Die Junge Union (CDU) meint es mit Pornographieverbot im Internet ernst
Nachdem ich heute völlig entgeistert las, dass die Junge Union die »Generation Porno« stoppen will und ein »Pornographieverbot im Internet« fordert, kamen auf Twitter bereits die erste Witze auf, ob denn möglicherweise jemand die Website der Jungen Union gehackt hat.
Angesichts dieser unsäglichen Pressemeldung von populistischem Charakter, die in ihrem Inhalt der Demokratie widerspricht und in krassem Widerspruch zur Freiheit des Geistes steht, fragte ich mich, ob der Inhalt nicht doch vielleicht von einem Hacker eingestellt wurde, der einen Sturm der Fassungslosigkeit auf das Konto der Jungen Union und somit der CDU lostreten wollte.
Freundlicherweise gibt Conrad Clemens als Landesvorsitzender nebst seiner Emailadresse auch gleich seine Handynummer an, sodass ich die Möglichkeit ergreifen konnte, die Ernsthaftigkeit dieser Pressemeldung zu kurzfristig telefonisch zu hinterfragen.
Zugegeben: Tief in mir drin wusste ich irgendwie, dass die Pressemitteilung ernst gemeint ist; doch irgendetwas trieb mich an, dennoch anzurufen und nachzufragen. Es muss folgender Gedanke gewesen sein: »So wenig Selbstachtung kann man eigentlich nicht haben, dass man so etwas schreibt. Oder etwa doch?«
Das Gespräch mit Herrn Clemens war recht freundlich. Während ich zu Beginn den Bezug auf die Pressemitteilung herstellte, indem ich ihren Titel wiedergab, schmunzelte Herr Clemens. Möglicherweise ist ihm selbst klar, wie lächerlich und peinlich die gesamte Angelegenheit in Wirklichkeit ist. Nachdem ich Herrn Clemens mitteilte, dass ich über den »billigen Populismus« maßlos enttäuscht bin und mir auch unerklärlich ist, weshalb diese Pressemitteilung vom Grundton her völlig anders wahrgenommen wird, als das Ergebnis der Sitzung des Deutschlandrats der Jungen Union, ließ ich mir nicht nehmen, Herrn Clemens einen Rat zu geben, der gleichsam für die gesamte CDU gilt:
»Verabschieden Sie (die CDU) sich von der Grundannahme des unaufgeklärten Bürgers. Es ist eben jenes Internet, welches Sie kaputtzumachen versuchen, welches den unsäglichen, demokratiefeindlichen und populistischen Charakter der CDU-Politik dokumentieren und damit sichtbar machen und bewerten wird. Vor 10-15 Jahren konnte man die Uninformiertheit der Menschen noch gegen sie verwenden. Doch heute arbeiten wir, die Netzgemeinde, hart daran, den Nährboden der Uninformiertheit, auf dem diese verlogene CDU-Politik gedeiht, aufzuklären und somit gut informierte Entscheidungen zu ermöglichen. Willkommen im Zeitalter der Aufklärung.«
Update 16.07.2010: Augenscheinlich ist die unverkennbare Peinlichkeit der Sache nun auch bei den Initiatoren angekommen. Zumindest wurde, wie Markus berichtet, die Pressemitteilung inzwischen entfernt. Bei »Die Welt ist gar nicht so« wurde ein Interview mit Conrad Clemens zum Thema veröffentlicht. Laut Markus versucht Conrad Clemens dieses Interview wieder entfernen zu lassen. Ich bin amüsiert. Glücklicherweise hat »Die Welt ist gar nicht so« einen Screenshot der Meldung.
Sam Vimes schreibt:
Also ich fasse das mal zusammen:
Um herauszufinden, ob die Pressemitteilung ein von Hackern untergeschobener Fake ist, hast du die Telefonnummer angerufen, die auf der eventuell gefakten Seite angegeben war und hast dort bestätigt bekommen, dass die Seite kein Fake ist!
Kling nach einem klassischen Autoritätsbeweis!
:-D
*scnr*
16.7.2010 um 7:44
Peter Piksa schreibt:
@Sam Vimes
Oh, danke für den Hinweis. Jetzt, wo Du es sagst, sehe ich es auch.
16.7.2010 um 8:30