Blog von Peter Piksa

BeMerkensWert #2 – Kaspersky Labs und der Internetausweis

In letzter Zeit gehen von unserer Regierung, sowie von denen anderer Nationen, immer öfter völlig realitätsfremde, freiheitsverachtende und/oder absolut obskure Ideen aus, die man zwecks Schaffung von Sicherheit besonders auch im Internet in die Realität umsetzen will. Da werden ja gleich mehrere Teufel an die Wand gemalt: Wir erinnern uns an den Vorfall in Winnenden – fast im militärischen Gleichschritt wetterten unsere Medien gegen die bösen Killerspiele, die in die Hirne unserer Sprösslinge eindringen und sie zu blutrünstigen Assassinen konditionieren, welche mit chirurgischer Präzision das nächste Schulmassaker anrichten werden.

Da ich von mir behaupte, gegen diese unsinnige Mediengehirnwäsche recht resistent zu sein, war mir ja schon damals klar, dass es doch hauptsächlich nur darum ging, das Unheil jemandem in die Schuhe zu schieben. Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema habe ich nämlich nirgends in den Medien gesehen. Jemand aus meiner Familie hat es ganz gut auf den Punkt gebracht, als es hiess “Die reiten da auf Computerspielen herum, aber niemand spricht über den reichen Bonzenvater, der sein Blag offensichtlich total vernachlässigt hat und darüber hinaus die Pistolen in seinem Haus leicht zugänglich aufbewahrt hat. Ist doch logisch, dass Kinder, die keine Liebe erfahren, irgendwann ausrasten!” Offen gestanden, kann ich dieser Argumentation viel abgewinnen.

Dann hiess es einige Zeit später “oh, wir brauchen jetzt Stoppschilder im Internet, weil die Pädokriminellen, (die – so wurde uns suggeriert – ja bekanntlich 20% der versierten Internetuser ausmachen), Jahr für Jahr aktiver werden.” Dass das mal wieder absolut abstrus war, ist denke ich spätestens seit dem raschen Aufstieg der Piratenpartei jedem klar – abgesehen von einigen Rentnern, die sich bei der bekannten Demagogenrede von Ursula von der Leyen haben hirnwaschen lassen.

Nun war es ja unsere Regierung, die mit Hochdruck an einer Zensurinfrastruktur gearbeitet hat und sich während dieses Vorstoßes auch nicht zu schade dafür war, einige Internetprovider mit Verträgen zu knebeln, damit diese zu willenlosen Handlangern einiger weniger Machtinhaber werden, die wohl besonders grosse Freude daran haben, die Rechte der Bürger zu verstümmeln. Alles unter dem Motto “Freiheit geht nicht ohne Sicherheit” versteht sich. Dass man in Deutschland bereits seit gefühlten 100 Jahren besonders gut darin ist, Legitimationen für Gräueltaten zu finden, lehrt uns ja bereits ein Blick in unsere eigene Geschichte.

Aber wer glaubt, mit Zensurinfrastruktur hätte unsere freiheitsliebende Regierung alle Ihre Asse bereits aus dem Ärmel geschüttelt, der irrt. Die nächste Idee uns alle zu knebeln, besteht darin, jedem von uns einen Ausweis zu geben, mit dem wir im Internet eindeutig identifizierbar sind. Golem zum Beispiel hat darüber berichtet.

Ein netter Kontakt aus journalistischem Kreis hat mir kürzlich absolut prickelnde Informationen über einen Hersteller von Securitysoftware zugespielt, der meiner Meinung nach, eine eher mehr als minder dubiose Lobbyistenarbeit für die Internetzensurbefürworter macht. Ich werde jedoch an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen, weil ich nicht zu viele Infos über eine Story spoilen will, die mein Kontakt vielleicht irgendwann publizieren möchte.

Was ich da gerade gelesen habe, zog mir jedoch schon ein wenig die Hose aus. Ihr kennt ja Eugene Kaspersky, den CEO des Securitysoftwareherstellers Kaspersky Labs. Bei ZDNet Asia hat Kaspersky doch allen Ernstes behauptet, er würde sich wünschen, dass jeder, der Zugang zum Internet hat, sich bitteschön gemäß den Vorstellungen unserer Regierung ausweisen müsste. Wer will, kann sich diesen Snuff hier durchlesen.


Versteht mich richtig: Mir geht es an dieser Stelle nicht darum, an der Kredibilität und Zurechnungsfähigkeit eines Unternehmens zu sägen, diese Arbeit nimmt mir schliesslich deren CEO bereits ab. Worum es mir an dieser Stelle geht, ist es, meine Leser darauf aufmerksam zu machen, dass diese Dinge wahrscheinlich nicht einfach so passieren. Dinge passieren nicht einfach so ganz ohne Grund – zumindest nicht im Grossen. Wenn ein weltweit operierendes Unternehmen wie Kaspersky Labs auf ein Mal auftaucht und solch einen Bockmist propagiert, muss man sich doch zwangsläufig die Frage stellen, ob die sich eigentlich ernsthaft Gedanken darüber gemacht haben, welch brutalen Eingriff in die Freiheit von Bürgern bedeutet.

Ich mahne an dieser Stelle vor allem auch an, dass man sich nicht dazu verleiten lässt, an Symptomen herumzudoktern. Wenn ihr sowas liest, beachtet immer die Syntax, mit der sowas propagiert wird. Die gehen nicht einfach hin und behaupten “Oh Internetausweise sind gut!” – das wäre viel zu leicht. Jeder klar denkende Mensch würde sofort rufen “Bullshit! Ruhe da, diesen Quatsch will niemand hören!”. Stattdessen geht es zur Zeit immer nach dem Schema der Notwendigkeit, wie wir es seit einigen Jahren immer und immer wieder erleben:

  • “Oh, Terroristen haben das WTC angegriffen – jetzt brauchen wir den Patriot Act. Sorry liebe Bürger, ihr müsst Freiheiten aufgeben, ABER es dient ja einem guten Zweck!”
  • “Oh, wir haben Anschläge in den Londoner U-Bahnen – jetzt müssen wir das ganze Land mit Überwachungskameras zupflastern und ihr, liebe Bürger, müsst euch ständig einer Beobachtung aussetzen, ABER es dient ja einem guten Zweck!”
  • “Oh, es gibt im Internet Seiten auf denen Gräueltaten an Kindern zu sehen sind – jetzt müssen wir alle Bürger unter einen Generalverdacht stellen und Zensurinfrastruktur installieren, ABER es dient ja einem guten Zweck!”
  • “Oh, das eigentliche Problem mit Straftaten im Internet ist ja, dass man anonymen Zugang dazu hat. Das heisst also wir brauchen einen Ausweis, für jeden, der sich ins Internet bewegen will. Ja wir wissen, dass das ein empfindlicher Eingriff in unsere Freiheit ist, aber aus Gründen der Sicherheit, brauchen wir das. Es dient ja einem guten Zweck!”

Ich glaube kaum, dass jemand wie Eugene Kaspersky nicht weiss, dass seine Klientel sich fragen wird, ob er noch alle Kanäle empfängt. Ich frage mich eher, aus welchem Grund er gewillt ist, sich der Kritik hinzugeben, die unweigerlich auf ihn und Kaspersky Labs zukommen wird. Man muss ja kein Wahrsagen sein, um zu prophezeien, dass jeder mündige und informierte Internetuser, der gleichzeitig Kaspersky benutzt, diese Software von seinem Rechner deinstalliert, sobald er merkt, für welche Interessen Kasperksy Labs sich einsetzt. Eugene Kaspersky weiss das – so dumm kann man gar nicht sein. Ergo muss er doch zu den Profiteuren von einem Internetausweis gehören, sonst würde er mit diesem Unsinn gar nicht an die Presse gehen.

Was meint ihr?

http://www.golem.de/0908/68966.html
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