Meine vorläufigen Gedanken zu Wikileaks
Ich habe gestern einen Teil des Tages damit verbracht, über Wikileaks und die Geschehnisse rund um den Afghanistan-Release sowie einzelne Kommentare hierzu nachzudenken. Eigentlich wollte ich dazu selbst meine Gedanken bloggen, als ich dann jedoch feststellte, dass sie wohl noch lange nicht ausgegoren sind, ließ ich es dann bleiben.
Am Abend jedoch las ich dann Dominics Artikel zum Thema, dem ich ein gewisses Unwohlsein über die Tatsache entnehme, dass mit den verbleibenden 15.000 Dokumenten ein Kalkül um die Lebenserwartung des Gründers von Wikileaks betrieben wird. Übrigens: Ob es sich um eine »Tatsache« handelt, kann wohl noch niemand mit Sicherheit behaupten.
Doch zurück zu dem durch mit attestierten Unwohlsein. Falls dem nämlich so ist, kann ich das nicht wirklich nachvollziehen. Bringt Wikileaks doch Informationen ans Tageslicht, die unter normalen Umständen für ewig geheim gehalten blieben. Vor dem Hintergrund dieser Tatsache begreife ich sein Unwohlsein nicht. Ich will mich hier auch nicht nur auf diesen einen Blogger beziehen. mspr0 zum Beispiel schrieb ja Gedanken nieder, die ähnlich sorgenreich koloriert sind.
Um es auf den Punkt zu bringen. Selbst wenn Wikileaks pauschal die Hälfte aller für die Öffentlichkeit relevanten Informationen einfach verbrennen würden, wäre die andere Hälfte zum Zeitpunkt Ihrer Veröffentlichung immer noch ein Segen für die Menschheit, der uns ohne Wikileaks schlicht verwehrt bliebe. Zurzeit profitieren wir ausnahmslos. Selbst wenn man die von mspr0 befürchtete »Konterrevolution« als herannahende Ausnahme unseres Profitierens bewertete, würde dieses Argument erstumpfen, sobald man sich vergegenwärtigt, dass diese besagte Konterrevolution bereits im Gange ist (Stichworte: Zugangssperren oder die laufenden Bestrebungen zur Deanonymisierung des Internets).
Versteht mich richtig: Natürlich wäre es von Wikileaks unethisch, die Hälfte nicht zu veröffentlichen. Doch gebietet das große Glück, dass unsere Gesellschaft mit Wikileaks gesegnet wurde, es nicht viel mehr, für jede bisher veröffentlichte Kleinigkeit dankbar zu sein, statt über den einen oder anderen in entfernter Zukunft möglicherweise etwas schief gewachsenen Ast einer JETZT noch so zarten Pflanze zu klagen?
Wie ich bereits zu Beginn erwähnte, habe ich meine Gedanken noch nicht zu Ende geführt. Momentan denke ich aber, dass es für uns als Gesellschaft, die sich immer (zu Recht) über Machtmissbrauch/Machtkonzentration, Korruption und Intransparenz beschwert, einfach klüger ist, diese zarte Pflanze zu gießen und zu schützen, als ihr mit zu großer Skepsis gegenüberzutreten.
Eine Gesellschaft, die bald größeres Misstrauen gegenüber Wikileaks hegt, als jenen, deren Lug & Trug Wikileaks auffliegen lässt, fühlt sich für mich befremdlich an. Wer zum gegenwärtigen Zeitpunkt auf Wikileaks herumhackt (damit sind weder Dominic noch mspr0 gemeint!), begünstigt in meiner Wahrnehmung Machtmissbrauch, Repression, Lüge und was sich sonst noch alles unter dem Sammelbegriff »ablehnenswert« subsummieren lässt.
Wolf schreibt:
Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis die Verschlüsselungsalorithmen so weit sind, dass eine heute verschlüsselte Datei von einfachen Programmen geknackt werden kann. Dann kann sie jeder auch ausserhalb von Wikileaks öffnen und online stellen. Behörden erneuern aus diesem Grund ihre Dateien alle 5-10 Jahre, damit sie weiterhin geschützt sind.
Deswegen ergänze ich, dass es für die Wikileaks Macher ratsam wäre, die “Lebensversicherung” kontinuierlich mit frischen Files zu erneuern.
Dass Staaten wir USA inklusive aller Vebündeten dieselben rigorosen Methoden anwenden, gegen die sie angeblich kämpfen ist ja inzwischen bekannt.
2.8.2010 um 8:24
Guido Strack schreibt:
Food for thought: Wikileaks wichtig aber nicht hinreichend! http://www.whistleblower-net.de/content/view/212/1/lang,de/
4.8.2010 um 18:48
Torsten schreibt:
http://www.hintergrund.de/201008111074/hintergrund/medien/kooperation-mit-dem-pentagon-fragen-an-wikileaks.html
13.8.2010 um 14:33
gerd bergmann schreibt:
ich bin mal ganz ehrlich
Ich finde die angriffe auf amerika von irgendwelchem deutschem gutmenschentum
und linken spinnern langsam mehr als nervend. Es nervt zusehends das den USA immernoch der Irak und Afghanistan vorgehalten wird. Erstens der Irakkrieg ist vorbei und wurde nicht unter der Regierung Obamas begonnen. Desweiteren führt die BRD derzeit ebenfalls Krig um der reichen Rohstoffe wegen in Afghanistan.Ich sehe es genauso als albern an um die Verräter zu heulen die hoffentlich dafür bald hängen werden (ink.Assange) und damit ihre gerechte strafe erhalten. Desweiteren ist Amerika der Beschützer und Bewahrer der westlichen welt also somit auch Freund der deutschen somit sollten wir den USA endlich mal wieder ein wenig dankbarkeit und freunschaftlichkeit entgegen bringen. Wenn ich schon die Visage von Assange sehe wünsche ich mir Guantanamo zurück.Wikileaks ist Hochverrat übelster sorte bei dem die Aussenpolitik der Vereinigten Staaten blossgelegt und damit lahmgelegt wurde. Ich verachte diese Tat auf bitterste und verurteile sie.
7.12.2010 um 15:44
cervo schreibt:
@gerd bergmann
Uff, fast hättest du mich drangekriegt. Aber so ein Kommentar kann ja nur Satire sein.
7.12.2010 um 19:24
Akora schreibt:
Hahaha, Herr Bergmann,
dann nennen Sie mir doch mal ein einziges Gesetz, gegen das Wikileaks verstoßen hat.
Selbst Joe Lieberman hat da nichts zu bieten und spricht nur von “Bad Citizenship”.
Was Sie von “Hochverrat” reden ist völliger Unsinn.
Sie sind also dafür, dass man Menschen, ohne dass sie gegen Gesetze verstoßen, nach Guantanamo deportiert?
Dann hauen Sie doch ab nach China, in einer Demokratie haben Menschen wie Sie nichts zu suchen.
P.S.: Ich bringe Staaten keine Dankbarkeit entgegen, die Menschen auf der ganzen Welt ohne Gerichtsverhandlung und ohne rechtliche Grundlage foltern, verschleppen und ermorden.
7.12.2010 um 19:27
Rolf Schälike schreibt:
akora: dann nennen Sie mir doch mal ein einziges Gesetz, gegen das Wikileaks verstoßen hat.
Gegen Gesetze braucht man ncht zu verstoßen, denn entscheidend ist die Rechtsprechung. Die Rechtsprechung kann sich jedes Gesetz so hinbiegen, wie das gerade nötig und machbar ist.
Konkret könnte man Wikileaks, der Presse und allen anderen, die die Depeschen veröffentlichen, mit dem Persönlichkeitsrecht pribeter leute, von Unternehmen nd von Behörden kommen.
Punktuell werden kleine Ungenauigkeiten, Fehler, falsche Zitate, unwahre Tatsachen, Mehrdeutigkeiten, welche einen falschen Eindruck erwecken, herausgesucht, und Wikileaks sowe alle anderen können mächtig zur Kasse gebeten, d.h. kaputt geklagt werden.
Die Daten von Wikileaks sind keine Daten einer priviligierten Quelle. Die Presse und alle anderen haben nachzurecherchieren. Tun sie das nicht, so kann es teuer werden. Was ausreichende Recherche ist, entscheuiden die Zensurrichter.
Beim Richter Buske und Schulz aus Hamburg, beim Richter Mauck aus Berlin und bei enigen anderen Zensurrichtern in ganz Deutschland gibt es hundertprozentige Chancen zu obsiegen mit dem neuen Geschäftsfeld Wikileaks.
8.12.2010 um 13:40