Blog von Peter Piksa

Wer Innocence in Danger kritisiert…

29.11.2010, 10:03 Uhr

Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, zu welchen Mitteln BILD greift, wenn es darum geht, Menschen, die ihnen nicht gefallen, in der Öffentlichkeit herabzusetzen.

Erinnert ihr euch noch an meinen Artikel »Die Schmutzkampagne zu Tatort Internet«, in der ich beschrieb, wie BILD die Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als Verliererin des Tages hinstellte, weil die sich gegen die Vorratsdatenspeicherung aussprach und weil Stephanie zu Guttenberg mit ihrem “Tatort Internet” ja angeblich so viel Gutes über die Menschheit gebracht hat.

Nun, die gleiche Masche zieht BILD jetzt mit Burkhard Wilke vom Zentralinstitut für soziale Fragen ab. Was BILD ihrer Leserschaft jedoch nicht verrät, ist die Tatsache, weshalb man Herrn Wilke nun öffentlich schlechtzumachen gedenkt.

Erhellung verschafft ein Blick in den Artikel »Undurchsichtige Finanzen, dubiose Methoden« bei der Berliner Zeitung. Dort heisst es:

Keine Auskunft gibt der Verein etwa zu Fragen nach der Höhe der Spendeneinnahmen, der Zahl der Mitarbeiter, der Mittelverwendung und den Verwaltungskosten. Bei seriösen Organisationen, die derart um Spenden werben, erwarte man eine Offenlegung der Finanzen, sagt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), welches das Spendensiegel vergibt (siehe Interview). Innocence in Danger hat weder das DZI-Gütesiegel noch einen öffentlichen Finanzbericht.

Weiter heisst es in dem Artikel:

“Dieser Verein [Innocence in Danger] lenkt von den wichtigen Problemen ab”, kritisiert Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds. “Ich wüsste nicht, dass die eine einzige Beratungsstelle oder ein Kinderhaus hätten.”

Aber für BILD ist jeder, der sich nicht kritiklos den Machenschaften von Innocence in Danger beugt, zum Abschuss freigegeben, dessen Ansehen wird öffentlich beschmutzt:

Für mich steht der wahre Verlierer jedenfalls fest: Nicht etwa Burkhard Wilke, dafür aber eine Zeitung, die es nicht lassen kann, ständig ihr unliebsame Menschen in den Dreck zu ziehen und ein Verein namens Inncence in Danger, der dieser Zeitung “Schutz” geniesst. Abstossend, das.

Nachtrag von 10.40 Uhr: In den Kommentaren wurde ich darauf hingewiesen, daß BILD “sehr gute Verhältnisse” zu »Ein Herz für Kinder« hat. Dieser Verein leidet erstaunlicher Weise an den gleichen Transparenzdefiziten, wie auch Innocence in Danger. Via Twitter erreichte mich ausserdem noch diese aufschlußreiche Lektüre aus dem BILDBlog mit dem Titel »Ein Herz für Schmutzkampagnen«, die ich an dieser Stelle meinen Lesern gerne weiterempfehle.

Mit Dank an die Hinweisgeber.

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Interessiert an Bürgerrechten und Netzpolitik. In der IT-Branche tätig. Parteilos, zumindest was die Parteien anbelangt.

Ich mag süße Kätzchen sehr.
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13 Kommentare

  1. Lars schreibt:

    Kleiner Hinweis: Bild hat auch einen Verein, der soweit ich weiß, mit dem DZI nicht gut kann: Ein Herz für Kinder.

    29.11.2010 um 10:22

  2. NargilemPoker schreibt:

    Genauso kennen wir sie. “Unsere” Bildzeitung. Den angesprochenen Artikel kann ich nur empfehlen. Habe ihn selbst gestern gelesen und fand ihn echt bemerkenswert.

    mfg

    29.11.2010 um 10:33

  3. Jörg Stratmann schreibt:

    Nett auch die Formulierung, die suggeriert, dass Herr Wilke persönlich 10.000€ pro Siegel erhält.

    29.11.2010 um 10:34

  4. Barry schreibt:

    Also mal ehrlich… Bild ist Bild und nicht ein Bild von einem der grossen Meister. Wer darüber nicht im Bilde ist, sollte sie weder lesen noch beachte. Denn der einzige Nutzen, den der so oft verrufene Axel Springen Verlag, aus dem ganzen zieht ist Kontrolle. Wer dieses Schundblatt meidet entzieht sich auch dessen Kontrolle… Leider lässt sich der Grossteil der öffentlichen Meinung und ihrer Mehrheit von reißerischen Themen und Hetzschriften leiten.
    LG
    33

    29.11.2010 um 10:46

  5. Rainer schreibt:

    Da fiel mir sofort ein: Heute Morgen beim Bäcker: “Eine Bild und eine BZ bitte”. Deprimierend!

    29.11.2010 um 11:13

  6. Dominic Herzberg schreibt:

    Hier gibt es ein paar Hintergründe zu den kosten bei einer Beantragung des Spendensiegels. Spatzennest hat auch keinen Antrag gestellt aber offen gelegt warum und ihr Anfrage dokumentiert.

    http://www.spatzennest-aids-hilfe.de/5048579a4d0882001/index.html

    29.11.2010 um 11:40

  7. bonzibuddy schreibt:

    über das seltsame gebaren der bild in der gewinner-verlierer-liste hatte ich auch im juni 2009 gebloggt:

    http://saftstachel.de/netzgeschichten/die-bild-hats-einfach-nicht-begriffen/

    hier putzte die bild björn böhning von der spd-linken als verlierer herunter weil er das kipo-sperrgesetz zu fall bringen will und lobte sieben tage später frau von der leyen für ihre frauenpower im “kampf gegen kipo”…
    bild ist eben nur meinungsmache und keine brauchbare information.

    29.11.2010 um 12:01

  8. seppini (ja ich vermumme mich) schreibt:

    es wurde ja schon mal versucht diese zeitung zu stürzen, vielleicht ist es wieder so weit, dass man es versuchen sollte, um den durchschnitts dummdödel der dieses käufliche propaganda blatt liest wach zurütteln was für einen schund er da gekauft und unterstützt hat.

    29.11.2010 um 13:55

  9. Tim schreibt:

    Aber der Axel Springer Verlag hat kein Problem damit, seinen beauftragten Wirtschaftsprüfern ein vielfaches an Honorar zu zahlen. Nichts anderes macht das DZI. Es prüft die Abrechung und Verwendung der Soendengelder.

    29.11.2010 um 15:06

  10. Brett schreibt:

    Der Springer-Verlag ist die strategische Kommunikationswaffe der CDU-FDP-Regierung. Da sich die bürgerliche Rechte im Meinungsgerangel immer etwas zu kurz gekommen vorkommt, weiß der Himmel wieso, geht sie da, wo sie die Leute dafür hat, mit enorm spitz ausgefahrenen Ellenbogen vor. In diesem konkreten Fall kann man nur vermuten, welche mehrteiligen Schachzüge da eigentlich geplant sind. Aber es geht sicherlich um mehr als um die lächerliche Sendung. Möglicherweise geht es auch um die Abwehr von genau dem, was hier eingefordert wird: Transparenz. Das Internet als Instanz, wo den Ränkespielen und Geheimnissen die Decke weggezogen wird und wo Meinungen frei von Döpfners und Friede Springers/Merkels Gnaden geäußert werden können, dieses Internet quält die manipulative Politik genauso wie die manipulative Medienlandschaft.
    Erschreckend ist aber nicht die Meinung des Verlags, sondern diese Mischung aus verbogener und gelogener Darstellung der Tatsachen und einer Haltung, die im Kern nicht anders als brutal bezeichnet werden kann. Und das, liebe wackere CDUler, müsst ihr euch dann leider auch zurechnen lassen. Man kann nur hoffen, dass uns hier nicht eine Entwicklung blüht wie in den USA, wo man auf republikanischer Seite praktisch von Jahr zu Jahr tiefer sinkt, bis zu dem Punkt, wo man eine hohle Fassade wie Palin zu einer Welt-Politikerin aufbaut und schließlich ein Komiker so verzweifelt über den Zustand der Medien ist, dass er eine Demo für die geistige Gesundheit der Nation veranstaltet. Fehlt nicht mehr viel, und wir könnten so etwas auch brauchen.

    29.11.2010 um 17:06

  11. Dennis Sulzmann schreibt:

    Sie haben Recht, hier handelt es sich um eine Medienkampagne. Sogar gleich um zwei. Der Weg, den “Innocence in Danger” gewählt hat, ist der Weg der modernen, effektiven Öffentlichkeitsarbeit. Niemand hört mehr auf die flache, langweilige, unauffällige Zeigefinger-Rhetorik der traditionellen Kinderschutzvereine. Wer das Thema in die Öffentlichkeit transportieren und Problembewusstsein schaffen will, muss zu Mitteln der Medienarbeit und der politischen Einflussnahme greifen. Dass viele Menschen das nicht verstehen und dass diese deutliche Kommunikation Gegenkampagnen in den Medien provoziert, ist verständlich.

    http://www.medientrainerblog.de/2010/11/innocence-in-danger-angriff-ist-die-beste-verteidigung.html

    30.11.2010 um 13:50

  12. Politikpromi 2010 schreibt:

    [...] und ein Verein unterstützt, den vorher niemand kannte und dessen Wirken in jeder Hinsicht umstritten ist. Und dennoch versammeln sich die Medien hinter der [...]

    30.12.2010 um 5:35

  13. es reicht schreibt:

    [...] über den intransparenten Umgang mit denVereinsfinanzen. Es gibt Berichte über Medienkampagnen, wenn man den Verein kritisiert oder seltsame Pressemitteilungen. Ich selbst habe auch schon einen Artikel dazu [...]

    11.4.2012 um 12:47

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