Untersuchungshaft als sinnvolle Maßnahme nach der Loveparade?
Eine Sache, die mich im Zuge der Loveparade 2010 unbeschreiblich wütend und traurig machte, ist die Art und Weise, wie die Verantwortlichen mit der Wahrheit umgehen. Es erweckt den Eindruck, als kehre man den Tod von 20 Menschen bei Seite, um sich selbst der gerechten Strafe zu entziehen.
Aus meiner Sicht ist es so, dass Duisburgs Untere Bauaufsicht wegen Sicherheitsbedenken gegen das Ausrichten der Loveparade war. Spiegel Online berichtete gestern Abend noch, dass die Untere Bauaufsicht die Organisatoren von der Pflicht befreite, die vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege einzuhalten. Das jedoch nur mit der unmissverständlichen Auflage, dass maximal 250.000 Menschen gleichzeitig auf dem Partygelände anwesend sein dürfen.
Niemand, aber restlos NIEMAND, nicht der Oberbürgermeister, noch ein Veranstalter oder ein Teilnehmer des Sicherheitsstabes konnte ernsthaft annehmen, dass nur 250.000 Menschen zu der Veranstaltung erwartet waren.
Bei den vergangenen Loveparades waren stets über eine Millionen Teilnehmer anwesend. Niemand kann behaupten, dass ernsthaft nur 250.000 Besucher erwartet waren.
Wenn man wohl wissend um den Umstand, dass weit über eine Millionen Menschen der Loveparade beiwohnen werden und wohl wissend, dass das Gelände für maximal 250.000 Menschen freigegeben ist, diese Veranstaltung dennoch ausrichtet, begründet dies in meinen Augen den Verdacht auf fahrlässige Tötung.
Angesichts der gestern um 12:00 Uhr Mittag abgehaltenen Pressekonferenz habe ich nicht den Eindruck, dass der Oberbürgermeister oder die Veranstalter bereitwillig Informationen rausrücken werden, zumal sie sich ja selbst belasten würden. Ich sehe Verdunkelungsgefahr, wenn vier Verantwortliche auf einer Pressekonferenz behaupten, es wären wohl 150.000 statt 1.4 Millionen Menschen anwesend gewesen, oder wenn Herr Oberbürgermeister Adolf Sauerland die bodenlose Frechheit (und das Recht) besitzt, vor den fassungslosen Augen der gesamten Nation »zum Schutz seiner Mitarbeiter in der Sache nichts sagen zu wollen.«
Man kann sich viel darüber unterhalten, was in jenen Augenblicken dazu führte, als 20 Menschen ihr Leben ließen. Doch sollte man anerkennen, dass Mütter und Väter jetzt nicht um Ihre Kinder trauern müssten, hätte man sich an die von der Unteren Bauaufsicht aus gutem Grund aufgestellten Vorschriften gehalten.
Ich würde mich besser fühlen, wenn Adolf Sauerland und alle weiteren Verantwortlichen in Untersuchungshaft genommen würden, um Verdunkelungsgefahr auszuschließen. Ich bin ein Mensch, der geneigt ist, von der Unschuld eines Menschen auszugehen, aber im konkreten Fall habe ich tiefe Sorge, dass versucht wird, Beweise zu vernichten oder relevante Menschen zu beeinflussen. Meiner Meinung nach geht es hier um fahrlässige Tötung. Die schiere Tatsache, dass aktuelle »gegen Unbekannt« ermittelt wird, ist in meinen Augen eine einzige, groteske und unerträgliche Farce. So, als wäre es nicht das naheliegendeste, bei jenen anzufangen, deren Missachtung der Regeln ursprünglich dazu führte, dass eine Situation entstand, die Menschenleben forderte.
Andreas Fuchs schreibt:
Mehr als 1000 fache Körperverletzung ca. 1 Million Menschen genötigt,19 facher Mord und das alles nur aus Habgier! Ich hoffe das die Gerichte hier mit aller Härte durchgreifen.
26.7.2010 um 19:20
Funnywoman1 schreibt:
Sehr gut geschrieben und auf den Punkt gebracht. Ich stimme dir vollends zu. Glg
26.7.2010 um 19:22
Wolf schreibt:
Es passiert ja nichts.
Die Website http://www.loveparade.de , auf der ebenfalls seit Beginn die Sicherheitsproblematik hart diskutiert und vom Veranstalter regelmässig relativiert wurde ist seit Montag verschwunden. Es war das erste, das für die Öffentlichkeit sichtbar gelöscht wurde. Anschliessend kam dann die Meldung, dass der Veranstalter alle (bereinigten) Server der Staaatsanwaltschaft überlassen würde.
Es ist zu spät, aber es passt alles zu der allgemeinen Linie, für Jugendliche lediglich ein halbwegs planiertes Brachgelände zur Verfügung zu stellen. Die angeblich (während des Wahlkampfs) so wichtige Jugend ist nichts wert.
Wer das Video der direkt Betroffenen an der Treppe gesehen hat, weiss jetzt, welche Leute wirklich Mut und Hilfsbereitschaft gezeigt haben. Es waren die Betroffenen, die verzweifelt und vergeblich versuchten, den Opfern beizustehen.
Vor diesen Menschen habe ich höchsten Respekt!
Angesichts dieser Bilder und der, auf der anderen Siete zu sehenden feigen Ausflüchte der hasenfüßigen Duisburger Rathaustruppe kommt mir das Kotzen. Ich bin entsetzt, wütend und ratlos. Soetwas habe ich seit der Kita- Zeit noch nirgendwo erlebt. Ich wünsche mir, wenn ich an Duisburg denke, dass ich irgendwann nicht mehr an das bräsige Gesicht des Herrn Sauerland denken muss.
Er soll zurücktrdeten und auf seine Pension verzichten. Mit ihm die Dezernententruppe, die zu feige waren, sich offen gegen Sauerland zu stellen.
30.7.2010 um 16:46