Blog von Peter Piksa

Die Definition von Netzneutralität

13.9.2010, 19:42 Uhr

Heute war die fünfte öffentliche Sitzung der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft. Zum Schluß dieser Veranstaltung fiel der Hinweis, dass am 4. Oktober eine öffentliche Anhörung stattfindet. Jimmy Schulz wies mich freundlicher Weise darauf hin, dass der Bürger, der im Rahmen der Kommission als 18. Sachverständiger gesehen wird, im Forum seine Beteiligung führen kann. Zum Thema »Netzneutralität« habe ich dort heute einen Beitrag gepostet. Nachfolgend das Crossposting.

Ich definiere Netzneutralität wie folgt:

Netzneutralität ist der von ökonomischen und/oder politischen Erwägungen unabhängige und somit diskriminierungsfreie Wettbewerb von Datenpaketen um die zur Verfügung stehende Bandbreite.

Um das etwas mit Leben zu füllen, folgendes Beispiel:
Stellen Sie sich vor, ein Musiklabel würde im Rahmen einer Werbeaktion alle Musikstücke, die älter als 1990 sind, als Download der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Es wäre anzunehmen, dass viele Interessierte auf dieses Angebot zugreifen und entsprechende Last auf den Leitungen der Provider erzeugen würden. Würden die Provider nun sagen

“Hör mal liebes Musiklabel. So geht das aber nicht! Du erzeugst mit Deinem Angebot so viel Traffic, dass unsere schöne Kalkulation jetzt nicht mehr aufgeht. Zahl uns jetzt mal eine Extragebühr, damit wir Deine Downloads weiterhin gestatten. Wäre doch schade, wenn Deinen Datenpaketen was passieren würde!”

dann wäre dies ein Bruch mit der Netzneutralität, weil bestimmte Datenpakete eben schlechter behandelt würden, als alle anderen.

Aus einer anderen Perspektive betrachtet:

  • Netzneutralität soll gewährleisten, dass die Datenpakete der Oppositions-Internetseite die gleichen Chancen auf Übertragung haben, wie die Datenpakete, die von der Regierungs-Internetseite kommen.
  • Netzneutralität soll gewährleisten, dass die Datenpakete meines neu gegründeten Unternehmens die gleichen Chancen auf Übertragung haben, wie die Datenpakete, die von meinem direkten Konkurrenten kommen.
  • Netzneutralität soll gewährleisten, dass niemand, der wahlweise viel Geld oder viel politische Einflussnahme hat, die Sendung (und somit zwangsläufig auch den Empfang) meiner Datenpakete in einer Art unterdrücken kann, dass meine Daten entweder verlangsamt oder gar nicht ankommen.

Netzneutralität ist bitte nicht zu verwechseln mit:

  • Quality of Service – QoS ist eine Methode um Traffic zu priorisieren. So stehen mir beispielsweise 10 Priorisierungsstufen zur Verfügung. Damit könnte ich in meinem Firmennetzwerk beispielsweise bestimmen, dass die Datenpakete meiner Warenwirtschafts-Software gegenüber firmeninternem Emailverkehr bevorzugter behandelt werden. Man könnte dies zum Beispiel festlegen wollen, wenn die gesamt zur Verfügung stehende Bandbreite schmerzlich knapp bemessen, und die Warenwirtschafts-Software bei entsprechender Auslastung des Netzwerks furchtbar langsam würde, was in der Buchhaltungsabteilung dann zu kostspieligen Fehlern führt. Quality of Service ist hauptsächlich in Firmennetzwerken genutzt. Generell nutzen es jedoch wenige Firmen. Obgleich die Funktionsweise von QoS, übertrüge man sie auf Provider, das Prinzip der Netzneutralität bräche, ist bisher in Firmennetzwerken nicht von Netzneutralität die Rede – dies ist dem Umstand geschuldet, dass in einem Firmennetzwerk kein gesellschaftliches Problem durch diese Art der Datenbehandlung geschieht.
  • Qualitätsklassen – Qualitätsklassen ist ein kürzlich von der Deutschen Telekom zu Felde geführter Begriff. Qualitätsklassen sollen es ermöglichen, die so genannten Qualitätsversprechen, also die faktische Andersbehandlung, überhaupt erst zu gewährleisten. Um Qualitätsklassen anzubieten, müsste ein Quality of Service, also das, was vereinzelt in Firmennetzwerken gemacht wird, auf Providerebene getan werden. Dies jedoch wäre ein Bruch mit der Netzneutralität.
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Interessiert an Bürgerrechten und Netzpolitik. In der IT-Branche tätig. Parteilos, zumindest was die Parteien anbelangt.

Ich mag süße Kätzchen sehr.
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