Der Papst hat im Bundestag nichts verloren!
Vom Kölner Stadtanzeiger habe ich von einer baldigen Rede des Papstes im Bundestag erfahren. Daß der Papst überhaupt die Möglichkeit zu einer Rede im Bundestag erhält, zeigt nur, daß einige den Sinn und Zweck der Säkularisierung offenbar nicht so ganz beherzigen.
Das hat auch nichts mit Toleranz zu tun. Mir ist bisweilen nämlich auch nicht zu Ohren gekommen, daß ein Oberhaupt einer anderen Religion vor dem Bundestag sprechen durfte und selbst wenn dies bereits vorgekommen wäre, oder in Zukunft vorkommen sollte, fände ich dies ebenfalls der Ablehnung würdig.
Anstatt Reden vor dem Bundestag und und damit vor dem deutschen Volk zu halten, sollte der Papst vornehmlich Sorge tragen, die Probleme in seiner schwulenfeindlichen religiösen Parallelgesellschaft zu lösen, die bisweilen Strukturen zu Tage förderte, die vielfachen Kindesmissbrauch begünstigten.
Natürlich könnte man den Papstbesuch im Bundestag auch als den eines Staatsoberhauptes verargumentieren, aber laut Wikipedia hatte der Vatikanstaat Mitte 2008 gerade einmal 932 Einwohner, insofern disqualifiziert sich das in meinen Augen schon von vorne herein.
Ich finde es befremdlich, daß es in diesem Land Menschen gibt, die Ängste davor schüren, daß Moslems einen religiösen Gottesstaat aus Deutschland machen, während es noch nicht lange her ist, daß Edmund Stoiber in Bayern Gotteslästerung per Gesetz unter Strafe stellen wollte.
Augenscheinlich ist es in einer säkularisierten Gesellschaft auch überhaupt kein Problem, das religiöse Oberhaupt einer Glaubensrichtung zu einer Rede in den Bundestag einzuladen. Ich frage mich, zu welchen Reaktionen es wohl käme, würde man statt Papst Benedikt ein religiöses Oberhaupt der Moslems einladen.
Es geht mir noch nicht einmal darum, daß er das Oberhaupt der Christen ist. Ich wäre genauso dagegen, wenn wir das Oberhaupt der Moslems einlüden. Ich sehe einfach keine Rechtfertigung, das Oberhaupt irgendeiner Glaubensrichtung für eine Rede in den Bundestag einzuladen.
Allein schon die bloße Tatsache, daß das ein religiöses Oberhaupt eingeladen wird, verleiht seinem Besuch das Flair eines
“Wir finden es schon wünschenswert, wenn diese Person ihr religiöses Weltbild vor uns ausbreitet”.
Entschuldigung, ich sehe das anders!
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Sabine Engelhardt schreibt:
Volle Zustimmung. Stattdessen sollte vielleicht mal hin und wieder ein ganz normaler Staatsbürger eine Rede vor dem Parlament halten dürfen. Einfach mal so als regelmäßiger Realitätsabgleich.
Gruß, Frosch
18.12.2010 um 22:48
Alexander schreibt:
Soso, weil der Vatikan nur 932 Einwohner hat, ist er Deiner Meinung nach kein Staat?
Nun.
Mag ja Deine Meinung sein. Die Weltgemeinschaft sieht’s anders. Der Vatikan IST ein anerkannter Staat.
Ich finde es vollkommen befremdlich, anderen Staatsoberhäuptern abzusprechen, auf Einladung im Bundestag sprechen zu dürfen.
19.12.2010 um 12:08
Tannador schreibt:
Was soll die Aufregung? Eine Rede vor dem Bundestag hat doch nichts mit Desäkularisierung zu tun. Ein Demokrat muss damit leben können, gerade weil die große Mehrheit des Volkes christlich ist. Eine Rede wird keinen Kirchenstaat entstehen lassen.
Es hat sehr wohl mit Toleranz zu tun; die scheint Dir zu fehlen. Insgesamt halte ich Deine Einstellung demokratiefeindlicher als die Entscheidung ihn reden zu lassen.
Ich finde der Papst ist eine Lachnummer, aber ich respektiere die Wünsche der Mehrheit hier, weil Sie keine Rechte anderer beschneiden. Du scheinst mir Säkularität zur Religion zu erheben ;-)
19.12.2010 um 14:32
Frank schreibt:
Alexander und Tannador ist nichts mehr hinzuzufügen. Der Papst ist nun mal das Staatsoberhaupt des Vatikanstaats und auch als solches offiziell eingeladen. Da ist es egal, wie viele Einwohner der Staat hat. Deine Einstellung ist leider nicht sehr demokratisch.
19.12.2010 um 21:57
Peter Piksa schreibt:
@Frank: Der Kern meiner Kritik richtet sich darauf, daß der Bundestag ein von seiner Weltanschauung her neutraler Ort ist, der Papst als religiöses Oberhaupt der katholischen Kirche aber nicht neutral ist. Ich argumentiere im Kern mit der Trennung zwischen Kirche und Staat – die Erwähnung des Vatikanstaates ist nur eine Randnotiz.
Du schreibst, der Papst sei als Staatsoberhaupt eingeladen. Woher nimmst Du dieses Wissen? Bisweilen habe ich keine Information darüber finden können, ob der Papst als Kirchen- oder als Staatsoberhaupt eingeladen wurde. Wenn Dir da etwas konkretes bekannt ist, poste bitte mal den Link!
Der Vorwurf fehlenden Demokratieverständnisses ist unangebracht. Dächte man diesen Vorwurf weiter, liesse sich jeder, der die Trennung zwischen Kirche und Staat wahren möchte, als demokratiefeindlich bezeichnen. Ist demokratiefeindlich wer die Trennung zwischen Kirche und Staat gewahrt sehen möchte? Die Frage ist rhetorisch.
19.12.2010 um 22:28
Tannador schreibt:
Die Trennung von Staat und Kirche ist nicht gleichzusetzen mit einem Redeverbot für religiöse Führer. Der Papst beschließt kein Gesetz und ernennt auch keinen Kanzler. Er erzählt nur ein paar Geschichten, welche Abtreibung vielleicht verdammen aber nicht verbieten können.
Zu behaupten die Papstrede würde die Säkularität angreifen, ist billiger Populismus.
19.12.2010 um 22:40
Hans S schreibt:
Die vorgebrachten Argumente sind nachvollziebar. Es gibt Vor- und Nachteile.
Der Papst ist das Staatsoberhaupt von Rom, aber seine Rede wird religösen Inhalt haben. Dennoch wird er keinen politischen Einfluss nehmen.
Die ganze Veranstalltung wird eher einen Charakter einer Weihnachtsfeier mit besonderem Gast haben.
Und hinterher wird man tuscheln, “Oh das hat aber der Papst schön gesagt.”
Vielleicht besteht aber die geringe Gefahr, dass auch andere an das Rednerpult eingeladen werden, die dort im Grunde nichts zu suchen haben. Der Schritt von der LKW-Maut zur PKW-Maut ist auch klein. Dennoch soll der Mann reden; in zwei Wochen wird man alles vergessen haben.
20.12.2010 um 9:57
Frank schreibt:
>Du schreibst, der Papst sei als Staatsoberhaupt eingeladen. Woher nimmst Du dieses Wissen?
Oh Wunder, aus den Nachrichten:
http://www.tagesschau.de/inland/papst972.html
BTW: Wer Angst vor der Rede eines Papstes im Bundestag hat, muss ein ziemlich armseliges Verständnis von Demokratie haben.
29.12.2010 um 15:00
Peter Piksa schreibt:
@Frank: Wenn ich mal in den Link hineinschaue, den du gepostet hast, dann enthält der zwei widersprüchliche Aussagen.
Unten im Text heisst es “Es handelt sich um den ersten offiziellen Besuch des katholischen Kirchenoberhaupts in seiner Heimat.” – also wird hier die religiöse Rolle benannt.
In der Bildunterschrift jedoch heisst es jedoch: “Es ist sein erster offizieller Staatsbesuch in seinem Heimatland.”
Also jetzt mal beim besten Willen: Selektiv zu lesen und sich nur das rauszupicken, was die eigene Argumentation stützt ist in der Tat leichter als Dissens zu verarbeiten.
Und übrigens: Den Vorwurf mangelnden Demokratieverständnisses hast Du bereits gebracht, und darauf habe ich Dir auch etwas angemessenes entgegnet. Nur habe ich dann darauf von Dir nichts Weiteres mehr gehört, als jetzt den erneuten Vorwurf ich hätte ein mangelndes Demokratieverständnis.
Ich bin von Dir eigentlich reflektierteres gewohnt. Mein Gesichtsaudruck.
29.12.2010 um 15:12
Thomas Böttger schreibt:
Der Papst ist NICHT das Oberhaupt der Christen. Zu den
Christen gehören Lutheraner, Unierte, Reformierte, zahlreiche Freikirchen usw.. – die fänden es nicht ganz so stoll, wenn der Papst als ihr Oberhaupt gelten würde.
Der Papst ist AUSSCHLIEßLICH das Oberhaupt der Katholiken.
20.9.2011 um 7:14