Januar 13th, 2011
Ich reibe mich in letzter Zeit immer öfter an den Verlautbarungen unserer Innenminister der Länder sowie unseres Bundesinnenministers Thomas de Maizière, wenn sie in Interviews eine angeblich existierende Bedrohungslage bedingt durch potenzielle islamistische Terroristen behaupten.
Diese unsägliche Angstmacherei richtete inzwischen spürbaren Schaden an unserer Gesellschaft an, der hätte vermieden werden können. Beispiele:
November 2010: Dominic Herzberg, ein ganz normaler Bürger aus Berlin, macht ziemlich unangenehme Bekanntschaft mit völlig irrational verängstigten Menschen in einem Kaufhaus, als er arabische Musik hörte und man ihn deswegen gleich für einen potenziellen Terroristen hielt.
Dezember 2010: Eine Bahn stand vier Stunden lang still und einige der in ihr befindlichen Fahrgäste gerieten gleich in Panik, weil sie befürchteten, es würde sich um einen Terroranschlag handeln und daß sie zeitnah sterben müssten.
Januar 2011: Der Fall eines 21jährigen Schülers aus Garbsen, der von seiner Lehrerin aufgrund eines Aufsatzes, den er schrieb, bei der Polizei angezeigt wurde, weil diese befürchtete, ihr Schüler wäre Mitglied einer islamistisch-terroristischen Vereinigung zu sein.
Mai 2011: In Freiburg wurde ein ICE ausserplanmäßig gestoppt, evakuiert und von der Bundespolizei auf Sprengstoff untersucht, weil im Bordbistro eine CD mit der Aufschrift “Allah wird uns alle töten” gefunden wurde. Gefunden wurde erwartungsgemäß nichts. Nach vier Stunden konnte der Zug weiterfahren. 250 Reisende waren von der Aktion betroffen.
Mai 2011: In den USA hat der Pilot einer Atlantic Southeast-Maschine zwei Imame in traditioneller Kleidung nicht mitfliegen lassen, weil andere Passagiere die gänzlich irrationale Beschuldigung vorbrachten, die beiden Imame hätten terroristische Absichten. Daß die beiden Imame gleich zweifach die Sicherheitskontrollen passierten, interessierte niemanden.
Januar 12th, 2011
Ich halte von der Idee des »digitalen Radiergummis« gar nichts.
Meine Meinung ist auch unabhängig davon, wie günstig der Radiergummi sein möge, denn ich lehne die Gesamtkonstruktion ab. Die zu Grunde liegende Technologie ist nichts anderes als ein »Digital Rights Management« und daher greifen auch die entsprechenden Kritikpunkte.
Im Internet sollten offene Standards verbreitet werden und unsere Bundesregierung täte gut darin, sich von Standards zu entfernen, die gänzlich in den Händen einer oder weniger Firmen liegen.
Daß Frau Aigner hier den Vorschlag von Thomas de Maizière aufgreift (er stellte die Idee des digitalen Radiergummis bereits Mitte 2010 bei seiner Grundsatzrede zur künftigen Internetpolitik vor!) lässt vermuten, daß hier schon von langer Hand mal wieder Wirtschaftsförderung betrieben wurde.
Mir graust es vor der Vorstellung, daß die Verfügbarkeit von Informationen im Internet künftig davon abhängig ist, wer an einem bestimmten System wie dem digitalen Radiergummi teilnimmt. Information muss mit dem niedrigstmöglichen Aufwand abrufbar sein. Da ist es nicht akzeptabel, einen sogenannten »Walled Garden« zu schaffen.
Ich sehe schon die Politiker ihre unbequem gewordenen Aussagen wieder “ausradieren”, nachdem man sie damit konfrontiert “vor der Wahl haben Sie aber etwas ganz anderes ins Internet geschrieben!”.
Man halte sich bitte vor Augen, welch ungeheure Macht über Informationsfluss solch ein System seinem Besitzer verleiht. Und mit »Besitzer« meine ich nicht die Privatperson, die eines ihrer Urlaubsbilder mit einem Ablaufdatum versieht, sondern den Betreiber des Systems, welches dem Radiergummi zu Grunde liegt.
Die Tatsache, daß ein Deutsches Ministerium ganz offen und ungeniert ein Produkt eines Unternehmens propagiert, anstatt für offene, herstellerunabhängige Standards einzutreten, dokumentiert in meinen Augen ein offensichtlich mangelhaftes Unverständnis über das Internet.
Niemand, ausser vielleicht einiger Profiteure aus der Privatwirtschaft, braucht einen digitalen Radiergummi. Solche Projekte steigern allenfalls mein Bedürfnis nach gänzlich anderen Mitteln.
Januar 2nd, 2011
Nachdem es zur Jahreswende 2010/2011 in Ägypten zu Ausschreitungen kam, kursierte im Internet dieses Foto:

Natürlich vermag der junge Mann mit seinem “Gegenstand” nicht viel auszurichten, deswegen präsentierte jemand unbekanntes einen Vorschlag, wie man es bei Randalen künftig richtig macht:
