Blog von Peter Piksa

Die Schmutzkampagne zu »Tatort Internet«

11.10.2010, 18:10 Uhr

Normalerweise vermeide ich es, einen Link auf BILD Online zu setzen, doch als mich heute Morgen ein Kollege auf einen Artikel über Stephanie zu Guttenberg und ihr unsägliches neues TV-Format mit dem Titel »Tatort Internet« hinwies, las ich einen Text, der für den unbedarften Leser derart irrestiftend und verhetzend wirkt, dass ich ihn einfach mal kommentieren will.

Unter dem Titel »Kinderschänder beschimpfen Stephanie zu Guttenberg« behauptet BILD, dass irgendwelche Leute, vornehmlich Kinderschänder bei der Hotline von N.I.N.A. e.V. angerufen hätten, um die Mitarbeiter dort zu beschimpfen, gezielt die Anschlüsse zu blockieren oder Morddrohungen auszusprechen. Problematisch nur, dass man es als Außenstehender sehr schwer haben wird eine verlässliche Information über den Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu bekommen.

Ich war ja drauf und dran bei NINA anzurufen und zu fragen, ob sie dem Artikel bei BILD Online zustimmen, doch als ich dem Impressum von NINA entnommen habe, dass sie eng mit Innocence in Danger zusammenarbeiten, war mir klar, dass sich die Frage wohl erübrigen dürfte. Innocence in Danger nämlich, das wissen nur die wenigsten Menschen, ist eine der verlogenen Organisationen, die hinter dieser ekelhaften Reihe Tatort Internet stecken. Ich möchte euch an dieser Stelle nur die TV-Kritik von Stefan Niggemeier zur Pilotfolge von Tatort Internet auf Heise.de empfehlen. Das dürfte gerade für all jene, die die Sendung gesehen und total toll und informativ gefunden haben, so etwas wie eine kleine Offenbarung sein.

Wem das noch nicht reicht, der möge sich bitte auf Netzpolitik.org zu der Art und Weise belesen, wie der CDU- und regierungsnahe Sender ZDF der Chefin von Innocence in Danger und Moderatorin von Tatort Internet in Personalunion eine Grenzen der Peinlichkeit überschreitende Werbesendung mit Peter Hahne widmete – schaut euch ruhig auch mal die Videos an. Aber zurück zu der heutigen Aktion von BILD Online.

Die zu Guttenberg spielt sich da natürlich medienwirksam als Opfer auf und BILD Online spickt ihren Text mit lauter Hinweisen auf die neue “Doku”-Reihe Tatort Internet.

Und guck mal, was für ein ekliges Werbebanner sie dann unter dem Text zeigen. Da wo das Stoppschild zu sehen ist – meine feinfühlige Nase riecht ja sofort, dass es sich hier nur um den fauligen Geruch einer Propagandaaktion handeln kann, bei der erst mal kräftig emotionalisiert wird, um dann den Gedankenschluss mit dem Stoppschild aus den Internetsperren zu machen. Wir können uns alle noch daran erinnern, wie Ursula von der Leyen auf genau die gleiche perfide und verlogene Art und Weise den Deutschen das Lügenmärchen des Milliardenmarktes von dokumentiertem Kindesmissbrauch verkaufen wollte.

Ich kann nur schwer in Worte fassen, wie widerwärtig ich das finde. Aber die Sache geht noch weiter. BILD Online macht ja auch eine Gewinner/Verlierer-des-Tages-Seite. Und auf der Verlierer-Seite haben Sie heute die Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gepostet, wobei als Begründung genannt wird, sie würde sich dagegen verwehren Daten von Onlinekriminellen wie Kinderschändern zu speichern. Ausserdem widerspricht sie ja dem BKA. Hört ihr? Sie widerspricht dem BKA! Was erlaubt die sich eigentlich dem BKA zu widersprechen? Wo kommen wir denn da hin, wenn eine Justizministerin sich vom BKA ihren Text nicht diktieren lässt? Nein, also eine derart dekadente Form von Widerspruch einem Bundesamt gegenüber darf in unserer Gesellschaftsordnung kein Raum gewährt werden. Das grenzt ja an Demokratie! Wo kämen wir denn da überhaupt hin?

Und dann mündet die Begründung auch noch in einer Empfehlung an die Bundesjustizministerin.

BILD meint: „Tatort Internet“ gucken!

Einfach nur abstoßend, BILD! Ich kann wirklich nur jedem einzelnen von euch empfehlen, gegen diese Art der gezielten Desinformation in der Art vorzugehen, dass man mit möglichst vielen Menschen darüber spricht und die Verlogenheit hierbei aufdeckt.

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Interessiert an Bürgerrechten und Netzpolitik. In der IT-Branche tätig. Parteilos, zumindest was die Parteien anbelangt.

Ich mag süße Kätzchen sehr.
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4 Kommentare

  1. Wolf schreibt:

    Ich sehe auch gerade diese Sendung und schalte gleich ab, weil sie einfach grauenhaft schlecht ist.

    Diese Werbesendung dür diesen Guttenberg-Verein kann nur mit Schauspielern gedreht worden sein, ohne dass sich das gesamte Team für massive Rechtsverstöße verantworten muss.

    Es ist nämlich gesetzlich untersagt, ohne Wissen der Betroffenen heimliche Aufnahmen zu erstellen, weder als Ton- noch als Bildaufnahme. Da hilft auch kein nachträglich “erpresstes” Einverständnis der Betroffenen oder eine Verpixelung der heimlich aufgenommenen Aufnahmen. Die Straftat ist bereits vollendet als heimliche Aufnahme, ohne dieses vorher zwingend notwendige Einverständnis. Heimlich erstellte Aufnahmen dürfen nicht einmal als Beweis vor Gericht verwendet werden, ohne das Einverständnis der Betroffenen. Aus diesem Grunde müssen auch Standorte von Überwachungskameras gekennzeichnet sein, mit denen Einbrecher überführt werden.

    Damit sich die Produktionsgesellschaft der Guttenberg-Werbesendung nicht strafbar macht, mussten sie meiner Meinung nach alle angeblichen Liveszenen mit Schaupielern nachstellen.

    Dafür wird schon der Justiziar des Senders gesorgt haben. Wenn auch nur einer, der im Bild gezeigten vermeintlichen Täter verifiziert wird und aufgrund dieser Sendung seinen Arbeitsplatz verlieren würde, hat er gegenüber dem Team und dem Sender vollen Anspruch auf Entschädigung.

    Rechtlich sehr bedenklich ist auch die Animation zur Straftat, wie es diese “Journalistin” es wohl ständig praktiziert. Ein solches Vorgehen ist nicht einmal der Polizei erlaubt und deswegen vor Gericht nicht verwertbar.

    Oh, jetzt “greift sogar noch der sogenannte Sicherheitsmann ein”. Das ist bereits ein vollendeter Fall von Freiheitsberaubung. Hier müsste jetzt jeder Staatsanwalt tätig werden, falls einer diese Sendung sehen sollte. Er wäre sogar dazu verpflichtet, allein nach Kenntnisnahme dieser Szene.

    Das beweist umso deutlicher, dass die Sendung mit Schaupielern erstellt worden sein muss. Eine Werbesendung, die man nicht ernstnehmen kann.

    Mir tuts nur leid, um die echten Betroffenen und die Beamten, die sich mit den richtigen Fällen von Kindesmissbrauch beschäftigen und deren Arbeit hier vom Krawallfernsehen missbraucht wird. Das ist das Ekelhafte daran.

    11.10.2010 um 20:15

  2. zowie13 schreibt:

    Von dieser Sendung kann man halten was man will, aber eines muss ich sagen. Ich habe eine Sohn wenn sich irgendjemand an ihm vergreifen würde, würde ich zum Mörder werden.

    11.10.2010 um 20:27

  3. Peter Piksa schreibt:

    @Zowie13: So geht es möglicherweise jedem Vater und jeder Mutter. An der Stelle bleibt mir eigentlich nur zu sagen, dass diese Sendung ständig Werbung für Netzsperren macht oder die Vorratsdatenspeicherung fordert – Maßnahmen, die 82 Millionen Deutsche kriminalisieren, eine Zensur und Überwachung ermöglichen und zu allem Überfluss nicht einmal Schutz gegen sexuellen Missbrauch bieten.

    Das ist es ja, was an der Sendung auch schon Stefan Niggemeier in seinem Kommentar bei Heise kritisiert hat. Lass Dich als Vater oder Mutter von dieser irren Sendung nicht verrückt machen.

    11.10.2010 um 20:33

  4. es reicht schreibt:

    [...] die FR berichten über den intransparenten Umgang mit denVereinsfinanzen. Es gibt Berichte über Medienkampagnen, wenn man den Verein kritisiert oder seltsame Pressemitteilungen. Ich selbst habe auch schon einen [...]

    11.4.2012 um 12:47

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