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Der Tag, an dem die Deutsche Telekom sich das Netz zum Feind machte

Die Deutsche Telekom hat sich heute wirklich keinen Gefallen getan. Im Manager Magazin gab der Telekom-Chef René Obermann nun ein Interview, in dem er sich ganz offen gegen das Prinzip der Netzneutralität aussprach und damit mal eben eine spontane Protestwelle auslöste, die so wohl niemand erwartete. Anschließend versuchte man die Wogen zu glätten, was die Sache jedoch nur noch schlimmer machte. Dieser Artikel ist eine Übersicht auf der heutigen Zeitachse und Kritik an der Telekom zugleich.

Mittwochvormittag, es ist etwa 11:30. Per Twitter macht die Telekom auf das besagte Interview Obermanns im Manager Magazin aufmerksam:

René Obermann im @manager_magazin #Telekom: "Smarte Expansion" in neue Märkte http://tinyurl.com/3556w5q21/07/2010 08:53 via web

Inhalt des Interviews ist in der Hauptsache Geheul über und eine Stigmatisierung von Google und Apple. Google und Apple sind laut der Telekom zwei Aushängeschilder für Unternehmen, welche mit ihrem Terrabyte-großem Content die Leitungen der Telekom verstopfen. Google betreibt schließlich YouTube und Apple beliefet seine Kunden mit Musikdownloads und das alles geht halt so sehr auf die Kapazitäten, dass es jetzt halt an der Zeit ist, die Netzneutralität einzureißen und das Internet in seiner vollen Bandbreite nur noch jenen zur Verfügung zu stellen, die es sich leisten können. Da spielt es dann auch keine Rolle mehr, dass die Telekom bereits von dem Konsumenten Geld für den Internetzugang bezieht, nein. Jetzt will man sich auch noch von Contentanbieter dafür bezahlen lassen, dass man sie mit den Usern verbindet.

Der Deutsche Michel wird sich dafür nicht weiter interessiert haben. »Netzneutralität, was ist das schon? Nie gehört, kann also nicht so wichtig sein.« Doch im Netz sind die Menschen glücklicherweise etwas informierter und kritischer als der Deutsche Michel mit seinem Internetzugang der Deutschen Telekom. Es kam zu unangenehmen Reaktionen auf Twitter:

Den Schmonz bringt die @deutschetelekom doch alle 2 Jahre mal aufs Tablett. Bislang haben sie ihre Dämlichkeit immer noch bemerkt.21/07/2010 11:52 via Echofon


@deutschetelekom es wird Zeit, dass man euch wieder verstaatlicht. #netzneutralität #fail21/07/2010 11:53 via web


Ich protestiere als Kundin von @deutschetelekom schärfstens gegen die Angriffe auf die Netzneutralität!21/07/2010 11:47 via web


Oh! An der Operation »Wir ruinieren das Internet bis zur Unkenntlichkeit« beteiligt sich nun auch die @deutschetelekom: http://bit.ly/9ecjwt21/07/2010 11:30 via web

Dies ist jedoch nur ein kleiner Auszug. Da waren noch viele weitere Reaktionen und noch mehr Retweets. Angesichts der Resonanz bemühte sich die Telekom via Twitter darum, die Wogen etwas zu glätten:

#netzneutralität Freier Zugriff auf Internet ist Basis. Künftige Dienste verlangen gesicherte Übertragung:Telemedizin, smart grid #telekom21/07/2010 13:20 via web

Äh, wie meinen? Auf einmal geht es also nicht mehr um die diskriminierungsfreie Übertragung von Diensten im Web, sondern darum, dass bestimmte Dienste gesicherte Übertragungen benötigen? So als hätte gesicherte (ich nehme an hier geht es um Verschlüsselte Übertragung) Datenübertragung etwas mit Netzneutralität zu tun. Die Telekom streut hier Desinformation. Entweder gezielt, oder weil man im Eifer des Gefechtes sich nicht anders zu helfen wusste. Da kann sich jeder selbst sein Urteil bilden.

Weil die Kritik jedoch nicht aufhörte, kam eine weitere Reaktion seitens der Telekom. Es handelt sich um ein Kurzinterview von Mark Nierwetberg

#Netzneutralität: Das, was man nicht in 140 Zeichen packen kann, haben wir im Bewegtbild: http://bit.ly/caHCL1 #Telekom21/07/2010 16:01 via web

Hier das Video:

Spätestens hier zeigt sich, dass die Telekom desinformiert. Gleich zu Beginn behauptet Mark Nierwetberg es würde um »das freie Internet« gehen. Was heisst schon »freies Internet«, Herr Nierwetberg? Es geht nicht darum, dass wir, die das Internet “bewohnen” und gestalten, das »freie Internet« in Gefahr sehen. Es geht darum, dass Netzneutralität das Fundament eines (auf Dienstebene) diskriminierungsfreien Internets ist. Jeder, der sich gegen das Prinzip der Netzneutralität auflehnt, begünstigt den Verfall von Gleichberechtigung der Dienstanbieter im Netz und begünstigt damit ein verkrüppeltes Internet, in dem bandbreitenintensive Dienste Dienste, die Kohle an die Telekom abdrücken, einwandfrei zur Verfügung gestellt werden, während andere (finanzschwache) Anbieter das nicht können!

Später behauptet Mark Nierwetberg es ginge uns um Zensur. Ich sehe darin nur den Versuch, die Opposition aus dem Netz irgendwie zu stigmatisieren. Da rückt man die Verfechter der Netzneutralität direkt mal in die Gruppe der Zensurgegner. Gut, es werden sicherlich sehr weite Überschneidungen zwischen beiden Gruppen existieren, aber tut das hier irgendetwas zur Sache? Nein tut es nicht, also was soll der Versuch uns in eine Schublade zu stecken, auf die Ursula von der Leyen vor einem Dreivierteljahr ein Label mit der Aufschrift »Befürworter von Kinderpornographie« draufkleben wollte?

Im weiteren Verlauf spricht Mark Nierwetberg von einem »Basis Internet«. So als sei es selbstverständlich, als sei es hinnehmbar, dass es bald ein Basis-Internet, vielleicht ein Education-Internet oder ein Business-Internet gäbe. Für die ganz reichen unter uns wird dann sogar ein Full-Internet angeboten, oder was? Genau, das ist es, was folgendes Schaubild beschreiben wollte, als man vor einiger Zeit noch behauptete, Netzneutralität sei nur eine romantische Vorstellung ein paar Internet-Fachleute:

Netzneutralität - So wird euer Internet aussehen, wenn die Telekom die Netzneutralität abgeschafft hat, damit Sie also noch mehr Geld verdienen kann.

Ich zitiere Mark Nierwetberg: »Für den Endkunden ändert sich nichts!«

Herr Nierwetberg, hören Sie auf, uns zu belügen! Ob wissentlich, oder unwissentlich. Und lesen Sie gefälligst den deutschen und den noch viel besseren englischen Wikipedia Artikel zu Netzneutralität. Tun Sie es!

  1. 21. Juli 2010, 23:59 | #1

    Lieber Herr Piksa,
    es geht eben nicht um die im Bild dargestellte Art von Internet: 5 € für den Dienst und 10 € für einen anderen. Es geht um die Diskussion, wie sich in Zukunft Investitionen ins Netz refinanzieren lassen. Das ist die Frage, die wir uns stellen. Und wir diskutieren die. Sie bevölkern, wie sie schreiben, das Internet. Gut, das soll auch so bleiben. Andere machen im Internet Geschäfte, dabei wird Geld verdient. Wie wird in Zukunft dieses Geld verteilt, wenn immer mehr Dienste mit immer größerem Hunger auf Bandbreite ins Netz wandern? Entstehen vielleicht Geschäftsmodelle, die gesicherte Qualität – so war Sicherheit gement – verlangen? Als TV Sender zahle ich eine Einspeisegebühr für das Kabel, Netzbetreiber könnten in Zukunft eine gesicherte Qualität für TV Dienste im Netz anbieten – dürfen die dann diesen eindeutig kommerziellen Dienst bepreisen? Darf man als Netzbetreiber die Frage stellen? Wer trägt die Investitionen für den Ausbau der Netze? Machen Sie doch mal einen Vorschlag… Ich will niemanden in die Zensurecke stellen, das ist Blödsinn, aber wir bekommen den Vorwurf in der Diskussion immer wieder, darum diese Aussage. Und lügen muss ich nicht, wir haben kein fertiges Konzept in der Tasche, es ist eine Diskussion. Warum da aus Ihrer Sicht Desinformation betrieben wird, müssten Sie mir mal erklären. Gruß mn

  2. Cihan
    22. Juli 2010, 07:31 | #2

    Wie wer so die soll die Investitionen ins Netz refinanzieren ? Ist das ihr ernst Herr Nierwetberg? Der Endkunde natürlich, oder warum buchen sie jeden Monat Geld von meinem Konto ab? Das was sie anstreben ist genau sowas wie wenne der Staat von den Autohersteller Geld für den Straßenausbau verlangen würde.

  3. 22. Juli 2010, 08:03 | #3

    Wann begreifen die ISPs endlich, dass sie ein Kabel sind?

  4. Thomas
    22. Juli 2010, 08:12 | #4

    Du schreibst: “Auf einmal geht es also nicht mehr um die diskriminierungsfreie Übertragung von Diensten im Web, sondern darum, dass bestimmte Dienste gesicherte Übertragungen benötigen? So als hätte gesicherte (ich nehme an hier geht es um Verschlüsselte Übertragung) Datenübertragung etwas mit Netzneutralität zu tun.”

    Da sind allerdings mitnichten verschlüsselte Verbindungen gemeint (wenn auch Telemedizin hoffentlich verschlüsselt stattfindet), sondern hier ist die Rede von gesicherter (Mindest-)Bandbreite. Also min. X mbit/s die man für eine unterbrechungsfreie Videoübertragung beispielsweise braucht.
    Stichpunkt ist hier Quality of Service (QoS). Weitere Infos überall oder der Wikipedia.

  5. 22. Juli 2010, 09:26 | #5

    Jens Best hat es in seinem Tweet gesagt: Re-Verstaatlichung der Telekom wäre vielleicht die effektivste Maßnahme, damit solcher Unsinn aufhört. Es ist doch lächerlich: Anderswo geht man staatlicherseits daran, eine flächendeckende Breitbandversorgung der Bevölkerung herzustellen, um Innovativität zu fördern, hier will man die Content Provider UND die User zur Kasse bitten.
    Und wenn man schon dabei ist, kann man die Bahn gleich mit re-verstaatlichen, bevor jemand vor Hitze, Kälte oder Ärger im Zug stirbt.
    All das sage ich übrigens als jemand, der von den Vorteilen einer wettbewerblichen-marktwirtschaftlichen Grundordnung überzeugt ist. Infrastruktur steht allerdings auf einem anderen Blatt. Es gibt kaum Beispiele dafür, dass sich die zum Wohl aller privat bereitstellen lässt.

  6. 22. Juli 2010, 09:46 | #6

    @Mark Nierwetberg
    Wo ist das Problem? Schon heute zahlt derjenige, der z.B. VDSL 25.000 haben will, mehr als derjenige, der DSL 6000 hat. Wobei derzeit DSL 16.000 nach der Preisliste offenbar gleich viel kostet wie VDSL 25.000, vermutlich, um die Leute direkt auf VDSL zu locken (was in den meisten Fällen bedeutet, daß sie sich ein neues DSL-Modem kaufen oder mieten müssen).

    Die bessere Leistung ist also teurer, da muß man nicht noch zwischen Diensten unterscheiden, die der User in Anspruch nimmt oder auch nicht.

    Sehen Sie, man kann nicht einerseits unbedingt Wirtschaftsunternehmen sein wollen, und andererseits die Gesetze des Marktes, die man sonst so hochhält, konterkarieren, wenn sie einem mal nicht entgegenkommen. Dann möchten Sie Planwirtschaft haben, da haben sie die perfekte Investitionssicherheit — oder ein Monopol wie zu den Zeiten als Staatsbetrieb.

    Vielleicht ist die Telekom aus diesen Zeiten noch zu sehr verwöhnt. Jeder andere Gewerbetreibende kann nur hoffen, daß sich seine Investitionen lohnen — eine Garantie bekommt keiner dafür. Auch die Telekom sollte sich da keine Garantien erhoffen.

  7. 22. Juli 2010, 09:58 | #7

    Das Problem ist in meinen Augen viel eher, dass es sich für den ISP negativ auswirken wird, wenn bekannt wird, wenn man dort z.B. Google nicht ordentlich verwenden kann. Oder Youtube. Oder sonst einen Dienst, der eine “gesicherte Qualität” voraussetzt.

  8. Atrocity
    22. Juli 2010, 10:27 | #8

    @Mark Nierwetberg

    Nicht genug das der Telekom Kunde für seinen Netzzugang zahlt, nein auch Google & Apple zahlen schon dafür. Stichwort Peering.
    Verkauft doch die Leute nicht für dumm, jeder Traffic im Netz wird schon mindestens doppelt bezahlt, einmal von dem der den Inhalt ins Netz stellt, einmal von dem der ihn sich ansieht.

    Guter Beitrag dazu: http://forum.golem.de/kommentare/internet/telekom-ren-obermann-stellt-die-netzneutralitaet-in-frage/weiss-der-mann-eigentlich-wie-das-internet-funktioniert/43465,2349195,2349195,read.html#msg-2349195

  9. sporty883
    22. Juli 2010, 10:57 | #9

    @Mark Nierwetberg

    Es ist in der Tat eine – sagen wir mal – “ungeschickte” Aussage von Herrn Obermann gewesen. Ganz offenbar versucht man verzweifelt dem Schicksal, das man beim Kabel/DSL erlitten hat, zu entgehen. Allein, das wird nicht gelingen.

    Sie werden die Einnahmen aus dem Modell der “gedrosselte Flatrate” dazu nutzen können ihr Netz auszubauen, bis eine gesättigte Kapazität erreicht ist.

    2010:
    1GB (ungedrosseltes Internet) = 10 €
    3GB = 20 €
    10GB = 50 €
    100GB = 150 €

    2020:
    10GB = 10€
    >10GB = 20€

    Alles andere wird nicht funktionieren. Ach so, die Einnahmen aus Telefon, SMS und MMS fallen natürlich weg. Ebenso die absurde Idee für Tethering Geld zu verlangen. Die Technik entwickelt sich weiter und SIE halten sie nicht auf. Je früher Sie sich von der Idee verabschieden “Mehrwertdienste” anbieten zu können, um so schneller werden Sie ein tragfähiges Geschäftsmodell rein auf Datengeschwindigkeit entwickeln können.

    Die Zeiten in denen Sie (und ihre Mitstreiter) Kunden mit sittenwidrigen Vertragsmodellen das Geld aus der Tasche ziehen können gehen dem Ende entgegen. Finden Sie sich damit ab.

    @Peter Piksa. Mobilfunkbetreiber sind allesamt ************** – trotzdem ist ihr Artikel wenig hilfreich.

  10. 22. Juli 2010, 11:15 | #10

    Meine Meinung dazu habe ich mal in einen Artikel gegossen. Ich sehe das Ganze an manchen Stellen etwas anders.

    http://digitallife.update-leben.de/2010/07/netzneutralitat-ja-aber-es-muss-finanzierbar-sein/

  11. Björn
    22. Juli 2010, 12:46 | #11

    @Mark Nierwetberg
    Zitat: “Es geht um die Diskussion, wie sich in Zukunft Investitionen ins Netz refinanzieren lassen.”

    Ich hab da eine GANZ einfache Lösung: Sie machen es wie JEDES Unternehmen auch. Sie verdienen monatlich ihr Geld durch Grundgebühr und andere Sachen, SPAREN davon auch mal etwas und investieren es in regelmäßiger Zeit in die Überarbeitung der Netz-Infrastruktur!

    Nur weil sie die Leitungen früher mal geschenkt bekamen, heisst das ja wohl nicht, dass sie diese nun nicht erweitern/verbessern können.

    Es ist auch nicht so – denn das scheinen sie den dummen Leuten gern klarmachen zu wollen – dass mehr Bytes auf der Leitung auch direkt und dauerhaft mehr kosten! Nein, sie müssen NUR von Zeit zu Zeit die Leitung “dicker” machen, damit mehr durch passt – um dies mal auf ihrem Level zu verdeutlichen.

    Alles in allem nur mal wieder ein neuer Versuch an einer neuen Ecke Geld zu sparen/zu verdienen um auf lang hin NOCH mehr in den Rachen geworfen zu bekommen und die Kunden zu schröpfen wo es nur geht…

    Liebe Telekom, nur weiter so. Glücklicherweise informieren sich ihre Kunden immer mehr auch in diesem Netz und sehen somit irgendwann, wer sie verscheissert! (falls sie nicht am Ende merken, dass sie doch noch den Zensur-Zug brauchen, um dies zu verhindern)

  12. Jochen
    22. Juli 2010, 14:00 | #12

    Und dann noch auf Google und Apple schimpfen, deren Produkte man selber verkauft und im Falle von Apple sogar exklusiv. Zu wie, ich finde, unverschämten Preisen.

  13. _Flin_
    22. Juli 2010, 14:09 | #13

    Bitte verbessert mich, falls ich mich irren sollte:
    Ist nicht im Netz der DTAG in Bezug auf IPTV Netzneutralität sowieso schon ad acta gelegt? Leiten die nicht ihren IPTV Traffic durch eine separates Multicast-Netz, um QoS bieten zu können?

    Wenn ich Live-IPTV gucken will (oder auch telefonieren, oder Musik hören), dann brauch ich nunmal eine gesicherte Bandbreite, da beisst die Maus keinen Faden ab. Und wenn das dann noch HD sein soll, wirds langsam rau in Sachen Bandbreite.

    Wo wird denn bei der Netzneutralität die Grenze zwischen “Internet” und NGN-Diensten wie Musik-Streaming aus der Cloud, IPTV etc. gezogen? Darf man als Unternehmen nicht in seinem Walled Garden schalten und walten, wie es einem beliebt? Was ist “Internet” und was sind legitime kostenpflichtige Zusatzdienste auf IP-Basis mit garantierter Bandbreite? Man denke nur mal an Dinge wie eine digitale Patientenakte, bei der mein Arzt die hochauflösenden Röntgenbilder und CTs ansehen kann, die vor einem Jahr irgendwo anders gemacht wurden. Da werden in Zukunft knackige Datenmengen fällig.

    Oder heisst das dann, dass die Provider und Netzbetreiber ihre Spezialnetze vom allgemeinen Internet trennen müssen? Dass sie dann das Standard-Internet dort nicht mehr durchleiten dürfen, obwohl sie Kapazitäten haben?

    Geld von Anbietern Google und Apple zu verlangen, ist natürlich Quatsch, denn dafür zahlen sowohl die Anbieter als auch die Kunden jetzt schon. Aber das DTAG Bashing halte ich für ein wenig überzogen.

  14. 22. Juli 2010, 14:28 | #14

    @_Flin_
    Ja, ich will dass das separat läuft, weil so security resistent wie die ganzen Entwickler solcher Dienste sind will ich nicht, dass meine Patenientakte über das “normale” Internet übertragen wird.
    Und wenn Arzt und CT-Ersteller das schnell übertragen wollen, dass müssen sie eben auch entsprechend dafür zahlen, dass sie eine breitbandige Leitung haben. Und wenn sie entsprechend dafür zahlen ist auch entsprechend Geld für den Ausbau der Infrastruktur vorhanden.
    Multicast hat den Vorteil, dass ja eben nur ein Stream läuft und der am “letzten Router” gesplittet wird.
    Multicast geht mit ganz vielen Diensten und hätte die Telekom nicht jahrelang Multicast negiert, weil sie ihre eigenen Streams (nix multicast) verkaufen wollte, sähe heute im gesamten (deutschen) Internet einiges ganz anders aus. zB. auch der Traffic, den sie sich 100 und 1000mal teuer von außen reinziehen, weil ihre Kunden sich an Streaming-Server von Radiosendern hängen. Mit Multicast ginge genau einer rein und gut wärs, was auch an den Anbietern zugute käme.

  15. 22. Juli 2010, 15:33 | #15

    “So als hätte gesicherte (ich nehme an hier geht es um Verschlüsselte Übertragung)”

    Nein. Es geht um die Gewährleistung einer bestimmten Dienstgüte.

  16. 22. Juli 2010, 17:44 | #16

    @Atrocity
    Der Beitrag von mecki 78 auf Golem ist sehr guter Beitrag, das mit dem unqualifiziert über meine Person – naja – andere Sichtweisen werden schenell gebrandmarkt. Wir wollen eine Diskussion und keinen Bashing Contest, aber der Rest von dem Beitrag ist ja sehr fundiert: Als Ergänzung mal folgender Hinweis aus unserem Haus von einem Experten, der hier intern auch mitdiskutiert: Du redest hier über die Wertschöpfungskette und wie sie verteilt ist – aktuelle Verteilung der Wertschöpungskette in der Internetwirtschaft Content-Anbieter 62 Prozent des Umsatzes; Infrastruktur-Anbieter 17 Prozent. Jetzt bitte mal vergleichen mit dem Investitionsvolumen.
    Gruß Mark Nierwetberg, Pressestelle Deutsche Telekom

  17. 22. Juli 2010, 18:03 | #17

    Nun Herr Obermann hat nun öffentlich sehr deutlich kommuniziert womit die Telekom zukünftig Geld verdienen möchte. Forschen in diesen Richtung tut die Telekom schon lange. Ich sage hier nur Clean Slate Project http://cleanslate.stanford.edu/# was es nicht weniger schlimm macht.

    Und lieber Herr Nierwetberg, für die Entwicklung neuer und tragfähiger Geschäftsmodelle haben sie ein hoch bezahltes Management und eine Armada von hoch bezahlten Consultants. Das ist nun wirklich nicht Aufgabe ihrer Kunden sich darüber Gedanken zu machen.

  18. 22. Juli 2010, 18:44 | #18

    Mark Nierwetberg :

    @Atrocity
    Du redest hier über die Wertschöpfungskette und wie sie verteilt ist – aktuelle Verteilung der Wertschöpungskette in der Internetwirtschaft Content-Anbieter 62 Prozent des Umsatzes; Infrastruktur-Anbieter 17 Prozent. Jetzt bitte mal vergleichen mit dem Investitionsvolumen.

    Es besteht keine Notwendigkeit über diesen Punkt zu reden, ausser man wolle sich irgendeine Legimiation herbeireden, weshalb die Netzneutralität abgeschafft gehört. Machen Sie als Telekom einfach ein ehrliches Geschäft, dann müssten wir diese unsägliche Diskussion nicht führen.

    Sie sagen: »Wir wollen eine Diskussion und keinen Bashing Contest.«
    Ich sage: »Richtig. SIE wollen eine Diskussion!« Damit sind Sie aber ganz alleine und das wissen Sie genau. Solange diese unsägliche Diskussion geführt wird, wird die Telekom den Menschen immer wieder mit haaresträubenden Legimationen für Ihre Forderungen konfrontieren. Glauben Sie es sei nicht ersichtlich, dass die Telekom die Öffentlichkeit so lange versuchen wird mit diesem Unsinn zu berieseln, bis ihre Forderungen akzeptiert werden?

    Vergessen Sie es! Und zum Thema Bashing Contest noch ein paar Worte: Glauben Sie ernsthaft, wir hätten nichts anderes zu tun, als uns mit Ihnen zu streiten? Im Gegensatz zu Ihnen, Herr Nierwetberg, werden wir nicht dafür bezahlt, hauptberuflich Öffentlichkeitsarbeit für ein unsägliches Projekt der Telekom zu machen. Die Leute, die hier posten und das Internet mit Kritik zu Ihrem Vorhaben gefüllt haben, taten dies aus einer Überzeugung heraus und nicht, weil sie Sie bashen wollen.

    Sie dürfen sich aber nicht wundern: Wer unsinniges behauptet, selbst noch nachdem er des Besseren belehrt wurde, wird als Unsinniger bezeichnet. Das ist ein Prizip, welches das Internet aus der physischen Welt adaptierte. Rumheulen bringt da nix. Und wenn man einen Job macht, der es erfordert, in der Öffentlichkeit Unsinn zu verbreiten, dann sollte man sich ein Fell gegen sowas wachsen lassen.

    Die Reaktionen richten sich gegen die Telekom. Sie als Person, Herr Nierwetberg, sind austauschbar. In gewisser Weise habe ich sogar ein Stück Mitgefühl mit Ihnen, kriegen Sie die gesamte Kritik ab, die eigentlich den Strategen der Telekom gebührt. Sie machen ja auch nur Ihren Job, müssen Sie ja auch von etwas leben. Doch wenn Sie morgen den Job hinschmeißen, wird ein anderen nachrücken. Ihr Nachfolger wird den gleichen Quatsch behaupten, schließlich dient das Verbreiten von Quatsch dem Ziel, Netzneutralität abzuschaffen.

    Wenn die Telekom Umsatz- und Wachstumsziele erreichen muss, dann ist das der Telekom Problem. Niemand bei der Telekom soll glauben, zur Erreichung von Umsatz- und Wachstumszielen die Netzneutralität opfern zu dürfen.

  19. Daniel
    22. Juli 2010, 18:46 | #19

    Ich halte das Telekom Bashing auch für überzogen. ABER: Die Telekom ist nun mal (zum größten Teil) ein Infrastruktur Anbieter, wenn da nicht soviel Geld hängen bleibt wie bei einem Content Anbieter – Pech gehabt. Falsches Geschäftsmodell. (Btw: die Telekom ist in vielen Bereichen natürlich auch Inhalteanbieter. Bspw.: Mucisload, etc).

    Des Weiteren finde ich, dass die gerade die Telekom viel gelernt hat was Kundenwünsche angeht: Der Umgang mit Kunden ist deutlich angenehmer geworden. Und auch der Kontakt zur Internet Community ist ziemlich offen. Das sieht man auch daran, dass die Pressestelle sich hier der Diskussion stellt. Das ist durchaus unüblich. Auch mit Videoblogs bestimmt Themen zu beantworten finde ich großartig.
    Ich glaube letztlich kann man es nicht jedem Recht machen und gerade im Internet finden sich immer viele die mit großer Lautsprechertüte ihre Meinung kundtun und differenziertere Meinungen überschallen. Zuspitzen lohnt sich halt.

  20. Stefan
    22. Juli 2010, 19:33 | #20

    Was sich hier aber auch jeder einmal klar machen sollte ist, dass viele Menschen in Deutschland noch kein DSL 16.000 oder ähnliches bekommen. Wenn nur wenige Unternehmen investieren (insbesondere weil das für sie sehr bequem ist) ist die Last für die anderen umso größer. Die Telekom ist ein Unternehmen, welches kontinuierlich investiert und schon seit Jahrzehnten mittlerweile sein Netz mit anderen Unternehmen teilen muss.
    Daher finde ich persönlich die Diskussion für vollkommen legitim, denn irgendjemand wird den Aufwand sicherlich schultern müssen.

  21. 22. Juli 2010, 19:52 | #21

    @Stefan
    Da bist Du leider auf dem Holzweg, die Telekom hat keinen Pfennig “investiert”: Man hat ein perfekte und perfekt gewartete Infrastruktur “geschenkt” bekommen, die von den Steuern aller Bundesbürger finanziert wurde und hat erstmal jahrelang nichts als die Zitrone solange ausgepresst bis sie beinahe trocken war. Erst als Wartungs- und investitionspläne weiter unaufschiebbar wurden, hat die Telekom angefangen diese zu realisieren. Eine echte Investition von Geld, Arbeit und Entwicklungsabeit hat es seitens der DTAG niemals gegeben.

    Gruss,

    Rafael

  22. _Flin_
    22. Juli 2010, 20:13 | #22

    @Maex
    Dann möchtest Du auch, dass Google für ihren Traffic zahlt? Wie die hypothetischen Ärzte mit der Patientenakte? Also eher keine Netzneutralität?

    (Was Multicast ist, ist mir übrigens vollkommen klar, das wurde nur der Vollständigkeit halber erwähnt)

    Persönlich bin ich zu dem ganzen Thema eh der Meinung, dass ein Internetzugang vom Staat zu leistende Infrastruktur ist. In Bezug auf Netzneutralität kann ich nur sagen: Ich kaufe einen Internetzugang. Keinen WWW Zugang, keinen Skype-freien, Google-freien, Apple-freien irgendwas. Ich will bei meinem Anschluss die mir zugesicherte Bandbreite haben, und damit machen können, was ich will. Dafür zahle ich schließlich. Zahlt Google nicht ebenfalls für ihr Peering?

    Also was will die DTAG eigentlich? Dass ihre Netze nicht benutzt werden? Wenn die Netze nicht benutzt werden, dann braucht die DTAG auch kein Geld für den Ausbau. Und ihre Kunden zahlen auch kein Geld an sie, sondern gehen lieber woanders hin. Insofern beißt sich die Katze da in den Schwanz.

  23. 22. Juli 2010, 21:16 | #23

    @Rafael
    Netzgeschenke … Bereits Jahre vor der Privatisierung haben die Vorgängerunternehmen der Telekom Milliardenbeträge an den Bundeshaushalt abgeführt. So hat die Deutsche Bundespost TELEKOM allein in den Jahren 1990 bis 1994 umgerechnet rund zwölf Milliarden Euro an den Bund abgeführt. 1995 leistete das Unternehmen zum letzten Mal eine solche Zahlung: umgerechnet rund 1,6 Milliarden Euro. Bei der Privatisierung 1995 hat das Unternehmen dann zwar das Sachanlagevermögen (inkl. Netzinfrastruktur) im Wert von
    69,1 Milliarden Euro übernommen. Dem gegenüber standen aber die Verbindlichkeiten
    im Wert von knapp 70 Milliarden Euro, die ebenfalls übernommen werden
    mussten. Allein seit 1999 hat die Telekom mehr als 10 Mrd. Euro in moderne Breitbandinfrastruktur investiert – und das in einem vollständig liberalisierten Markt, in dem es jedem Unternehmen frei steht, ebenfalls in Infrastruktur zu investieren. Gruß Mark Nierwetberg, Deutsche Telekom

  24. 23. Juli 2010, 03:28 | #24

    @_Flin_
    Natürlich möchte ich dass Google für den Traffic bezahlt, aber das tun sie ja eh, an ihren Provider.

    Peering funktioniert so, dass eben Gleichgestellte mit ähnlichem Traffic-Verhalten die Daten kostenlos tauschen. Ist einer größer als der andere gibt es ein Übergewicht, dass der Kleinere eben kompensieren muß. Natürlich spielen da auch “politische” Interessen mit hinein, wie “meine Kunden haben Interesse daran, den Dienst Deines Kunden (möglichst gut) zu erreichen, das ist uns N Geld wert”.

    Es läuft also auf ein Machtspielchen hinaus. Kann die Telekom ihre Kunden halten, wenn die Anbindung an zB. Google zu schlecht wird, weil man direkte Peerings unterbricht.
    Und natürlich darf jeder Provider mit jedem Peeringpartner aushandeln zu welchen Konditionen das Peering erfolgt. Was aber nicht geht ist, dass der Provider seinen Kunden unterschiedliche Verträge anbietet, die auf Erreichbarkeit und nicht auf Bandbreite basieren.

  25. 23. Juli 2010, 18:25 | #25

    Das Internet lebt auch ganz Maßgeblich von der stetigen Verbesserung der Codierungs Techniken. Und die wiederum werden von der Netzneutralität befeuert, weil es eben keine “Premimum Rates” bis zum Verbraucher gibt, sondern immer nur die Schnittmenge der Kontingente des Anbieters und des Verbrauchers. _Je weniger ein Dienst braucht, desto besser funktioniert er.

    Während bei Texten, Bildern und Tönen allenfalls noch Prozente gut-gemacht werden können, halte ich bei HD-Videodienste noch eine Reduktion um Zehnerpotenzen für möglich, wenn man von planarer Bildübertragung zur Übertragung von 3D Modellen übergeht. Als Demonstration möge ein HD Routen Flug in Google Earth im Vergleich zur Videocodierung der Bilder herhalten. In 5 Jahren passt ein Spielfilm auf eine CD

  26. 26. Juli 2010, 15:01 | #26

    @Peter Piksa
    Noch so jemand den Sie bekämpfen sollten …

    http://bit.ly/bPFtKW

    Gruß mn

  27. 26. Juli 2010, 16:47 | #27

    @Mark Nierwetberg
    Und wieviele ISPs und Carrier/Transits muß ich bezahlen, damit das auch Ende-zu-Ende fuhktioniert?
    Oder wie garantiert mir die Telekom die QoS für eine Notoperation, wenn ich einen Spezialisten brauche, der gerade in der Antarktis ist?

  1. 22. Juli 2010, 08:23 | #1
  2. 22. Juli 2010, 10:33 | #2
  3. 22. Juli 2010, 10:50 | #3
  4. 22. Juli 2010, 13:06 | #4
  5. 22. Juli 2010, 15:47 | #5
  6. 23. Juli 2010, 14:17 | #6
  7. 23. Juli 2010, 16:12 | #7
  8. 28. Juli 2010, 12:49 | #8
  9. 30. Juli 2010, 13:05 | #9
  10. 5. August 2010, 14:05 | #10
  11. 9. August 2010, 18:33 | #11