Blog von Peter Piksa

Schnuckelbär!

Wenig sinnvolle Ideen auszurotten, ist bekanntlich ein schwieriges Unterfangen. Der Einsatz von wahlweise als “Porno-” oder “Jugendschutzfilter” bezeichneten Zensurinstrumenten hingegen wird möglicherweise niemals zu den Akten gelegt werden. So berichtet Heise Online mit Meldung vom 11. Februar 2014, daß die Niedersächsische Landesmedienanstalt in Gestalt ihres Direktors Andreas Fischer nun für den Einsatz solcher Zensurinstrumente plädiert. Andreas Fischers Tätigkeit beschreibt die NLM wie folgt:

Der Direktor nimmt die Aufgaben der NLM wahr, soweit sie nicht der Versammlung zugewiesen sind. Er vertritt die NLM gerichtlich und außergerichtlich und ist Dienstvorgesetzter der Bediensteten der Landesmedienanstalt.

Und die NLM selbst – was macht die eigentlich? Ausweislich ihrer Website folgendes:

Die NLM lizenziert private Radio- und Fernsehveranstalter und beaufsichtigt die Programme. Sie engagiert sich im Bereich Medienkompetenz, fördert den Bürgerrundfunk und unterstützt die Digitalisierung der Rundfunktechnik.

Medienkompetenz also. Soso!

Lustig wirds, wenn man sich den Lebenslauf des Direktors der NLM einmal etwas genauer ansieht. Dieser ist nämlich auf der Website der NLM in Form einer PDF-Datei abrufbar. Und wer darin einen Blick auf die Dokumenteneigenschaften wirft, wird in der Kategorie “Verfasser” auf ein eher amüsantes Detail stoßen:

schnuckelbaer

Im Hinblick darauf, daß die Niedersächsische Medienanstalt von sich sagt, im Bereich Medienkompetenz unterwegs zu sein, belasse ich es bei dieser amüsanten Beobachtung. So eine PDF-Datei ist ja schnell ausgetauscht. Weniger amüsant hingegen finde ich die politische Forderung besagter Zensurinstrumente. Diese haben in einem freiheitlichen Staat nichts verloren. Ob als Vorwand zur Einführung nun Jugendschutz, Terrorismus oder Urheberrechtsverletzungen herhalten müssen – derlei Filter sind vom Teufel und das sollte man eigentlich wissen, wenn man sich “Medienkompetenz” ans Revers heftet.

Auf der anderen Seite: Welcher Direkter einer solchen Institution bezeichnet sich selbst öffentlich schon als “Schnuckelbär”, bzw. lässt von “Schnuckelbär” seine Vita verfassen?

Markus Lanz bekommt zurzeit sachliche Kritik zu hören – und keinen “Shitstorm”

Bei dieser Geschichte um Markus Lanz und Sarah Wagenknecht geht mir ganz besonders auf die Nerven, daß sowohl von den Kritiker-Kritikern als auch von Teilen der Medien die gegenüber Lanz Verhalten geäußerte Kritik schlechthin als “Shitstorm” bezeichnet wird. Auffällig ist, daß ausgerechnet diejenigen von einem Shitstorm sprechen, die ein Interesse an der Delegitimation der Kritik und ihrer Urheber haben – die Konservativen im Allgemeinen und Linkengegner im Besonderen.

Sie machen es sich einfach, sie drehen das ganze einfach um: Menschen, die gut begründet, schlüssig und nachvollziehbar Markus Lanz Verhalten kritisieren, sollen auf diese Weise zu Idioten gemacht werden; zu Leuten, die, wie ein Kollege kommentierte, “Tugendfuror und unberechtigte Skandalisierung” betreiben. Es ist, als wollten die Kritiker-Kritiker den inzwischen wie ich hörte über hunderttausend Petenten mitteilen, daß sie doch mal lieber die Schnauze halten sollten, anstatt ihre Meinung kundzutun.

Ich sehe die Sache so: Die ganzen Kritiker-Kritiker sind in Wahrheit bloß gekränkt und eingeschnappt, weil ausgerechnet eine Linkenpolitikerin als “Siegerin” aus besagter Sendung hervorging! Und damit ist das Thema für mich beendet. Was freilich noch zu diskutieren wäre, ist der Umgang der Öffentlich Rechtlichen mit dieser Thematik. Und dieser ist nach meiner bisherigen Beobachtung ebenfalls eher peinlich.

Besuch beim 30. Chaos Communication Congress

Gestern war ich in Hamburg mir den zweiten Tag des diesjährigen Chaos Communication Congress anzusehen. Es war echt super dort. Die Location ist wirklich sehr groß und die Vorträge (zumindest die, die ich bisher gesehen habe) waren stellenweise großartig – ganz besonders der Vortrag “Bullshit made in Germany” von Linus Neumann. Der Vortrag kommt mit dem Untertitel “So hosten Sie Ihre De-Mail, E-Mail und Cloud direkt beim BND!” und ich sage euch: Sich dieses Video anzusehen, ist ein absolutes Muss, alleine schon wegen des massiven Unterhaltungsfaktors.

Außerdem war es einfach klasse, endlich mal wieder persönlich mit einigen Kumpels abzuhängen, sich auszutauschen, zu lachen und zu diskutieren. In den kommenden Tagen werde ich mir noch den einen oder anderen Vortrag ansehen und die Perlen hier posten.

So, jetzt aber viel Spaß mit Linus und Bullshit made in Germany! :-)

Was Michail Chodorkowskij und Edward Snowden gemeinsam haben – und was sie unterscheidet

Was ich in dem Zusammenhang der Freilassung Michail Chodorkowskijs aus Russland nicht verstehe: Chodorkowskij wird wahrscheinlich Asyl in Deutschland bekommen haben. Wenn Chodorkowskij Asyl bekommen konnte, weshalb argumentiert man (und vorzugsweise unsere Regierung!), daß man Edward Snowden angeblich kein Asyl gewähren kann?

Für Asylanträge ist meines Wissens das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge für Asylanträge zuständig. Dieses arbeitet meines Glaubens weisungsgebunden. Wenn dies so ist, reihen sich aus meiner Sicht einige Aspekte aneinander, die Fragen aufwerfen:

Will man der Presse Glauben schenken, soll Chodorkowski erst vor kurzem seinen Antrag an Herrn Putin gestellt haben. (Die Spekulationen darüber, was wohl hinter den Kulissen wirklich abgelaufen ist, lasse ich jetzt bewusst außenvor.)

Demnach hätte er also in Erwartung eines positiv beschiedenen Gnagengesuchs quasi gleichzeitig einen Asylantrag ans Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gestellt haben müssen.

Wenn man sich vor Augen hält, wie schnell sein Antrag hätte geprüft und gebilligt werden müssen, mutet es gänzlich unglaubwürdig an, daß sein Antrag im “Normalverfahren” bearbeitet worden ist. Im Gegenteil: Das ging nicht seinen gewöhnlichen (gemächlichen) Weg durch die Instanzen, sondern wurde schlicht durchgewunken bzw. priorisiert behandelt – und zwar weil es politisch gewollt war, den Mann hier reinzuholen. (Was ja ok ist!).

Aber dann verstehe ich nicht, weshalb das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht auch bei Edward Snowden so verfahren kann. Wir hätten den Mann schon längst zu uns holen können, ihm Aufenthalt und Schutz gewähren können und somit die NSA-Aufklärung durchbringen können.

Es erhärtet sich mein Bauchgefühl, daß das in Vergangenheit schlicht nicht gewollt war und auch in Zukunft nicht gewollt sein wird.

Weshalb von der großen Koalition in Sachen Netzpolitik nur das Schlechteste zu erwarten ist

Eine Freundin hat mich gefragt, was ich davon halte, daß im Rahmen unserer neuen Bundesregierung die Zuständigkeiten für Digitalpolitik auf mehrere Ministerien verteilt sind. Ich habe ihr folgendes geantwortet:

Weißt Du, es gibt potenziell gute aber auch schlechte Aspekte hieran. Nehmen wir an, wir hätten ein Ministerium, in dem alles gebündelt wurde. Und nehmen wir an, die dortigen Ministerialbeamten wären alles rückwärtsgewandte Betonköpfe. In diesem Fall wäre an einer Hand auszurechnen, was von diesem Ministerium zu erwarten wäre. In so einem Fall wäre mir eine Aufteilung der Zuständigkeiten insgesammt lieber. Man könnte nämlich wenigstens in anderen Bereichen noch etwas retten.

Auf der anderen Seite hat die Aufspaltung natürlich auch Nachteile: Potenziell wird schlechtestenfalls jeder sein eigenes Süppchen kochen und die Ziele der Initiative A aus Ministerium A werden vielleicht mit den Zielen der Initiative B aus dem Ministerium B kollidieren. Und dann ärgern sich wieder alle, daß die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut. Das sind naheliegende Gedanken, auf die man zwangsläufig kommt, wenn man sich die Mechanismen der Macht vor Augen führt – da brauchen wir nur auf die letzten paar Jahre zurückblicken (Stichwort: Innenministerium will Vorratsdaten, Justizministerium wollte die nicht!)

Insgesammt aber ist diese Diskussion auch ein Bißchen substanzlos, weil es meiner Meinung nach nichts wirklich Gutes zu erwarten gibt bei DIESER Regierung.

Mal ganz nüchtern gefragt: Erwartest Du etwas Segensreiches von einer Regierung, die mit Frau Voßhoff jetzt eine Datenschutzbeauftragte installiert hat, die für Vorratsdatenspeicherung, für Netzsperren und für Trojanereinsatz gestimmt hat, als sie noch Bundestagsabgeordnete war? (Um nur mal ein aktuelles Beispiel zu nennen.)

Ich erwarte von denen nur das Schlechteste. Union und SPD – das sind immerhin die Leute, die VDS wollen, Netzsperren ins Gesetz geschrieben haben (es ist egal, daß sie sie nacher wieder gekillt haben!), Trojaner befürworten und kein Interesse an der Aufklärung der NSA-Geschichte haben. Diese Leute sind gegenüber dem großen Amerikanischen Bruder derart unterwürfig, daß sie sich alles nur erdenklich Mögliche auftischen lassen und es uns Bürger brav auslöffeln lassen werden.

Ja SOLCHEN Leute vertraue ich doch meine Kinder an, wenn ich welche hätte. Nicht.

Landgericht Köln erläutert Beschluß zur Datenfreigabe im Zusammenhang der RedTube-Abmahnungen der Kanzlei U+C

Es gibt jetzt ein spannendes Update zu der Sache mit den RedTube-Abmahnungen von der Kanzlei U+C. Das Landgericht Köln, was ja die Datenfreigabe bewilligte, hat jetzt auf Anfrage eines Anwalts erklärt, weshalb sie die Datenfreigabe überhaupt bewilligt haben.

Ihr erinnert euch: Die Kanzlei U+C kam mit einer Liste von IP-Adressen zum Landgericht Köln und hat gesagt: “Hier ist eine Liste von Leuten, von denen wir glauben, daß sie sich rechtswidrig urheberrechtlich geschützten Porn geklickt haben. Wir brauchen euer OK, damit wir zu den Providern gehen können und von denen die Preisgabe der Anschlußinhaber fordern können”.

So. Daraufhin hat das LG Köln also gefragt: “Hmm, woher wissen wir denn, daß eure Liste nicht auf reiner Halluzination und Magierskunst basiert?” Und daraufhin die Leute von U+C: “Hier, tolle Software, nennt sich GLADII. Die macht Hokus-Pokus-Fidibus IP-Adressus-Ermittlikus!”. Und das LG Köln so: “Joah, ok, hier habt ihr den Wisch, mit dem ihr zu Telekom und Co rennen könnt!”

Und falls ihr, wie ich, Informatiker seid, dann überlegt mal für einen Moment, wo der Haken an der Sache ist. Es gibt nämlich einen. Für diejenigen, die keine Informatiker sind, oder einfach nicht drauf kommen, die Lösung lautet: Woher kann deren Hokus-Pokus-GLADII-Software wissen, auf welchen Seiten irgendwelche Leute im Internet sich tummeln?

Diese Frage ist schlicht und ergreifend nicht geklärt. Damit hätte das LG Köln sich aber befassen müssen, bevor die Datenfreigabe erfolgt ist. Möglich ist, daß mittels dieser Software, unabhängig davon, ob sie nun wirklich funktioniert – oder ob sie doch eher auf Zauberei und den zweifelhaften Künsten irgendeines selbsternannten IT-Schamanen beruht – Rechtsbrüche begangen worden sind.

Fazit bisher: Das LG Köln hat sich höchstwahrscheinlich von technischem Voodoo einlullen lassen und so in Folge unzählige Internetnutzer an die Klinge einer Abmahnkanzlei geliefert. Es kommen düstere Zeiten auf Internetnutzer zu, wenn das Abmahnunwesen nicht eingedemmt wird und wenn unsere Gerichte auf derlei niedrigem Niveau weiteragieren.

Wie Orkan Xaver Deutschlands Windstromproduktion ankurbelte

Vom 4. bis 7. Dezember 2013 wehte der Orkan Xaver über Deutschland hinweg. In den Nachrichten im Web und im TV wurde verständlicherweise über die angerichteten Sach- und Personenschäden berichtet. Was leider überhaupt keine Erwähnung fand, war einer der positiven Aspekte: die durch den Sturm mittels Windkraftanlagen erzeugte Energie.

Um selbst zu erfahren, welche Auswirkung der Sturm auf die Deutsche Windstromproduktion hatte, habe ich mir vom European Energy Exchange die Rohdaten besorgt, um das zwar wenig überraschende, dafür umso erfreulichere Ergebnis hier zu präsentieren.

Der Orkan wehte insgesamt vier Tage. In meiner Beobachtung wende ich mich jedoch bloß dem zweiten und dritten Tag zu. Es ist erstaunlich zu sehen, welches Potenzial in so einem Orkan steckt. Besonders schön sieht man den Effekt auf der Visualisierung des 6. Dezembers. Dort wurden fast kontinuierlich nicht unter 22 Gigawatt Strom produziert.

Zum Vergleich: Das modernste Braunkohlekraftwerk in Deutschland, das Kraftwerk Neurath produziert 4.4 Gigawatt und die neun noch aktiven Kernkraftwerke Deutschlands kommen in Summe auf 12 Gigawatt.

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Leave Marietta Slomka alone!

Das ist super: Plötzlich regen sich jeder Hinz und Kunz darüber auf, daß die Fernsehjournalistin Marietta Slomka im Interview mit Sigmar Gabriel etwas Doofes gefragt hat. Und alle schreiben sie darüber und kommentieren es, wie die Weltmeister. Spiegel Online, FAZ, Die Welt, selbst in Blogs und Twitter was da alles kreucht und fleucht.

Nur damit klar ist, über wen wir hier reden: Frau Slomka, die in bemerkenswerter und vorbildlicher journalistischer Art und Weise aus der Masse der viel zu vielen bloß mit der Beißkraft von Plüschtigern ausgestatteten Fernsehjournalist herausragt. Diese Frau Slomka!

Wir reden also über eine Journalistin, die auf gefühlt fünfhundert schlaue und gute Sätz einen doofen Satz gesagt hat.

Vorschlag meinerseits: Jedesmal, wenn irgendjemand in Deutschland etwas Doofes sagt oder Doofes fragt, lasst uns doch einfach aus allen Redaktionsrohren feuern, als stünde uns der Weltuntergang bevor! Deutschland hätte mit einem Schlag den darbenden Berufszweig Journalismus rehabilitiert und es gäbe Arbeitsplatzgarantien für die nächsten tausend Jahre. (Mindestens aber solange Henryk M. Broder noch unter uns weilt.) Wir hätten Vollbeschäftigung und die Arbeitsagenturen würden binnen eines Monats geschlossen und zu Kindertagesstätten umgebaut.

Thomas Stadler zum gleichen Thema.

Was macht eigentlich Kurt Beck bei diesem Pharma-Konzern?

Gestern fragte mich ein Kumpel: “Was macht der Kurt Beck jetzt eigentlich bei diesem Pharma-Konzern? Warum sitzt der da, der hat doch erst noch rumgeheuchelt, daß er für die Politik nicht mehr gesund genug sei!”

Daraufhin ich: “Haha! Ja, keine Ahnung – aber er entwickelt bestimmt keine Präparate, die den Menschen von der Vergesslichkeit heilen. Die SPD wäre sofort weg vom Fenster, wenns gegen Vergesslichkeit ein Mittel gäbe!”

Bitcoin erreicht 500 US-Dollar-Marke

Noch vor wenigen Jahren haben Leute, denen ich begeistert von Bitcoin erzählte, mich immer ausgelacht und gesagt “Bitcoins sind voll doof und daß Du da mitmachst, macht Dich ebenfalls doof!”.

Der Bitcoin steht aktuell bei rund fünfhundert Dollar.

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Wer ist jetzt voll doof?

Bundesregierung kooperiert mit US-Geheimdienstfirma

Jetzt haben sie rausgefunden, daß die Bundesregierung mindestens eine in Deutschland sitzende Firma auch noch dafür bezahlt, daß sie den Amerikanern Hilfe bei der Spionage in Deutschland leistet.

Und ich wette einen Monatslohn: Das wird jetzt wieder plattgetreten, es werden Berichte geschrieben und Talkshows gemacht, um am Ende festzustellen, daß wir mal wieder keinen Schritt vorwärts gekommen sind, weil schlußendlich keine Mehrheit zustande kommt, um diese Giftmischer konsequent aus dem Land zu werfen und in anständige IT-Ausbildung unserer Leute und in freie Software zu investieren.

Und der gemeine Deutsche wird unsere Regierung auch nicht zum Handeln zwingen, weil juckt den gemeinen Deutschen doch nicht, wenn seine Grundrechte verletzt, die Souveränität seines Volkes untergraben und seine Privatsphäre pulverisiert werden.

Aber Wehe dem, der vorschlägt, in Deutschen Kantinen an einem Tag in der Woche kein Fleisch auszugeben oder dem, der Tempolimit 120 fordert! Da werden bierträge Familienväter binnen Sekunden zu Bürgerrechtlern, die mit dem Grundgesetz und der Charta der Menschenrechte zwischen den Zähnen jeden anfallen, der vor den Folgen unserer Fleisch-Völlerei warnt oder die vielen Argumente für ein Tempolimit erklärt.

Deutschlands Freiheit wurde doch niemals am Hindukusch verteidigt, sondern hier bei uns – mit dem Bleifuß auf dem Gaspedal und in den Kantinen, wo wir uns das Fleisch von gequälten Tieren aus Massentierhaltung reinziehen, wie geistlose Barbaren. Weil das unser Begriff von Freiheit ist. Es wäre unterhaltsam, wenn es nicht so traurig wäre.

Innenminister Hans-Peter Friedrich

Was habe ich mich seit dem 3. März 2011 bereits über unseren Bundesinnenminister Hans Peter Friedrich aufgeregt. Der Mann, dessen erste Amtshandlung darin bestand, festzustellen, daß der Islam nicht zu Deutschland gehört.

“Komm Peter, reg Dich doch nicht auf. Im zweiten Satz schob er schließlich hinterher, daß der Islam ja schließlich historisch gesehen nicht zu unserer Kultur dazugehört – und das stimmt doch auch!”

Nee, es stimmt eben nicht. Aber was interessieren einen schon Fakten, wenn man im Oberfränkischen Naila geboren ist und Dorftrotteligkeit aus der Zitze der linken, sowie Autoritäres Gehabe aus Zitze der rechten Brust seines heimatlichen Bayerns aufgesogen hat, als gäbe es kein Morgen?

Eben: nicht so viel. Und so darf man sich auch nicht darüber verwundert zeigen, daß der kleine Hansi zu eben jenem stammtischparolen-ventilierendem Innenminister wurde, der uns kürzlich erst (erneut) ganz, ganz tolle Pläne zur Internetregulieren vorstellen durfte. Was Herr Friedrich mutmaßlich dachte, aber in dieser Form nicht sagen durfte, dürfte in etwa dem Folgendem seine inhaltliche Entsprechung finden:

“Wie Sie ja alle wissen, nehmen uns ausländische Datenpakete die Speicherplätze weg! Damit muss jetzt ein für alle Male Schluss sein. Der unkontrollierte Strom an ausländischen Datenpaketen belastet die deutschen DV-Systeme. Meine Herrschaften, die Festplatte ist voll!

Was wir jetzt brauchen ist ein Europäisches Reinheitsgebot für unsere Datenautobahnen. Ausländisches TCP/IP muss künftig Mautgebühren zahlen. Es kann nicht sein, daß unzählige Kopftuchdatenpakete sich auf unsere Kosten in unserer Bandbreite breitmachen.

Ich sage es noch einmal: Die Festplatte ist voll! Auslandsdaten raus!”

“Jetzt übertreibst Du aber maßloß, Peter. Was Du schreibst, ist ja wohl echt nicht angemessen!” Ach, interessant. Aber ein ganzes Volk per Vorratsdatenspeicherung mal eben unter Generalverdacht zu stellen, um nur mal eine (wohlgemerkt alte, aber nicht totzukriegende) Forderung zu nennen, ist angemessen, ja?

Ich will gar nicht erst den Versuch unternehmen, die unzähligen debilen Forderungen des Herrn Innenminister aufzuzählen. Wer das politische Geschehen der letzten Jahre in Bezug auf Herrn Friedrich nur ansatzweise observierte, der weiß, wovon – und vor allem: in welchem Umfang – die Rede ist.

Und doch fing ich an in letzter Woche an, mir ein paar Gedanken zu Herrn Friedrich und “seinen” Umtrieben zu machen. Ich setze das Seinen in Anführungsstriche, denn ich gelangte zu dem Schluß, daß die Aufregung über Herrn Friedrich wahrscheinlich Energieverschwendung ist. Um zu verstehen, weshalb das so ist, ist ein Blick auf den track record des Bundesinnenministeriums hilfreich. Besagtes Ministerium bräuchte mit großer Wahrscheinlichkeit noch nicht einmal einen Minister, um debile und bisweilen die Demokratie gefährdende Vorschläge und Forderungen zu erarbeiten. Diese gab es auch schon vor Friedrichs Amtszeit zuhauf und es wird sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch nach der Ära Friedrich geben.

Friedrich, präziser gesagt, jeder zu einem beliebigen Zeitpunkt amtierender Bundesinnenminister ist nach meiner Wahrnehmung in erster Linie bloß ein zum Kommunikator und Kopfhinhalter degradierter Gutbezahlter, der dem Pöbel lediglich noch vorzutragen hat, was die Ministerialbeamten wieder Neues für die Speisekarte der haute cuisine des BMI ersonnen haben und was die Regierung folglich zu kredenzen hat. Eines Innenministers Aufgabe besteht im Grunde genommen darin, den Eindruck zu erwecken, er sei Dirigent eines auf Ordnung und Sicherheit bedachten Orchesters, während die tatsächlich für die Melodie Zuständigen sich schon längst völlig verselbstständigt haben und einer eigenen Doktrin folgend mit dem Taktstock hantieren.

Und als sei das nicht schon genug des Übels, degradieren scheinbar handelde Politiker sich und ihre Ministerien zu Stempelbuden, die eifrig Gesetzesvorschläge unterschreiben, die von der Interessenvertretern der Wirtschaft ausgearbeitet wurden. Das Primat des selbstständig denkenden und handelnden Politikers ist tot – spätestens seit dieser so genannten “Finanzkrise” ist dieser Umstand für jeden sichtbar und nicht zu leugnen, der nicht aktiv wegsehen will.

Kein Wunder also, daß die Telekom jetzt die Idee eines Deutschlandnetz bejubelt. Waren es in der biblischen Erzählung Schwärme hungriger Wanderheuschrecken, die gierig wegfrasen, was an Feld und Frucht mühselig bestellt wurde, so zeichnet sich in der Postdemokratie anno 2013 das Bild eines von auf den Vorteil des eigenen Konzerns bedachten Lobbyistengesindels, das unsere politischen Gremien und Arbeitsgruppen “berät”. Verweilen wir noch einen Moment beim religiösen Bildnis, denn anno 2013 findet sich anders als in der christlichen Erzählung leider kein Jesus der wuterzürnd das Händlergeschmeiß aus dem heiligen Tempel wirft, der in diesem Vergleich “Bundestag” heißt.

Lange Rede kurz: Die Aufregung über Innenminister Friedrich ist Energieverschwendung. Jeder Innenminister ist bloß des Innenministeriums Schutzschild gegen die Empörung von Presse und Zivilgesellschaft. Wer künftig den Innenminister kritisiert, sollte zunächst überlegen, ob nicht in Wahrheit “seine” Ministerialbeamten der Ursprung allen Übels sind. Achja und eines noch: Minister wechseln, Ministerialbeamte bleiben.

Wie das Internet aussehen wird, sobald Telekom & Co. die Netzneutralität beerdigt haben

Mein Kumpel ilf ist zurzeit für einige Monate in Thailand sowie Malaysia und hat von dort einige Werbeprospekte dortiger Internet Service Provider fotografiert, auf denen zu sehen ist, was auch uns hier in Europa schwant, sofern Telekom und Co. sich mit ihren Plänen zur Beerdigung der Netzneutalität durchsetzen. Guten Appetit, denn es soll nacher niemand sagen können, niemand hätte deutlich gewarnt!

“Ach, Sie möchten gerne auf Facebook lauern, die Wikipedia lesen oder Freunden per Instagram Ihr Mittagessen zeigen? Dann zahlen Sie mal extra!”

Malaysia:

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Thailand:

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Spaßfakt am Rande: Bereits im Jahre 2010 wurde angekündigt, daß genau so was passieren würde. Damals wurde man dafür noch ausgelacht mit dem “Argument”, daß so was ja nie passieren könnte, weil der Markt es schon regeln würde.

Haha!

Update vom 3.11.2013: Ich habe zwei Mails bekommen, in denen sich die Autoren beschweren, ich würde hier den Eindruck erwecken, die Prospekte würden Festnetz-Internet abbilden, während in Wahrheit Mobilfunktarife beworben werden.

Dazu nur Folgendes: Netzneutralität ist sowohl im Mobilfunk als auch im kabelgebundenen Zugang zu gewährleisten. Wir können die Internet Service Provider nicht dafür kritisieren, daß sie im kabelgebundenen Zugang die Netzneutralität brechen, während wir ihnen diese Praxis bereits beim Mobilfunk durchgehen lassen.

Logbuch Pilzzucht

Vor etwas über zwei Wochen habe ich mir ein Pilzzucht-Set bestellt. Das Set besteht aus einem Pappkarton, das mit Stroh befüllt ist. Das Stroh wiederum wurde vom Produzenten mit Champignon-Myzel infiziert. Myzel ist der Fachbegriff für das weiße Geflecht, das man sieht, wenn man Boden, in dem Pilz wächst, aufgräbt. Zusätzlich dazu wurde eine Plastiktüte mit ausreichend Muttererde geliefert, die man nur noch auf das Stroh legen muss.

Es ist bestellbar bei Amazon oder über den Pilzzucht-Shop.

Ich habe am Mittwoch, den 26. September die Lieferung erhalten und gleich alles aufgebaut. Ab dem 15. Tag dokumentiere ich die Entwicklung meiner Pilzzucht in Form von Fotos, um mir anschließend alles noch einmal im Zeitraffer ansehen zu können.

Tag 15: Hurra, es kommen die ersten kleinen Champignon-Köpfchen aus der Deckerde hervor (unten rechts und mitte-links). Das Myzel fängt so langsam an, die Deckerde zu überwachsen. Wachst, meine Kleinen; wachst!

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Tag 16: Man sieht im Vergleich zur gestrigen Aufnahme, wie das Myzel Fahrt aufnimmt. Waren gestern bloß zwei Früchte zu erkennen, sind es inzwischen um die zehn (wenngleich erst noch sehr winzige).

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Tag 17: Die Wachstumsrate ist ungebremst; es erschienen erneut kleine Pilze während die bereits bekannten an Größe zunahmen. Es duftet ganz wunderbar aromatisch und frisch wie in einem Wald. Herrlich! Ich bin total gespannt, wie es morgen Abend aussieht, wenn ich von der Arbeit komme.

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Tag 18 (ab heute sogar mit HighRes-Fotos): Es sprießt wie Pilze aus dem Boden. HAHA! Die weißen Stellen werden immer mehr und mehr. Die Pilze, die bereits am 15. Tag zu sehen waren, nehmen inzwischen so richtig Pilzform an. Ich habe zur besseren Ansicht jetzt auch mal zwei Fotos von der Seite gemacht, weil einige sich beschwert haben, daß man da nichts auf den Fotos erkennen kann. Jetzt müßte es aber gut genug sein.

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Marcel Reich-Ranicki

Heute ist Marcel Reich-Ranicki im Alter von 93 Jahren verstorben.

Reich-Ranicki bedeutete mir viel. Er war einer der handverlesen Wenigen, die mit brillantem Verstand und scharfer Zunge nicht bloß Literatur sondern auch das Weltgeschehen zu beurteilen und zu kommentieren wußten.

Seine Lebensgeschichte ist gleichsam eine Tragische, nämlich die eines zu Unrecht von den Nazis Verfolgten, als auch eine Schillernde mit Blick auf sein Schaffen nach Überwindung der großen Not.

Reich-Ranicki war (und bleibt in Erinnerung) für Deutschland und für die Welt eine Bereicherung und Ermahnung zugleich. Ich bin im Gegenteil zu Reich-Ranicki nicht gottgläubig. Doch wenn ich seiner Seele eines Wünsche, dann daß ihr Reich-Ranickis guten Taten in zweifacher Menge vergolten werden und sie einen würdigen Platz in dem Frieden finde, den Reich-Ranicki sich für die Welt zu Lebzeiten gewünscht hat.

Weshalb dieser Wahlkampf für die Tonne ist

Inzwischen kann ich mir das Wahlkampfgetöse wirklich nicht mehr ansehen. Es ist unersprießlich.

1.) In politischen Talkshows findet keine ansatzweise tiefgründige Diskussion statt, weil sobald jemand in die Details geht, gleich von beiden Seiten das Geschrei losbricht und man niemandes Wort mehr von dem seines Nachbarn unterscheiden kann.

2.) Die Heuchelei ist wahrlich groß. Da spricht Ursula von der Leyen beispielsweise gegen die Grünen, diese wollten den Hartz-IV-Opfern 50€ mehr geben um damit deren Arbeitslosigkeit zu zementieren. Schließlich, so Frau von der Leyens “Argument”, würden die Arbeitslosen ja nicht zur Arbeit gehen, wenn sie für das gleiche Geld arbeiten müssten. Letzteres klingt auf oberflächlig betrachtet sogar nachvollziehbar und schlicht logisch. Nur was Frau von der Leyen nicht erwähnt, ist, daß das Problem in Wahrheit doch die niedrigen Löhne sind. Löhne, die so niedrig sind, daß man faktisch besser gestellt ist, wenn man von Hartz-IV lebt, und somit das gleiche Geld bekommt – aber eben ohne zu arbeiten. Unnötig zu erwähnen, daß Frau von der Leyen, übrigens CDU, sich mit den gesunkenen Arbeitslosenzahlen brüstet und als einen Verdienst ihrer Partei zu verkaufen sucht, während jedes Kindlein weiß, daß die gesunkenen Zahlen bloß deshalb so schön aussehen, weil unsere Jobcenter die Arbeitsuchenenden in stumpfsinnige Umschulungsmaßnahmen stecken. Denn jeder Arbeitssuchende in einer Umschulungsmaßnahme fällt aus der Statistik heraus.

Tolles Land haben wir da!

3.) Sowohl Union, SPD, FDP als auch die Grünen operieren in weiten Zügen wie eine Einheitspartei. Zwar gibt es bei den Grünen hier und dort noch Lichtblicke, aber selbst diese Partei fühlt sich für mich inzwischen wie ein Tanker an, der so groß und so schwer ist, daß selbst wenn man das Ruder herumreißen würde, dieser Tanker mindestens die nächsten fünf bis acht Jahre erst einmal auf seinem jetzigen Kurs weiterführe.

Lediglich die Piraten und die Linken sind aus meiner Sicht noch eine greifbare und erlebbare Alternative. Und es ist bedauerlich das sagen zu müssen: Selbst die AfD fällt in diese Kategorie – auch wenn diese Partei für mich absolut scheußlich, abstoßend und unwählbar ist. Daß ich diese Partei hier aufzählen muss, ist ein großes Armutszeugnis für die übrigen Parteien (ausgenommen Linke und Piraten).

Fazit: Alles ist kaputt und nur eine starke Linke und starke Piraten könnten die anderen Parteien potenziell disziplinieren. Niemand kann leugnen, daß es so ist. Wäre es zu leugnen, würde man sich in den Chefetagen von Union und FDP über die AfD nicht die Köpfe zerbrechen.

Weshalb CDU und FDP ein Bilderbuch-Traumpaar sind

Wisst ihr, was mir gerade auffällt? Die FDP ist tatsächlich der Traum-Koalitionspartner für die CDU, und ich sage euch auch, warum! Geht um dieses Merkel-Video zum Thema Adoptionsrecht für Homosexuelle. Frau Merkel beginnt ja ihre Antwort mit “Also es versteht sich glaube ich von selbst, daß ich gegen Diskrimierung bin”.

Das sagt die FDP auch. Aber bei einem ganz anderen Thema. Nämlich der Netzneutralität. Nach eigenem Bekunden ist die FDP auch totaaaal dagegen, daß da diskriminiert wird.

Die Gemeinsamkeit zwischen CDU und FDP besteht nun darin: Beide behaupten von sich, GEGEN Diskriminierung zu sein. In Wahrheit aber, führen sie genau das aus: Diskriminierung.

Frau Merkel behauptet, gegen Diskriminierung zu sein, nur um dann anschließend zum Ausdruck zu bringen, daß Homosexuelle nach Ihrem Willen doch nicht das Recht haben sollten, ein Kind zu adoptieren. Diskriminierung also. Und die FDP behauptet das Gleiche: Angeblich sei man totaaaal GEGEN Diskriminierung, nur um gleich im nächsten Atemzug zu sagen: “Hier seht mal. Wir machen in dem Internet einfach zwei Straßen auf. Eine langsame für den Pöbel und eine zweite, ganz schnelle, für die, die das nötige Kleingeld aufbringen können. Aber INNERHALB der beiden Gruppen findet ja gar keine Diskrimierung statt!!1!”

Traumpartner. Mögen die Geehelichten bis an ihr Lebensende glücklich sein.

Und dann sterben. Bin ich voll dafür!

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Immer wenn die Linke stärker wird…

Gregor Gysi (Linke) hat am 3. September, also drei Wochen vor der diesjährigen Bundestagswahl, während einer Rede im Bundestag neben vielen guten Gründen die Linke zu wählen, eine Aussage von besonderer Bedeutung gemacht (zu sehen ab der 23. Minute):

“Immer wenn die Linke stärker wird, werden die Grünen friedlicher und immer wenn wir stärker werden, wird die SPD sozialer. Und selbst die Union kriegt dann einen kleinen sozialen Tick. Ich gebe zu, die FDP ist dagegen gefeit, aber die anderen drei Parteien…”

Das Lustigste daran ist, daß bei dem Seitenhieb gegen die FDP im Bundestag Gelächter ausbricht.

Wovon ich eines Tages meinen Kindern erzählen werde

Nehmen wir einmal an, Saudi Arabien hätte die Möglichkeit, weltweit den Internetverkehr von Millionen Bürgern, Unternehmen und Regierungsstellen mitzuschneiden. Nehmen wir außerdem an, die Geheimdienste Saudi Arabiens nähmen Einfluss auf die Verschlüsselungstechnologien, die weltweit die Vertraulichkeit des Datenverkehrs sicherstellen sollen. Und nehmen wir einmal an, besagte Geheimdienste würden sogar Spione bzw. Saboteure in westliche IT-Firmen einschleusen, um sich Zugang zu den Systemen, den technischen Verfahren und, allgemein ausgedrückt, den dortigen Kenntnissen zu verschaffen.

Stellen wir uns eines der gängigen Feindbilder vor, die in letzter Zeit immer ganz gerne an die Wand gemalt wurden. Mahmud Ahmadinedschad zum Beispiel. Oder einen anderen Herren, dessen bloßer Name für den für Feindbilder empfänglichen Durchschnittsdeutschen wie der Mutterschoß der al-Qaida klingt: Abdullah ibn Abd al-Aziz zum Beispiel.

Und nun stellen wir uns einmal vor, was wohl in der deutschen Politik los wäre, wenn das die Situation wäre, in der wir uns befänden. Tatsächlich bedarf es einer ausschweifend blühenden Phantasie gar nicht, denn exakt dies ist die Situation, in der wir uns jetzt befinden. Bloß mit dem marginalen Unterschied, daß unser Achmadinedschad ein Amerikaner ist, der auf den Namen Obama hört und unser al-Aziz auf einer Insel lebt – David Cameron.

Und weil Obama und Cameron eben nicht dem seit langer Zeit gepflegten Feindbild entsprechen, sondern sogar als unsere Freunde bezeichnet werden, dürfen die Geheimdienste der Länder, deren Regierungschefs sie sind, sich exakt so verhalten, wie unsere Regierung es keinesfalls dulden würde, wenn die beiden bloß unserem schönen Feindbild entsprächen.

Mein Vater erzählte mir einige Male, wie es früher in Polen war. Damals, als es nur eine Partei dort gab und die Wahlen zu einer einzigen groß inszenierten Farce verkommen waren. Womöglich durchlebt jede Generation eine solche Farce historischen Ausmaßes. Ich jedenfalls glaube bereits jetzt zu wissen, wovon ich eines Tages meinen Kindern erzählen werde.

Die Falschheit der FDP

Gestern postete ich auf Twitter eine Grafik über die Falschheit der FDP:

Über Nacht meldeten sich bei mir einige Menschen, die die Echtheit der Aussage in Zweifel gezogen und Quellen bzw. Beweise dafür forderten, daß die Wahlkampfaussage der FDP mit ihrem tatsächlichen Abstimmungsverhalten im Widerspruch steht – die Grafik könnte ja eine Fälschung sein.

Um jeden Zweifel auszuräumen, verlinke ich mit dem Posting der FDP auf Facebook sowie dem Ergebnis der namentlichen Abstimmung im Bundestag die Quellen und liefere aus Konservierungsgründen auch gleich noch die Screenshots mit dazu (Posting bei Facebook, Abstimmung im Bundestag).

Update: Die ursprünglichen Urheber dieser Montage sind übrigens Frikasch und Tobias Klüpfel. Aller Dank für die Entdeckung gebührt ihnen.