Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, zu welchen Mitteln BILD greift, wenn es darum geht, Menschen, die ihnen nicht gefallen, in der Öffentlichkeit herabzusetzen.
Erinnert ihr euch noch an meinen Artikel »Die Schmutzkampagne zu Tatort Internet«, in der ich beschrieb, wie BILD die Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als Verliererin des Tages hinstellte, weil die sich gegen die Vorratsdatenspeicherung aussprach und weil Stephanie zu Guttenberg mit ihrem “Tatort Internet” ja angeblich so viel Gutes über die Menschheit gebracht hat.
Nun, die gleiche Masche zieht BILD jetzt mit Burkhard Wilke vom Zentralinstitut für soziale Fragen ab. Was BILD ihrer Leserschaft jedoch nicht verrät, ist die Tatsache, weshalb man Herrn Wilke nun öffentlich schlechtzumachen gedenkt.
Keine Auskunft gibt der Verein etwa zu Fragen nach der Höhe der Spendeneinnahmen, der Zahl der Mitarbeiter, der Mittelverwendung und den Verwaltungskosten. Bei seriösen Organisationen, die derart um Spenden werben, erwarte man eine Offenlegung der Finanzen, sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), welches das Spendensiegel vergibt (siehe Interview). Innocence in Danger hat weder das DZI-Gütesiegel noch einen öffentlichen Finanzbericht.
Weiter heisst es in dem Artikel:
“Dieser Verein [Innocence in Danger] lenkt von den wichtigen Problemen ab”, kritisiert Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds. “Ich wüsste nicht, dass die eine einzige Beratungsstelle oder ein Kinderhaus hätten.”
Aber für BILD ist jeder, der sich nicht kritiklos den Machenschaften von Innocence in Danger beugt, zum Abschuss freigegeben, dessen Ansehen wird öffentlich beschmutzt:
Für mich steht der wahre Verlierer jedenfalls fest: Nicht etwa Burkhard Wilke, dafür aber eine Zeitung, die es nicht lassen kann, ständig ihr unliebsame Menschen in den Dreck zu ziehen und ein Verein namens Inncence in Danger, der dieser Zeitung “Schutz” geniesst. Abstossend, das.
Nachtrag von 10.40 Uhr: In den Kommentaren wurde ich darauf hingewiesen, daß BILD “sehr gute Verhältnisse” zu »Ein Herz für Kinder« hat. Dieser Verein leidet erstaunlicher Weise an den gleichen Transparenzdefiziten, wie auch Innocence in Danger. Via Twitter erreichte mich ausserdem noch diese aufschlußreiche Lektüre aus dem BILDBlog mit dem Titel »Ein Herz für Schmutzkampagnen«, die ich an dieser Stelle meinen Lesern gerne weiterempfehle.
Nur falls jemand den üblichen Riesen der IT-Branche Glauben schenkte, Security by Authority wäre ein geeigneter Weg, um die Sicherheit gegen Angriffe gleich welcher Art auch immer zu erhöhen – ist es nicht.
Microsoft musste jetzt (wobei ich nicht ausschließen kann, daß es in Vergangenheit bereits schon ein Mal passierte) lernen, daß ihr Modell der Treibersignierung aushebelbar ist. Heise hat dazu einen Artikel.
Die Treibersignierung soll eigentlich sicherstellen, dass Windows nur Treiber bekannter Hersteller lädt.
So schnell kann so ein Kartenhaus in sich zusammenfallen. :-)
Mit »Security by Authority« meine ich, daß man als Hersteller sogenannte Walled Gardens baut, anstatt gebührend Manpower ins Bullet-proofing der Software zu investieren. Den Begriff werdet ihr so nicht finden, ich habe mir das gerade ausgedacht, weil es dazu passt. Zum Thema »Walled Garden« hat Felix in Vergangenheit bereits etwas geschrieben.
Billboard.biz behauptet, sie wüssten, daß HADOPI täglich 25.000 Meldungen über “illegale Downloads” von der Rechteverwerterindustrie zugesteckt bekommt.
Am interessantesten an dem Artikel finde ich diesen Teil:
The impact of HADOPI on digital sales in France remains to be seen. “It is too early,” says El Sayegh, who is looking towards the end of 2010 for the first indications of how it has worked, and the end of the second half of 2011 for a more conclusive sales impact.
Mich wundert ja gerade, daß sie über “digital sales” sprechen. Hieß es nicht immer die bösen Raubkopierer würden den Abverkauf der physischen Tonträger beeinträchtigen?
Fest steht jedenfalls, daß sie es in Kauf nehmen, Menschen via Three-Strikes vom Internet abzukappen, ohne daß sie bisher einen Nachweis dafür erbringen können, daß Raubkopien den Abverkauf ihrer Tonträger beeinträchtigen. Ich gebe zu bedenken, es handelt sich hierbei um den Zugang zu Wissen und Information, zu sozialer Teilhabe und Teilhabe an demokratischer Willensbildung – das verbirgt sich heutzutage nämlich in einem unscheinbaren Internetzugang.
Im Übrigen ist der Begriff Raubkopie purer Unfug, der einzig dazu dient das Downloaden digitaler Informationen zu stigmatisieren. Das Neusprechblog erklärt euch das mal.
Nur falls jemand sich daran erinnern möchte, wer (unter anderem) Interesse an Netzsperren hat – hier noch ein Nachweis dafür, daß die Glückspielbranche da ganz vorne mit dabei ist:
In der Auseinandersetzung um den Fortbestand des Glücksspielmonopols hat der Präsident der Lotto-Gesellschaften der Bundesländer, Erwin Horak, den Staat scharf angriffen.
Und natürlich feuerte Horak auch gleich mal das Arsenal an Forderungen ab:
Um im Ausland ansässige Wettanbieter und deren Kunden in Deutschland zu stoppen schlug er vor, dass Internet zu blocken, Provider in die Pflicht zu nehmen, Zahlungsströme zu unterbinden und so Banküberweisungen an ausländische Anbieter zu verbieten: “Das alles wird nicht ernsthaft betrieben.”
Speichert euch das mal ab, falls euch jemand fragt, wer denn tatsächlich von Internetsperren profitiert. Falls euch jemand fragt, weshalb Internetsperren denn Begehrlichkeiten bei Vertretern von Partikularinteressen erzeugen, könnt ihr ebenfalls hierauf verweisen.
Bei der gesamten Diskussion ums Zugangserschwerungsgesetz, im Volksmund als »Internetsperren« bezeichnet, wird von den Sperrbefürwortern ja immer wieder betont, daß man Internetsperren ausschließlich zur Bekämpfung von dokumentiertem Kindesmissbrauch, im Volksmund als »Kinderpornographie« bezeichnet, einsetzen will.
Einer der zentralen Kritikpunkte an Internetsperren ist die Tatsache, daß man die zur Durchsetzung der Netzsperre notwendige Infrastruktur auch ganz hervorragend für andere Zwecke (nämlich Zensur) einsetzen könnte. Eine legitime Befürchtung, die vor allem nicht aus der Luft gegriffen ist, denn Beispiele sind vorhanden. So sprach sich im Mai dieses Jahres die Schleswig-Holsteinische Schwarz-Gelb-Regierung völlig ungeniert für den Einsatz von Netzsperren gegen die Glückspielbranche aus.
Einer der größten Befürworter von Internetsperren in Deutschland ist das Bundeskriminalamt, kurz BKA. Zwar wird es im Rahmen der allgemeinen Diskussion über Netzsperren oftmals so dargestellt, als würde geplant, Netzsperren einzig gegen dokumentierten Kindesmissbrauch einzusetzen, doch dem ist in Wahrheit nicht so. Wer glaubt, es herrsche unter den Netzsperrenbefürwortern der Konsens, Netzsperren einzig gegen dokumentierten Kindesmissbrauch einzusetzen, der irrt. Ich zeige euch jetzt einen Videomitschnitt einer Pressekonferenz des BKA vom 27.08.2008. Achtet in diesem Video bitte auf die Schlußbemerkung von Jörg Ziercke:
“In diese Diskussion, und das passt jetzt eigentlich nicht zu diesem Thema der Kinderpornografie, aber ich erwähne es trotzdem, ist ganz dringend auch die Sperrung von Webseiten mit fremdenfeindlichen und antisemitischen Inhalten im Internet einzubeziehen.”
Hier das Video:
Um jetzt noch ein wenig Kontext zu liefern, der es ermöglicht, diese Information besser einzuordnen: Das Video ist, wie bereits gesagt, von Ende August 2008 – ein Zeitpunkt zu dem das Thema Netzsperren gerade aufkam. Zum Zeitpunkt der Pressekonferenz war dem BKA und allen anderen Netzsperrenbefürwortern naturgemäß noch keine Kritik entgegengeschlagen – das Thema war ja gerade erst auf den Tisch gekommen.
Worauf ich hinaus will, ist folgendes: Das BKA selber sagte in Gestalt von Jörg Ziercke, daß es Netzsperren nicht nur gegen dokumentierten Kindesmissbrauch einsetzen will. Vor diesem Hintergrund sind alle nachfolgenden Behauptungen gleich welcher Institution auch immer zu sehen, in denen es heißt, man würde Netzsperren natürlich nur gegen dokumentierten Kindesmissbrauch einsetzen wollen.
Wer sich ein konkretes Bild davon machen möchte, wie viele und welche Politiker und Institutionen sich bereits dafür ausgesprochen haben, Netzsperren auch auf andere Bereiche auszuweiten, der klicke bitte auf Stoppseite.de – dort findet sich eine längliche Liste mit den entsprechenden Links zum Nachrecherchieren.