Blog von Peter Piksa

Meine Empfehlungen vom 26. Choas Communication Congress

Der eine oder andere Leser hier wird es sicherlich auch ohne mein Zutun mitbekommen haben. Kurz vor der Jahreswende ist in Berlin die 26. Chaos Communication Congress vom Chaos Computer Club gelaufen. Ganz toll am diesjährigen CCC ist die Tatsache, dass fast alle Vorträge, die dort gehalten wurden, zum Download angeboten werden. Wenn ihr also etwas für eure Bildung machen wollt, empfehle ich die Videos, sie sind wirklich gut. Da möchte ich auch gleich mal beschreiben, weil ich den Inhalt als sehr empfehlenswert erachte.

  • 3690: CCC-Jahresrückblick
    Der Name sagt eigentlich schon worum es hier geht. Gemeint ist jedoch nicht irgendein 5-Minunten-Clip, bei dem schnellstmöglich alles der Reihe nach abgearbeitet wird, was sich dieses Jahr die Klinke in die Hand gegeben hat. Stattdessen werden zu den wichtigsten Punkten aus 2009 einige spannende Hintergründe geliefert, wie zum Beispiel die Geschichte mit den Prügelpolizisten von der FSA – ich habe mich mit dem Thema ja auch befasst. Wer in 2009 nicht so recht Zeit gefunden hat sich mit dem Geschehen im Allgemeinen zu beschäftigen, der sollte sich das Video auf jeden Fall ansehen, um einen guten Anschluss an 2010 zu erhalten. Ich behaupte das, weil ich befürchte, dass 2010 auf genau demselben Kurs verbleiben wird, den 2009 eingeschlagen hat. Gemeint sind neue, durch Regierungen gestützte Datenkraken, der systematische Abbau von Grundrechten oder die weitere Manifestierung von Neusprech in unserer Gesellschaft vorgelebt von Politikern und Personen der Öffentlichkeit.
  • 3481: Leyen-Rhetorik
    Martin Haase (hier sein Blog) habe ich ja bereits schon ein Mal in einem anderen Zusammenhang in meinem Blog erwähnt. Nach seinem Vortrag “Neusprech im Überwachungsstaat” vom letzten Congress, hat Martin mit dem diesjährigen Leyen-Rhetorik eine lehrreiche und unterhaltsame Arbeit abgeliefert, die sehr verständlich darstellt, welcher Mittel Politiker, in diesem Fall ganz konkret Ursula von der Leyen, sich bedienen, um mittels Rhetorik wirres Zeug als allgemeingültige Wahrheit darzustellen und in den Köpfen ihrer Zuhören zu manifestieren. Ich kann eigentlich nur jeden Menschen auffordern, sich dieses Video anzusehen und zu begreifen, welcher Manipulation man tagtäglich unterworfen ist. Wenn man weiss, WIE diese Manipulation stattfindet, kann man sie als solche erkennen und fällt nicht mehr darauf rein. Seht euch das an und erzählt euren Freunden davon – sowas ist wirklich wichtig.
  • 3523: Eine Zensur findet statt
    Jens Kubieziel zeigt in seinem Vortrag “Eine Zensur findet statt” auf, in welchem Umfang ausländische Regierungen heute und in Teilen schon seit vielen Jahren das Internet vor ihren Bürgern zensieren. Zwar liesse sich das nüchtern Betrachtet einfach mal als eine Art Darstellung der globalen Istsituation betrachten, doch angesichts zunehmender Zensur auf europäischem Gebiet, habe ich den Vortrag primär als wirklich gruseligen Preview unserer eigenen Zukunft wahrgenommen. Nur um das mal an dieser Stelle mit ein Bisschen Leben zu füllen: Die Chinesen betreiben ja eine Armada von Leuten, die im Internet in Blogs und Foren aktiv denunzieren. Die machen das natürlich nicht, weil sie darin den Sinn ihres Lebens gefunden haben, sondern weil der Staat das halt so will und geeignete Mittel gefunden hat, diese armen Teufel dazu zu bringen, sowas zu tun. Das liesse sich natürlich perfekt mit der Idee von Zensursula verknüpfen, dass man doch zukünftig im Browser einen Knopf installieren könnte, den man nur noch anklicken muss, wenn man eine Seite findet, wo jemand die Regierung kritisiert. Genügend Hartz 4 Empfänger haben wir ja schon. Reicht eigentlich nur noch aus, dass man denen Post schickt, wo drinsteht: “Damit wir Ihnen auch in Zukunft noch mit Hartz 4 helfen können, müssen Sie uns auch zurückhelfen, indem Sie Spalter unserer schönen Demokratie im Internet finden und uns melden.” Der Vortrag ist für all jene empfehlenswert, die öfters mal andere Menschen darüber aufklären, weswegen Zensur im Netz so gefährlich ist. Es liefert eine Reihe guter Argumente, anhand denen man deutlich machen kann, wohin dieser Unsinn führt, wenn man ihn nicht verhindert.
  • 3705: Die Geschehnisse des 12.9.2009 und Ihre Folgen
    Weiter oben bei der Empfehlung für den Jahresrückblick habe ich bereits ein Mal auf den Vorfall ausufernder Polizeigewalt bei der FSA verwiesen. In dem Vortrag von Andy Müller-Maguhn, den er zusammen mit einem Anwalt gehalten hat, sprechen sie über den Vorfall im Allgemeinen sowie über Hintergründe, die deutlich machen, welcher Methoden die Berliner Polizei sich zwecks Verdunkelung der Geschehnisse bedient hat. Hilfreich ist der Vortrag auch, weil sie auf die – ich nenne es mal “Semantik der Polizeiarbeit” eingehen. Das heisst, man erfährt als Zuschauer ein Bisschen was davon, wie man die Bedeutung polizeilichen Handelns bei Fällen wie dem von der FSA “dekodieren” kann. Schaut euch das auf jeden Fall mal an!

Die Videos sind übrigens unter eine Lizenz, die Vervielfältigung ausdrücklich erlaubt. Wenn ihr das Material als wertvoll für eure Freunde, Kollegen, Familienmitglieder erachtet, gebt denen eine Kopie. Eine Übersicht über alle Vorträge findet ihr hier.

Ich werde mir im Laufe der Tage sicherlich noch andere Vorträge ansehen. Wenn ich weitere Empfehlungen ausspreche, werde ich diese auch hier aufführen.

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Ein Kommentar

  1. wer schreibt:

    Ich empfehle zusätzlich folgende Vorträge:
    26c3-3713-de-unbild__pictures_and_non-pictures
    26c3-3708-de-die_schlacht_um_die_vorratsdatenspeicherung

    2.1.2010 um 23:30

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