besonders der Vortrag “Bullshit made in Germany” von Linus Neumann. Der Vortrag kommt mit dem Untertitel “So hosten Sie Ihre De-Mail, E-Mail und Cloud direkt beim BND!” und ich sage euch: Sich dieses Video anzusehen, ist ein absolutes Muss, alleine schon wegen des massiven Unterhaltungsfaktors.

Außerdem war es einfach klasse, endlich mal wieder persönlich mit einigen Kumpels abzuhängen, sich auszutauschen, zu lachen und zu diskutieren. In den kommenden Tagen werde ich mir noch den einen oder anderen Vortrag ansehen und die Perlen hier posten.

So, jetzt aber viel Spaß mit Linus und Bullshit made in Germany! :-)

Was Michail Chodorkowskij und Edward Snowden gemeinsam haben – und was sie unterscheidet

Was ich in dem Zusammenhang der Freilassung Michail Chodorkowskijs aus Russland nicht verstehe: Chodorkowskij wird wahrscheinlich Asyl in Deutschland bekommen haben. Wenn Chodorkowskij Asyl bekommen konnte, weshalb argumentiert man (und vorzugsweise unsere Regierung!), daß man Edward Snowden angeblich kein Asyl gewähren kann?

Für Asylanträge ist meines Wissens das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge für Asylanträge zuständig. Dieses arbeitet meines Glaubens weisungsgebunden. Wenn dies so ist, reihen sich aus meiner Sicht einige Aspekte aneinander, die Fragen aufwerfen:

Will man der Presse Glauben schenken, soll Chodorkowski erst vor kurzem seinen Antrag an Herrn Putin gestellt haben. (Die Spekulationen darüber, was wohl hinter den Kulissen wirklich abgelaufen ist, lasse ich jetzt bewusst außenvor.)

Demnach hätte er also in Erwartung eines positiv beschiedenen Gnagengesuchs quasi gleichzeitig einen Asylantrag ans Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gestellt haben müssen.

Wenn man sich vor Augen hält, wie schnell sein Antrag hätte geprüft und gebilligt werden müssen, mutet es gänzlich unglaubwürdig an, daß sein Antrag im “Normalverfahren” bearbeitet worden ist. Im Gegenteil: Das ging nicht seinen gewöhnlichen (gemächlichen) Weg durch die Instanzen, sondern wurde schlicht durchgewunken bzw. priorisiert behandelt – und zwar weil es politisch gewollt war, den Mann hier reinzuholen. (Was ja ok ist!).

Aber dann verstehe ich nicht, weshalb das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht auch bei Edward Snowden so verfahren kann. Wir hätten den Mann schon längst zu uns holen können, ihm Aufenthalt und Schutz gewähren können und somit die NSA-Aufklärung durchbringen können.

Es erhärtet sich mein Bauchgefühl, daß das in Vergangenheit schlicht nicht gewollt war und auch in Zukunft nicht gewollt sein wird.

Weshalb von der großen Koalition in Sachen Netzpolitik nur das Schlechteste zu erwarten ist

Eine Freundin hat mich gefragt, was ich davon halte, daß im Rahmen unserer neuen Bundesregierung die Zuständigkeiten für Digitalpolitik auf mehrere Ministerien verteilt sind. Ich habe ihr folgendes geantwortet:

Weißt Du, es gibt potenziell gute aber auch schlechte Aspekte hieran. Nehmen wir an, wir hätten ein Ministerium, in dem alles gebündelt wurde. Und nehmen wir an, die dortigen Ministerialbeamten wären alles rückwärtsgewandte Betonköpfe. In diesem Fall wäre an einer Hand auszurechnen, was von diesem Ministerium zu erwarten wäre. In so einem Fall wäre mir eine Aufteilung der Zuständigkeiten insgesammt lieber. Man könnte nämlich wenigstens in anderen Bereichen noch etwas retten.

Auf der anderen Seite hat die Aufspaltung natürlich auch Nachteile: Potenziell wird schlechtestenfalls jeder sein eigenes Süppchen kochen und die Ziele der Initiative A aus Ministerium A werden vielleicht mit den Zielen der Initiative B aus dem Ministerium B kollidieren. Und dann ärgern sich wieder alle, daß die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut. Das sind naheliegende Gedanken, auf die man zwangsläufig kommt, wenn man sich die Mechanismen der Macht vor Augen führt – da brauchen wir nur auf die letzten paar Jahre zurückblicken (Stichwort: Innenministerium will Vorratsdaten, Justizministerium wollte die nicht!)

Insgesammt aber ist diese Diskussion auch ein Bißchen substanzlos, weil es meiner Meinung nach nichts wirklich Gutes zu erwarten gibt bei DIESER Regierung.

Mal ganz nüchtern gefragt: Erwartest Du etwas Segensreiches von einer Regierung, die mit Frau Voßhoff jetzt eine Datenschutzbeauftragte installiert hat, die für Vorratsdatenspeicherung, für Netzsperren und für Trojanereinsatz gestimmt hat, als sie noch Bundestagsabgeordnete war? (Um nur mal ein aktuelles Beispiel zu nennen.)

Ich erwarte von denen nur das Schlechteste. Union und SPD – das sind immerhin die Leute, die VDS wollen, Netzsperren ins Gesetz geschrieben haben (es ist egal, daß sie sie nacher wieder gekillt haben!), Trojaner befürworten und kein Interesse an der Aufklärung der NSA-Geschichte haben. Diese Leute sind gegenüber dem großen Amerikanischen Bruder derart unterwürfig, daß sie sich alles nur erdenklich Mögliche auftischen lassen und es uns Bürger brav auslöffeln lassen werden.

Ja SOLCHEN Leute vertraue ich doch meine Kinder an, wenn ich welche hätte. Nicht.

Landgericht Köln erläutert Beschluß zur Datenfreigabe im Zusammenhang der RedTube-Abmahnungen der Kanzlei U+C

Es gibt jetzt ein spannendes Update zu der Sache mit den RedTube-Abmahnungen von der Kanzlei U+C. Das Landgericht Köln, was ja die Datenfreigabe bewilligte, hat jetzt auf Anfrage eines Anwalts erklärt, weshalb sie die Datenfreigabe überhaupt bewilligt haben.

Ihr erinnert euch: Die Kanzlei U+C kam mit einer Liste von IP-Adressen zum Landgericht Köln und hat gesagt: “Hier ist eine Liste von Leuten, von denen wir glauben, daß sie sich rechtswidrig urheberrechtlich geschützten Porn geklickt haben. Wir brauchen euer OK, damit wir zu den Providern gehen können und von denen die Preisgabe der Anschlußinhaber fordern können”.

So. Daraufhin hat das LG Köln also gefragt: “Hmm, woher wissen wir denn, daß eure Liste nicht auf reiner Halluzination und Magierskunst basiert?” Und daraufhin die Leute von U+C: “Hier, tolle Software, nennt sich GLADII. Die macht Hokus-Pokus-Fidibus IP-Adressus-Ermittlikus!”. Und das LG Köln so: “Joah, ok, hier habt ihr den Wisch, mit dem ihr zu Telekom und Co rennen könnt!”

Und falls ihr, wie ich, Informatiker seid, dann überlegt mal für einen Moment, wo der Haken an der Sache ist. Es gibt nämlich einen. Für diejenigen, die keine Informatiker sind, oder einfach nicht drauf kommen, die Lösung lautet: Woher kann deren Hokus-Pokus-GLADII-Software wissen, auf welchen Seiten irgendwelche Leute im Internet sich tummeln?

Diese Frage ist schlicht und ergreifend nicht geklärt. Damit hätte das LG Köln sich aber befassen müssen, bevor die Datenfreigabe erfolgt ist. Möglich ist, daß mittels dieser Software, unabhängig davon, ob sie nun wirklich funktioniert – oder ob sie doch eher auf Zauberei und den zweifelhaften Künsten irgendeines selbsternannten IT-Schamanen beruht – Rechtsbrüche begangen worden sind.

Fazit bisher: Das LG Köln hat sich höchstwahrscheinlich von technischem Voodoo einlullen lassen und so in Folge unzählige Internetnutzer an die Klinge einer Abmahnkanzlei geliefert. Es kommen düstere Zeiten auf Internetnutzer zu, wenn das Abmahnunwesen nicht eingedemmt wird und wenn unsere Gerichte auf derlei niedrigem Niveau weiteragieren.

Wie Orkan Xaver Deutschlands Windstromproduktion ankurbelte

Vom 4. bis 7. Dezember 2013 wehte der Orkan Xaver über Deutschland hinweg. In den Nachrichten im Web und im TV wurde verständlicherweise über die angerichteten Sach- und Personenschäden berichtet. Was leider überhaupt keine Erwähnung fand, war einer der positiven Aspekte: die durch den Sturm mittels Windkraftanlagen erzeugte Energie.

Um selbst zu erfahren, welche Auswirkung der Sturm auf die Deutsche Windstromproduktion hatte, habe ich mir vom European Energy Exchange die Rohdaten besorgt, um das zwar wenig überraschende, dafür umso erfreulichere Ergebnis hier zu präsentieren.

Der Orkan wehte insgesamt vier Tage. In meiner Beobachtung wende ich mich jedoch bloß dem zweiten und dritten Tag zu. Es ist erstaunlich zu sehen, welches Potenzial in so einem Orkan steckt. Besonders schön sieht man den Effekt auf der Visualisierung des 6. Dezembers. Dort wurden fast kontinuierlich nicht unter 22 Gigawatt Strom produziert.

Zum Vergleich: Das modernste Braunkohlekraftwerk in Deutschland, das Kraftwerk Neurath produziert 4.4 Gigawatt und die neun noch aktiven Kernkraftwerke Deutschlands kommen in Summe auf 12 Gigawatt.

windstrom_xaver_5.12.2013

windstrom_xaver_6.12.2013

Leave Marietta Slomka alone!

Das ist super: Plötzlich regen sich jeder Hinz und Kunz darüber auf, daß die Fernsehjournalistin Marietta Slomka im Interview mit Sigmar Gabriel etwas Doofes gefragt hat. Und alle schreiben sie darüber und kommentieren es, wie die Weltmeister. Spiegel Online, FAZ, Die Welt, selbst in Blogs und Twitter was da alles kreucht und fleucht.

Nur damit klar ist, über wen wir hier reden: Frau Slomka, die in bemerkenswerter und vorbildlicher journalistischer Art und Weise aus der Masse der viel zu vielen bloß mit der Beißkraft von Plüschtigern ausgestatteten Fernsehjournalist herausragt. Diese Frau Slomka!

Wir reden also über eine Journalistin, die auf gefühlt fünfhundert schlaue und gute Sätz einen doofen Satz gesagt hat.

Vorschlag meinerseits: Jedesmal, wenn irgendjemand in Deutschland etwas Doofes sagt oder Doofes fragt, lasst uns doch einfach aus allen Redaktionsrohren feuern, als stünde uns der Weltuntergang bevor! Deutschland hätte mit einem Schlag den darbenden Berufszweig Journalismus rehabilitiert und es gäbe Arbeitsplatzgarantien für die nächsten tausend Jahre. (Mindestens aber solange Henryk M. Broder noch unter uns weilt.) Wir hätten Vollbeschäftigung und die Arbeitsagenturen würden binnen eines Monats geschlossen und zu Kindertagesstätten umgebaut.

Thomas Stadler zum gleichen Thema.

Was macht eigentlich Kurt Beck bei diesem Pharma-Konzern?

Gestern fragte mich ein Kumpel: “Was macht der Kurt Beck jetzt eigentlich bei diesem Pharma-Konzern? Warum sitzt der da, der hat doch erst noch rumgeheuchelt, daß er für die Politik nicht mehr gesund genug sei!”

Daraufhin ich: “Haha! Ja, keine Ahnung – aber er entwickelt bestimmt keine Präparate, die den Menschen von der Vergesslichkeit heilen. Die SPD wäre sofort weg vom Fenster, wenns gegen Vergesslichkeit ein Mittel gäbe!”

Bitcoin erreicht 500 US-Dollar-Marke

Noch vor wenigen Jahren haben Leute, denen ich begeistert von Bitcoin erzählte, mich immer ausgelacht und gesagt “Bitcoins sind voll doof und daß Du da mitmachst, macht Dich ebenfalls doof!”.

Der Bitcoin steht aktuell bei rund fünfhundert Dollar.

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Wer ist jetzt voll doof?

Bundesregierung kooperiert mit US-Geheimdienstfirma

Jetzt haben sie rausgefunden, daß die Bundesregierung mindestens eine in Deutschland sitzende Firma auch noch dafür bezahlt, daß sie den Amerikanern Hilfe bei der Spionage in Deutschland leistet.

Und ich wette einen Monatslohn: Das wird jetzt wieder plattgetreten, es werden Berichte geschrieben und Talkshows gemacht, um am Ende festzustellen, daß wir mal wieder keinen Schritt vorwärts gekommen sind, weil schlußendlich keine Mehrheit zustande kommt, um diese Giftmischer konsequent aus dem Land zu werfen und in anständige IT-Ausbildung unserer Leute und in freie Software zu investieren.

Und der gemeine Deutsche wird unsere Regierung auch nicht zum Handeln zwingen, weil juckt den gemeinen Deutschen doch nicht, wenn seine Grundrechte verletzt, die Souveränität seines Volkes untergraben und seine Privatsphäre pulverisiert werden.

Aber Wehe dem, der vorschlägt, in Deutschen Kantinen an einem Tag in der Woche kein Fleisch auszugeben oder dem, der Tempolimit 120 fordert! Da werden bierträge Familienväter binnen Sekunden zu Bürgerrechtlern, die mit dem Grundgesetz und der Charta der Menschenrechte zwischen den Zähnen jeden anfallen, der vor den Folgen unserer Fleisch-Völlerei warnt oder die vielen Argumente für ein Tempolimit erklärt.

Deutschlands Freiheit wurde doch niemals am Hindukusch verteidigt, sondern hier bei uns – mit dem Bleifuß auf dem Gaspedal und in den Kantinen, wo wir uns das Fleisch von gequälten Tieren aus Massentierhaltung reinziehen, wie geistlose Barbaren. Weil das unser Begriff von Freiheit ist. Es wäre unterhaltsam, wenn es nicht so traurig wäre.

Innenminister Hans-Peter Friedrich

Was habe ich mich seit dem 3. März 2011 bereits über unseren Bundesinnenminister Hans Peter Friedrich aufgeregt. Der Mann, dessen erste Amtshandlung darin bestand, festzustellen, daß der Islam nicht zu Deutschland gehört.

“Komm Peter, reg Dich doch nicht auf. Im zweiten Satz schob er schließlich hinterher, daß der Islam ja schließlich historisch gesehen nicht zu unserer Kultur dazugehört – und das stimmt doch auch!”

Nee, es stimmt eben nicht. Aber was interessieren einen schon Fakten, wenn man im Oberfränkischen Naila geboren ist und Dorftrotteligkeit aus der Zitze der linken, sowie Autoritäres Gehabe aus Zitze der rechten Brust seines heimatlichen Bayerns aufgesogen hat, als gäbe es kein Morgen?

Eben: nicht so viel. Und so darf man sich auch nicht darüber verwundert zeigen, daß der kleine Hansi zu eben jenem stammtischparolen-ventilierendem Innenminister wurde, der uns kürzlich erst (erneut) ganz, ganz tolle Pläne zur Internetregulieren vorstellen durfte. Was Herr Friedrich mutmaßlich dachte, aber in dieser Form nicht sagen durfte, dürfte in etwa dem Folgendem seine inhaltliche Entsprechung finden:

“Wie Sie ja alle wissen, nehmen uns ausländische Datenpakete die Speicherplätze weg! Damit muss jetzt ein für alle Male Schluss sein. Der unkontrollierte Strom an ausländischen Datenpaketen belastet die deutschen DV-Systeme. Meine Herrschaften, die Festplatte ist voll!

Was wir jetzt brauchen ist ein Europäisches Reinheitsgebot für unsere Datenautobahnen. Ausländisches TCP/IP muss künftig Mautgebühren zahlen. Es kann nicht sein, daß unzählige Kopftuchdatenpakete sich auf unsere Kosten in unserer Bandbreite breitmachen.

Ich sage es noch einmal: Die Festplatte ist voll! Auslandsdaten raus!”

“Jetzt übertreibst Du aber maßloß, Peter. Was Du schreibst, ist ja wohl echt nicht angemessen!” Ach, interessant. Aber ein ganzes Volk per Vorratsdatenspeicherung mal eben unter Generalverdacht zu stellen, um nur mal eine (wohlgemerkt alte, aber nicht totzukriegende) Forderung zu nennen, ist angemessen, ja?

Ich will gar nicht erst den Versuch unternehmen, die unzähligen debilen Forderungen des Herrn Innenminister aufzuzählen. Wer das politische Geschehen der letzten Jahre in Bezug auf Herrn Friedrich nur ansatzweise observierte, der weiß, wovon – und vor allem: in welchem Umfang – die Rede ist.

Und doch fing ich an in letzter Woche an, mir ein paar Gedanken zu Herrn Friedrich und “seinen” Umtrieben zu machen. Ich setze das Seinen in Anführungsstriche, denn ich gelangte zu dem Schluß, daß die Aufregung über Herrn Friedrich wahrscheinlich Energieverschwendung ist. Um zu verstehen, weshalb das so ist, ist ein Blick auf den track record des Bundesinnenministeriums hilfreich. Besagtes Ministerium bräuchte mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht einmal einen Minister, um debile und bisweilen die Demokratie gefährdende Vorschläge und Forderungen zu erarbeiten. Diese gab es auch schon vor Friedrichs Amtszeit zuhauf und es wird sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nach der Ära Friedrich geben.

Friedrich, präziser gesagt, jeder zu einem beliebigen Zeitpunkt amtierender Bundesinnenminister ist nach meiner Wahrnehmung in erster Linie bloß ein zum Kommunikator und Kopfhinhalter degradierter Gutbezahlter, der dem Pöbel lediglich noch vorzutragen hat, was die Ministerialbeamten wieder Neues für die Speisekarte der haute cuisine des BMI ersonnen haben und was die Regierung folglich zu kredenzen hat. Eines Innenministers Aufgabe besteht im Grunde genommen darin, den Eindruck zu erwecken, er sei Dirigent eines auf Ordnung und Sicherheit bedachten Orchesters, während die tatsächlich für die Melodie Zuständigen sich schon längst völlig verselbstständigt haben und einer eigenen Doktrin folgend mit dem Taktstock hantieren.

Und als sei das nicht schon genug des Übels, degradieren scheinbar handelde Politiker sich und ihre Ministerien zu Stempelbuden, die eifrig Gesetzesvorschläge unterschreiben, die von der Interessenvertretern der Wirtschaft ausgearbeitet wurden. Das Primat des selbstständig denkenden und handelnden Politikers ist tot – spätestens seit dieser so genannten “Finanzkrise” ist dieser Umstand für jeden sichtbar und nicht zu leugnen, der nicht aktiv wegsehen will.

Kein Wunder also, daß die Telekom jetzt die Idee eines Deutschlandnetz bejubelt. Waren es in der biblischen Erzählung Schwärme hungriger Wanderheuschrecken, die gierig wegfrasen, was an Feld und Frucht mühselig bestellt wurde, so zeichnet sich in der Postdemokratie anno 2013 das Bild eines von auf den Vorteil des eigenen Konzerns bedachten Lobbyistengesindels, das unsere politischen Gremien und Arbeitsgruppen “berät”. Verweilen wir noch einen Moment beim religiösen Bildnis, denn anno 2013 findet sich anders als in der christlichen Erzählung leider kein Jesus der wuterzürnd das Händlergeschmeiß aus dem heiligen Tempel wirft, der in diesem Vergleich “Bundestag” heißt.

Lange Rede kurz: Die Aufregung über Innenminister Friedrich ist Energieverschwendung. Jeder Innenminister ist bloß des Innenministeriums Schutzschild gegen die Empörung von Presse und Zivilgesellschaft. Wer künftig den Innenminister kritisiert, sollte zunächst überlegen, ob nicht in Wahrheit “seine” Ministerialbeamten der Ursprung allen Übels sind. Achja und eines noch: Minister wechseln, Ministerialbeamte bleiben.

Wie das Internet aussehen wird, sobald Telekom & Co. die Netzneutralität beerdigt haben

Mein Kumpel ilf ist zurzeit für einige Monate in Thailand sowie Malaysia und hat von dort einige Werbeprospekte dortiger Internet Service Provider fotografiert, auf denen zu sehen ist, was auch uns hier in Europa schwant, sofern Telekom und Co. sich mit ihren Plänen zur Beerdigung der Netzneutalität durchsetzen. Guten Appetit, denn es soll nacher niemand sagen können, niemand hätte deutlich gewarnt!

“Ach, Sie möchten gerne auf Facebook lauern, die Wikipedia lesen oder Freunden per Instagram Ihr Mittagessen zeigen? Dann zahlen Sie mal extra!”

Malaysia:

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Thailand:

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Spaßfakt am Rande: Bereits im Jahre 2010 wurde angekündigt, daß genau so was passieren würde. Damals wurde man dafür noch ausgelacht mit dem “Argument”, daß so was ja nie passieren könnte, weil der Markt es schon regeln würde.

Haha!

Update vom 3.11.2013: Ich habe zwei Mails bekommen, in denen sich die Autoren beschweren, ich würde hier den Eindruck erwecken, die Prospekte würden Festnetz-Internet abbilden, während in Wahrheit Mobilfunktarife beworben werden.

Dazu nur Folgendes: Netzneutralität ist sowohl im Mobilfunk als auch im kabelgebundenen Zugang zu gewährleisten. Wir können die Internet Service Provider nicht dafür kritisieren, daß sie im kabelgebundenen Zugang die Netzneutralität brechen, während wir ihnen diese Praxis bereits beim Mobilfunk durchgehen lassen.

Logbuch Pilzzucht

Vor etwas über zwei Wochen habe ich mir ein Pilzzucht-Set bestellt. Das Set besteht aus einem Pappkarton, das mit Stroh befüllt ist. Das Stroh wiederum wurde vom Produzenten mit Champignon-Myzel infiziert. Myzel ist der Fachbegriff für das weiße Geflecht, das man sieht, wenn man Boden, in dem Pilz wächst, aufgräbt. Zusätzlich dazu wurde eine Plastiktüte mit ausreichend Muttererde geliefert, die man nur noch auf das Stroh legen muss.

Es ist bestellbar bei Amazon oder über den Pilzzucht-Shop.

Ich habe am Mittwoch, den 26. September die Lieferung erhalten und gleich alles aufgebaut. Ab dem 15. Tag dokumentiere ich die Entwicklung meiner Pilzzucht in Form von Fotos, um mir anschließend alles noch einmal im Zeitraffer ansehen zu können.

Tag 15: Hurra, es kommen die ersten kleinen Champignon-Köpfchen aus der Deckerde hervor (unten rechts und mitte-links). Das Myzel fängt so langsam an, die Deckerde zu überwachsen. Wachst, meine Kleinen; wachst!

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Tag 16: Man sieht im Vergleich zur gestrigen Aufnahme, wie das Myzel Fahrt aufnimmt. Waren gestern bloß zwei Früchte zu erkennen, sind es inzwischen um die zehn (wenngleich erst noch sehr winzige).

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Tag 17: Die Wachstumsrate ist ungebremst; es erschienen erneut kleine Pilze während die bereits bekannten an Größe zunahmen. Es duftet ganz wunderbar aromatisch und frisch wie in einem Wald. Herrlich! Ich bin total gespannt, wie es morgen Abend aussieht, wenn ich von der Arbeit komme.

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Tag 18 (ab heute sogar mit HighRes-Fotos): Es sprießt wie Pilze aus dem Boden. HAHA! Die weißen Stellen werden immer mehr und mehr. Die Pilze, die bereits am 15. Tag zu sehen waren, nehmen inzwischen so richtig Pilzform an. Ich habe zur besseren Ansicht jetzt auch mal zwei Fotos von der Seite gemacht, weil einige sich beschwert haben, daß man da nichts auf den Fotos erkennen kann. Jetzt müßte es aber gut genug sein.

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Marcel Reich-Ranicki

Heute ist Marcel Reich-Ranicki im Alter von 93 Jahren verstorben.

Reich-Ranicki bedeutete mir viel. Er war einer der handverlesen Wenigen, die mit brillantem Verstand und scharfer Zunge nicht bloß Literatur sondern auch das Weltgeschehen zu beurteilen und zu kommentieren wußten.

Seine Lebensgeschichte ist gleichsam eine Tragische, nämlich die eines zu Unrecht von den Nazis Verfolgten, als auch eine Schillernde mit Blick auf sein Schaffen nach Überwindung der großen Not.

Reich-Ranicki war (und bleibt in Erinnerung) für Deutschland und für die Welt eine Bereicherung und Ermahnung zugleich. Ich bin im Gegenteil zu Reich-Ranicki nicht gottgläubig. Doch wenn ich seiner Seele eines Wünsche, dann daß ihr Reich-Ranickis guten Taten in zweifacher Menge vergolten werden und sie einen würdigen Platz in dem Frieden finde, den Reich-Ranicki sich für die Welt zu Lebzeiten gewünscht hat.