Blog von Peter Piksa

Von Eugene Kasperskys kläglichem Versuch sein Gesicht zu retten

Wisst ihr was Unternehmen, die keine Monopolstellung haben, meistens machen, wenn sie merken, dass ein Sprecher des Unternehmens ganz tief in die Toilette gegriffen hat? Sie dementieren. Getrieben von der (berechtigten) Angst die eigenen Kunden, könnten sich dem Unternehmen abwenden, versucht man das Dementi natürlich nicht als Dementi zu verkaufen, denn das wäre selbst für jeden Halbgebildeten als ein offensichtlicher Versuch die Kunden für dumm zu verkaufen ersichtlich.

In meiner zweiten Ausgabe von BeMerkensWert – Kaspersky und der Internetausweis, habe ich darüber geschrieben, welches Gedankengut man in den oberen Etagen des weltweit operierenden Antivirenherstellers zu erwarten hat. Wer den Artikel noch nicht gelesen hat, täte gut daran, dies zu tun, denn was jetzt kommt ist meine Beobachtung zu dem Dementi, welches Eugene Kaspersky seinen empörten Kunden jetzt unterzuschieben versucht.

Liesst man sich die Aussagen Kasperskys ganz locker durch, so wirken sie auf eigentlich recht beruhigend. “War doch alles nicht so gemeint, wie es bei euch angekommen ist! Kommt, wir setzen uns mal an einen Tisch und ich erkläre euch mal, dass wir im Grunde doch ein toller Verein sind, der leider missverstanden wurde.”

Ich werde jetzt die einzelnen Aussagen von Eugene Kaspersky zitieren, ins Deutsche übersetzen und  gemäß meiner Beobachtung kommentieren.

Da es sich bei Kasperskys Korrekturstatement um eine Reaktion auf Empörung aus dem Internet handelt, ist es absolut wichtig, dass man sich mit dem ursprünglichen Fall befasst. Daher an dieser Stelle erneut die Aufforderung: Wer mein BTW #2 – Kaspersky und der Internetausweis noch nicht gelesen hat, der möge dies jetzt tun.

Nun meine Beobachtungen

Aussage 1: “There seems to be quite a loud response to what I thought was a rather simple idea. In this post, I am going to go over the main points – somewhere when I have more time I’ll share my ideas in detail so people could see exactly what I am proposing.”

Freie Übersetzung: “Es kam ein riesiges Echo zurück, zu dem was ich eigentlich als eher einfache Idee gedacht hatte. In diesem Beitrag, werde ich mich den Hauptpunkten annehmen – irgendwann später, wenn ich mehr Zeit habe, werde ich meine Ideen im Detail veröffentlichen, damit die Menschen exakt sehen können, was ich anbieten wollte bzw. damit gemeint habe.”

Meine Beobachtung: Allein der erste Satz spiegelt eigentlich schon ziemlich genau wieder, dass es sich hierbei um einen absolut lächerlichen Versuch handelt, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen, nachdem man im Vorfeld ein bürgerrechtemissachtendes Vorhaben bejubelt hat, nun aber merkt, dass der Schuss ziemlich nach hinten losging.

Erinnern wir uns an den Originalbeitrag aus dem ursprünglichem Artikel bei ZDNet Asia. Dort fragt die Redaktion “If you had the power to change up to three things in the world today that are related to IT security, what would they be?”

Zu Deutsch: “Wenn Sie die Macht hätten drei Dinge zu ändern, die sich auf IT-Sicherheit beziehen, welche wären dies?”

Seine Antwort: “Internet design–that’s enough.”
Zu Deutsch: “Das Internet-Design – das würde schon ausreichen.”

Ich betone den totalen Widerspruch zwischen der Aussage aus dem Ursprungsinterview und der Darstellung in dem, was ich hier als Dementi zu nennen pflege. In dem Ursprungsinterview haben wir also einen Veteran der IT, der gleich drei Wünsche frei hat um die IT-Sicherheit zu verändern. Allein das Internet-Design ist für ihn jedoch von einer derart hohen Bedeutung, dass er freiwillig darauf verzichtet, sich Gedanken über einen zweiten und dritten Wunsch zu machen. Muss also eine ganz schön bedeutende Sache sein, das Internetdesign!

Der selbe Mann behauptet jedoch wenig später “There seems to be quite a loud response to what I thought was a rather simple idea.” Die wahre Bedeutung lautet natürlich “Ihr wisst doch: Nichts wird so heiss gegessen, wie es gekocht wird. Uns vorzuwerfen wir würden maßlos übertreiben, ist doch absurd. Schliesslich habe ich mit meiner kleinen/unbedeutsamen Idee niemals das gemeint, was ich gesagt habe! SOWAS böses KANN ich doch gar nicht gemeint haben!

Interessant und ebenfalls hervorzuheben ist auch die Aussage, er würde irgendwann später, wenn er mehr Zeit hat, genauer beschreiben, wie das alles gemeint gewesen ist. Ahnt Kaspersky etwa schon, dass sein Erklärungsversuch im Grunde dem Unglauben geweiht ist und will er sich nur einen Vertrauensvorteil erbetteln, in dem er uns auf eine genauere Erklärung warten lässt? Alles in der Hoffnung, man würde ihm nicht die Behandlung geben, die er eigentlich verdient hätte, nämlich einen Boykott seiner Produkte?

Bei genauerem hinsehen fällt auf, dass zum Schluss seines Einleitungssatzes das Wort “proposing” zu Deutsch “anbieten” fällt. Dass jemand, der offensichtlich in starken Erklärungsnotstand gekommen ist, sich immer noch in der Position sieht, dem Pöbel etwas “anzubieten”, anstatt sein Verhalten zu “bereuen” oder zu “erklären”, trägt für meine Wahrnehmung einen ziemlich unangenehmen Beigeschmack.

Aussage 2: “Common users are NOT anonymous for police and governments. Today the authorities can find any person they are after easily. There is a wrong perception about Internet anonymity – very few people realize that it does not exist for ordinary users. But the worst part of the story is that the ones who are truly anonymous are professional cyber criminals, because they know what to do to hide their real identities in the Internet. That is why we have millions of malicious programs and successful network attacks every year, and we don’t know who’s behind them.”

Freie Übersetzung: “Normale Benutzer sind für die Polizei und die Regierung NICHT anonym. Polizei und Regierung können jede Person, der sie hinterher sind, leicht finden. Es gibt eine falsche Wahrnehmung von Anonymität im Internet – nur sehr wenige Menschen realisieren, dass Anonymität im Internet für normale Benutzer nicht existiert. Aber das Schlimme an der Geschichte ist, dass diejenigen,  die anonym sind, professionelle Cyberkriminelle sind, weil sie wissen, wie sie ihre wahre Identität verstecken können. Das ist der Grund, warum es Millionen von schädlichen Programmen gibt und jedes Jahr neue Angriffe auf Netzwerke stattfinden und wir nicht wissen, wer dahintersteckt.

Meine Beobachtung: Zunächst stellt Kaspersky fest, dass Polizei und Regierung mit Leichtigkeit hinter die Identität eines jeden Internetsurfers kommen können. Was ja an sich schon mal eine Behauptung ist, die man genauer erklären müsste, wenn man sich zum Beispiel fragt, wie die Identität einer bestimmten Person festgestellt werden kann, die beispielsweise mit einem WLAN-fähigem Notebook über den Anschluss eines Nachbars surft, der leichtfertig genug war, sein WLAN nicht anständig abzusichern. Es gibt ja immer noch Leute, die sowas als unsinnige Befürchtungen einiger Angstmacher abtun. Dass es sich hierbei nicht um übertriebene Panikmache handelt, sondern, dass das in Deutschland (um nur ein Beispiel zu nennen) bereits passiert ist, beweist die folgende Meldung bei Gulli vom Juli 2009.

Tatsächlich ist es zwar so, dass im Grunde zu jedem existierendem Internetanschluss ein Mieter registriert ist, wer diesen Anschluss jedoch effektiv nutzt, ist ohne Weiteres jedoch nicht nachvollziehbar. So könnte man also über einen fremden Internetanschluss seiner kriminellen Energie freien Lauf lassen, und die Ermittler würden, zuerst denjenigen hinter einer erfolgten Tat vermuten, der den Anschluss angemietet hat, über den die kriminelle Tat erfolgte – nicht etwa den wahren Täter. Für dessen blosse Existenz gäbe es im ersten Augenblick nämlich keinen Anhaltspunkt. Das muss man ganz nüchtern betrachten und feststellen: Ganz so leicht, wie Kaspersky es glaubt, lässt sich die angeblich schon vorhandene Nicht-Anonymität im Internet eben doch nicht verkaufen.

Weiter im Text folgt eine Kausalitätsbildung ungeheuerlichen Ausmaßes. Kaspersky legt in seiner Aussage “Aber das Schlimme an der Geschichte ist, dass diejenigen,  die anonym sind, professionelle Cyberkriminelle sind, weil sie wissen, wie sie ihre wahre Identität verstecken können.” nahe, dass Menschen, die anonym ins Internet gehen, mit professionellen Cyberkriminellen gleichzustellen sind. Denkt man gründlich darüber nach, muss man zu dem Schluss kommen, dass ein Mitarbeiter einer Firma, welcher an seinem Arbeitsplatz einen Zugang zum Internet hat, ein professioneller Cyberkrimineller sein muss, weil der Internetanschluss, den er benutzt, nicht auf seinen Namen, sondern den Namen der Firma, in welcher er tätig ist, registriert ist und dass dieser Mitarbeiter diesen Umstand wissentlich dazu missbraucht, sich in eine Position zu bewegen, die ihn unweigerlich kriminellen Interesses überführt.

Die gleiche Methode bei der Verkettung von Dingen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, erlebten wir in vergangener Zeit besonders häufig im Falle von Ursula von der Leyen: Gegnern ihrer stark umstrittenen Maßnahmen zur Internetzensur (Ich nenne das Kind an dieser Stelle bei dem, was es in IST, und nicht bei dem, was es vorgibt zu sein!) begegnete sie Zur Begrüssung sinngemäß mit dem Satz  “Ach, Sie sind also dagegen, dass die Verbreitung von Kinderpornographie im Internet gestoppt wird?”

Wer sich am Beispiel von Ursula von der Leyen gegen die Maßnahmen zur Schaffung einer Internetzensurinfrastruktur ausgesprochen hat, sollte gleich im Vorfeld zu einer ernsthaften Debatte mundtot gemacht werden, in dem man ihn allein durch die Tatsache, dass man gegen dieses Vorhaben ist, in die Nähe von Kinderschändern gebracht hat. Am Beispiel von Kaspersky legt die Kausalitätsbildung nahe, dass jemand, der mit dem Gedanken sich im Internet anonym bewegen zu können sympathisiert, eigentlich schon als professioneller Cyberkrimineller wahrzunehmen ist.

Aussage 3: “When I say “no anonymity” I mean only “no anonymity for security control.” I don’t care about the way people behave on blogs, forums, social networks and pirate torrent portals. You may use nicks or real names as you want (as we do today). The only “no more anonymity” improvement – you MUST present your ID to your Internet provider when you are connecting online. It is only the provider who needs to know your real identity.”

Freie Übersetzung: “Wenn ich von “keine Anonymität” spreche, meine ich nur “keine Anonymität für Sicherheitskontrollen.” Mich interessiert es nicht wie Menschen sich in Blogs, Foren, Sozialnetzwerken oder Raubkopieportalen verhalten. Man kann nach Belieben Nicknames oder echte Namen verwenden, so wie wir es heute gewohnt sind. Die einzige Verbesserung auf dem Wege zu “keine Anonymität” – man MUSS seine Identität bei seinem Internet Provider angeben, wenn man online geht. Es ist einzig der Provider, welcher die Identität des Users wissen muss.”

Meine Beobachtung: Kaspersky bezieht sich darauf, dass ja nicht klar ist, welche Person einen Internetanschluss gerade nutzt – der Mieter oder der Nachbar, der sich unerlaubterweise am WLAN bedient. Besonders spannend ist die Aussage, er würde sich nicht für das Verhalten von Menschen in Blogs, Foren etc. interessieren. Weshalb dieser Punkt so spannend ist, werde ich später in meinem Artikel erläutern. Damit wir die Stelle später schnell wiederfinden, setzen wir uns an dieser Stelle einen Erinnerungsanker.

Ferner weicht Kaspersky urplötzlich von seinem regimehaften Bestreben eine totale Nachvollziehbarkeit einzuführen ab, indem er eine Einschränkung macht, von der in dem Ursprungsinterview keine Rede war. Vielleicht war Kaspersky aber auch nur so angetan von seiner Idee die Internetuser dieser Erde zu kontrollieren, dass er solche Kleinigkeiten nicht für besonders erwähnenswert hielt. Aber ist das alles wirklich so einfach? Ich glaube nicht:

Betrachten wir einmal den wichtigsten Teil des Ursprungsinterviews. Kaspersky wird dort gefragt “What’s wrong with the design of the Internet?”. Zu Deutsch: “Was ist das Problem am Design des Internets?”

Seine Antwort: “There’s anonymity. Everyone should and must have an identification, or Internet passport. The Internet was designed not for public use, but for American scientists and the U.S. military. That was just a limited group of people–hundreds, or maybe thousands. Then it was introduced to the public and it was wrong…to introduce it in the same way.

I’d like to change the design of the Internet by introducing regulation–Internet passports, Internet police and international agreement–about following Internet standards. And if some countries don’t agree with or don’t pay attention to the agreement, just cut them off.”

Freie Übersetzung: “Es gibt Anonymität. Jeder sollte und muss sogar einen eindeutigen Identifikator oder Internetausweis haben. Das Internet wurde nicht für öffentliche Benutzung designt, sondern für amerikanische Forscher und das US-Militär. Das waren bloss einige hundert oder vielleicht tausend Menschen. Später wurde es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und das war falsch – zumindest, dass man es in der gleichen Weise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat.

Ich würde das Design des Internets dahingehend ändern, dass Regulierungen eingeführt werden – Internetausweise, eine Internetpolizei und internationale Vereinbarungen, die zukünftige Standards des Internets betreffen. Sollte es dann Länder geben, die anderer Meinung sind, oder sich nicht an Vereinbarungen halten, sollen die vom Internet einfach abgeschnitten werden.”

Der Widerspruch zwischen dem Dementi und dem, was er im Ursprungsinterview von seinen Vorstellungen preisgegeben hat, könnte grösser nicht sein. Nun muss man sich vor Augen halten, dass Kaspersky in seinem Ursprungsinterview ganz unbefangen von seinen Vorstellungen gesprochen hat – zu diesem Zeitpunkt sah er sich ja noch nicht der Kritik von vielen Menschen ausgesetzt. Insofern sollte einem auch klar sein, dass das, was er in seinem Ursprungsinterview gesagt hat, auch am ehesten dem entspricht, was er tatsächlich denkt und unterstützt! Das Dementi ist nicht mehr, als eine andere Aussage für “Oh, ihr habt mich dabei ertappt, etwas sehr böses im Schilde zu führen und das ist mir richtig unangenehm, denn damit wurde ich demaskiert.”

In diesem Zusammenhang sei erwähnt: Menschen, die etwas Gutes im Schilde führen, sehen in der Ausführung, von dem was sie vor haben, keinerlei Notwendigkeit ihre Methoden und/oder Begründungen zu verschleiern. Menschen, die jedoch etwas Böses im Schilde führen, werden zu jedem Zeitpunkt alles in Ihrer Macht stehende tun, um sich gegen jede Form von Transparenz und Infragestellen zu wehren.

Der Grund dafür ist ganz leicht zu verstehen: Menschen, die etwas Gutes im Schilde führen, fürchten keine Bedrohung. Menschen, die jedoch etwas Böses im Schilde führen, wissen, dass es böse ist und sie wissen, dass freiheitsliebende Menschen eine Bedrohung für ihr böses Vorhaben darstellen, sobald diese darüber Bescheid wissen. Um eine Maßnahme durchzuführen, die unter normalen Umständen von niemandem angenommen werden würde, muss man sich der Lüge bedienen, um etwas böses im Gewand von etwas gutem zu verkleiden. Erst dann wird es von Menschen, die auf diese Maskerade hereinfallen, abgekauft. Dass hier im Falle Internetausweis, Internetpolizei und weltweite Vereinbarungen genau diese perfide Maskerade stattfindet, ist total offensichtlich!

Aussage 4: “Another way to go is dedicated anonymous networks and dedicated business/government networks – why not? But all LEGAL businesses/services will want to use secure networks, and unsecure networks will be probably limited to casual communication.”

Freie Übersetzung: “Eine andere Möglichkeit besteht in der strikten Trennung zwischen anonymen Netzwerken und solchen, die von Unternehmen/Regierungen genutzt werden – warum auch nicht? Aber alle LEGALEN Unternehmen/Services werden sichere Netzwerken nutzen wollen und unsichere Netzwerke werden wahrscheinlich für gewöhnliche Kommunikation genutzt werden.”

Meine Beobachtung: Was bei dieser Aussage auffällt, ist die Tatsache, dass heutzutage sowohl Unternehmen, als auch Privatleute, das selbe Internet benutzen. Man nutzt die selben Kommunikationswege, nutzt die selben Standards, de Fakto nutzen alle “das selbe Kabel”, um es mal für jedermann verständlich auszudrücken. Kasperskys Aussage ist eine von einer finsteren Zwei-Klassen-Gesellschaft-Ideologie genährte Vorstellung, in der Unternehmen vermeidlich sichere (bessere) Netze nutzen, während die Privatleute unsichere Netze nutzen müssen. Perfide wird es, weil er behauptet nur LEGALE Unternehmen würden in den sicheren Netzen arbeiten. Unternehmen, die hingegen gerne auch im angeblich nicht sicheren Privatleute-Netz arbeiten, seien von vorne herein Unternehmen illegaler Natur. Kaspersky definiert nicht mit einem Satz die bedeutung von Sicherheit. Wenn von einer Sicherheit die Rede ist, muss unweigerlich definiert werden, durch welche Bedrohung diese Sicherheit ihre Daseinsberechtigung erhält – sonst erübrigt sich die Erwähnung von Sicherheit, welche schliesslich nur der Counterpart von Bedrohung ist.

Auch in dieser Aussage findet sich übrigens diese gleiche Art von Kausalitätsbildung, die ich diesem Artikel bereits angesprochen habe. In diesem Fall jedoch, behauptet man, Unternehmen, die keinen Zugriff zu den vermeidlich sicheren/besseren Netzwerken haben (entweder weil sie diesen nicht haben wollen, oder weil sie ihn nicht erhalten) seien per Definition illegal.

Aussage 5: “When is it going to happen? Never… or in one-two generations. After some really serious IT incidents, which will have a serious impact on national and/or global economies. I am now talking not only about cybercrime, but also about cyberterrorist attacks. We already see the first signs of emerging cyberterrorism – and global anonymity is a really favorable factor for these people.

Imagine that everyone flying in your plane is anonymous, so you don’t know who they are and what they’re up to – are you really going to approve of this? And the Internet is as critical and as vulnerable as the air transportation network. So why do we have different security standards for these two global networks?”

Freie Übersetzung: “Wann wird das [alles] passieren? Niemals…oder in einer oder zwei Generationen. Nach einigen wirklich schlimmen Vorfällen, welche starke Auswirkungen auf nationale und/oder globale Wirtschaft haben werden. Ich spreche jetzt nicht nur über Cyberkriminalität, sondern auch über Cyberterroristische Angriffe. Wir sehen bereits heute schon die ersten Anzeichen für Cyberterrorismus und globale Anonymität ist etwas, was diesen Menschen in die Karten spielt.

Stellen Sie sich vor, jeder von den Menschen, der mit Ihnen in einem Flugzeug sitzt, ist illegal, so dass Sie nicht wissen, wer es ist und was er vorhat – wollen Sie das wirklich zulassen? Das Internet ist genauso kritisch zu betrachten und genauso anfällig für Angriffe wie unsere Lufttransportmittel. Warum sollten wir also unterschiedliche Standards für diese beiden Dinge haben?”

Meine Beobachtung: Was hier stattfindet, ist nicht anderes, als die Manipulation unserer Wahrnehmung, wie sie bereits nach dem 11. September 2001 stattgefunden hat. Man kreiert ein Feindbild – in diesem Fall der düstere Hacker-Buhmann – und brandmarkt ihn mit dem nach wie vor immer noch sehr modischen Label “Terrorist”. Damit ist natürlich sichergestellt, dass die Wahrnehmung der Öffentlichkeit quer an der Realität vorbei geht.

Man muss aber garnicht bis ins Jahr 2001 zurückblicken. Ein Kollege von mir, der viel reist, berichtete mir, dass der Münchener Flughafen zur Zeit vollgepackt von Polizisten ist, die mit MP5′s bewaffnet sind – zur Schutz gegen Terrorangriffe versteht sich. Darüber woher die Rechtfertigung für sowas kommt, habe ich bereits vor der Bundestagswahl 2009 einen Artikel geschrieben.

Man könnte diesen Gedanken weiterführen, indem man eine neue Achse des Bösen definiert, welche aus Hackern, Malware-Programmierern und – und das ist ein wirklicher Hammer – aus Privatleuten besteht. Zwar wurde das (noch) nicht gesagt, dass diese Aussage jedoch implizit schon heute existiert, beweist im Grunde schon die EU-weite Errichtung von Internetzensurinfrastruktur sowie ein Generalverdacht unter dem jeder Bürger sich Kontrollen ausgesetzt fühlen muss – Stichwort Vorratsdatenspeicherung.

An dieser Stelle verweise ich an den Erinnerungsaker, den ich weiter oben gesetzt habe. Kaspersky behauptete dort, er würde sich nicht dafür interessieren, was die Menschen in Blogs, Foren und so weiter von sich geben und wie sie sich dort verhalten. Gleichzeitig wird uns von den Medien und Regierungsmitarbern immer wieder vorgehalten, dass Terroristenschläger mitten uns uns sind. Wollte man diese Terroristen nun im Internet verfolgen, wie effektiv wäre diese Verfolgung dann, würde man bewusst die Bereiche ausklammern, in denen sich diese Terroristen befinden und dort ihre Propaganda unters Volk bringen. Das Schauspiel, was hier stattfindet, ist doch eine Farce vor dem Herrn.

Kaspersky äussert sich weiter mit einem Beispiel, welches jedem Maß von Vernunft spottet, indem er behauptet man müsse das Internet genauso absichern, wie man beispielsweise Fluge absichert. Er lässt bei diesem Vergleich jedoch völlig ausser Acht, dass es sich bei einem Passagierflugzeug um einen völlig auf sich selbst (also auf das Flugzeug) beschränkten Bereich handelt. Das Internet hingegen ist kein eingeschränkter Bereich als solcher, sondern im übertragenen Sinn “der gesamte Luftraum”. Das heisst, er legt uns eine Denkverkürzung nahe, welche impliziert, dass wir darüber hinwegzusehen, dass der Vergleich zwischen Luftraum und Flugzeug bzw. die Rechtfertigung für die Anwendung von Sicherheitsmaßnahmen auf einer Rechtfertigung basiert, die einfach absurd ist.

Aussage 6: “But we are already on the way – some European countries have introduced digital IDs, which they use for secure online banking and in some cases for online voting. National and municipal elections via the Internet are not a matter of science fiction – they are already here, and ID authentication is a vital part of such election systems.

Another prototype of e-passports is the two-factor authentication we now use to access corporate networks. The only thing that is missing today is a common standard.”

Freie Übersetzung: “Wir sind aber bereits auf dem Weg dahin – einige EU-Staaten haben digitale IDs bereits eingeführt, welche für sicheres Onlinebanking und in manchen Fällen für Onlineabstimmung genutzt werden. National- und Kommunalwahlen sind keine Zukunftsvorstellung mehr, es gibt sie bereits und hier sind digitale IDs ein wesentlicher Bestandteil.

Ein anderer Prototyp von digitalen Ausweisen implementiert Zweifachauthentifizierung, welche wir benutzen um Unternehmensnetzwerke zu betreten. Das einzige was heute noch fehlt, ist ein gemeinsamer Standard [für sowas].”

Meine Beobachtung: Korrekt ist ja (leider) die Aussage, dass wir uns bereits auf dem Weg zu mehr Sicherheit zum Verlust unserer Freiheit und Privatsphäre befinden. Kaspersky rechnet bei seiner Aussage fest mit der vermeidlichen Tatsache, dass die meisten Menschen überhaupt keine Ahnung von dem haben, was um sie herum passiert. So bejubelt er zum Beispiel den Einsatz von digitalen IDs bei Onlinewahlen und stellt dieses Verfahren als besonders gut und eines weiteren Ausbaus würdig. Nicht erwähnt wird jedoch, die Tatsache, dass bereits 2008 unter Einsatz von Wahlcomputern gehörig geschwindelt wurde – und zwar erfolgreich. Man muss sich doch die Frage stellen, wie transparent eine Stimmauszählung sein kann, wenn die Stimmen nicht mehr in analoger Form vorliegen? Sollte jemand das Ergebnis von einer Auszählung beanstanden, würde sofort das Todschlägerargument der digitalen Präzision gezückt werden. “Das ist digital, das können keine Fehler passieren!”. Während man sich bei einer analogen Wahl einfach die Stimmzettel nehmen muss, um eine Auszählung durchzuführen, ist man bei einer digitalen Wahl darauf angewiesen, Zugriff zu Systemen zu erhalten, den man nicht erhalten wird, weil es ja eine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellen würde. Wo kommen wir denn hin, wenn Bürger potenzielle Terroristen überprüfen möchten, was die Stimmauswertung treibt?

Aussage 7 (Schlusswort): “Anyway, I am happy to see that my ideas have raised so much discussion; I think that open public discourse and idea-sharing is the only way to make the Internet a safer and a better place.”

Freie Übersetzung: “Nichts desto Trotz freue ich mich, dass meine Ideen so viel Diskussion entfacht haben. Ich denke, dass öffentlicher Diskurs und die Diskussion von Ideen die einzigen Wege sind, um das Internet zu einem sicheren und besseren Ort zu machen.”

Meine Schlussbemerkung: Der letzte verzweifelte Versuch sein Gesicht zu wahren. Mehr ist das nicht. Kaspersky preist hier eine öffentliche Debatte an und findet es schön, wenn viele Menschen Ihre Ideen öffentlich diskutieren damit so neue bessere Dinge entstehen können – aber übersieht die Tatsache, dass ein Internetausweis, eine Internetpolizei und internationale Regulierungen nicht transparent sein werden und sich nicht durch eine Teilhabe von der Öffentlichkeit in Bezug auf deren Entwicklung auszeichnen werden.

In BeMerkensWert #2 habe ich ja im Schlusswort bereits meine Vermutung geschildert, dass ein Unternehmen wie Kaspersky sicherlich zu den Profiteuren von solchen Maßnahmen gehören könnte. Wenn man sieht, welche ausserordentliche Position gerade Unternehmen quer durch das Dementi von Kaspersky einnehmen, dann liegt nahe, dass da im Hintergrund Politik- und Konzerneliten gemeinsame Sache machen.

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Ein Kommentar

  1. sleepless schreibt:

    Kaspersky ist wirklich froh das eine Diskussion entfacht wurde.
    Ohne aufsehen und Kontroverse könnten solche Ziele niemals durchgesetzt werden.
    Wäre den meisten egal und unverhältnismäßig.

    Das lief so in der Zensur-Debatte und wird wieder so laufen.

    25.10.2009 um 4:52

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