Februar 26th, 2011

Wie bei Frank Rieger im Blog angekündigt, findet am heutigen Samstag auf dem Potsdamer Platz in Berlin eine Demo für den Rücktritt des gegenwärtigen Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg statt.
Inspiriert durch eine aus der arabischen Welt stammende Geste der Ablehnung, dem Zeigen der Schuhsohle nämlich, marschieren heute Demonstranten vom Potsdamer Platz bis hin zum Verteidigungsministerium und zeigen der Öffentlichkeit ihre Ablehnung dafür, daß der Plagiator zu Guttenberg weiterhin im Amt ist. Nachfolgend sammele ich einige Bilder von dieser Demo, die ich via Twitter gefunden habe.
Denkt dran: Die Demo dient dazu, Aufmerksamkeit zu erregen! Deshalb teilt den Link zu dieser Seite in den sozialen Netzwerken. Wenn ihr Twitter benutzt, könnt ihr zwecks Bekanntmachung auch gleich das hier retweeten. More
Februar 5th, 2011
Für meine gegenwärtige Wohnungssuche komme ich leider nicht darum herum, eine Auskunft über meine Bonität bzw. etwaige Schulden einzuholen – der Volksmund sagt hierzu »Schufaauskunft« weil die Schufa das bekannteste Unternehmen ist, welches derartige Auskünfte liefert.
Lässt man als zukünftiger Mieter seinen Vermieter die Schufaauskunft über sich einholen, stellt dieser einem meist rund 30€ in Rechnung. Dies kann man sich sparen, indem man sich diese Auskunft selbst einholt. Seit einiger Zeit sind Auskunfteien wie die Schufa dazu verpflichtet, jedem Anfragendem einmal im Jahr eine kostenlose Auskunft über ihn zu erteilen. Ich nahm von dieser Möglichkeit Gebrauch und dokumentiere meinen Schriftwechsel mit der Schufa, damit man mal sieht, wie man möglichst wenig von sich preisgibt und trotz der Hinhaltetaktik der Schufa seine Auskunft bekommt.
Zunächst forderte ich die Schufa wie Email dazu auf, mir eine Auskunft zu erteilen. Nachfolgend der Wortlaut besagter Email.
Sehr geehrte Damen und Herren,
legitimiert durch §34 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) bitte ich Sie, mir schriftlich bis zum 05.02.2011 zu folgenden Punkten Auskunft zu erteilen:
- Die bei Ihnen über mich gespeicherten personenbezogenen Daten,
- die Herkunft meiner Daten,
- den oder die Empfänger (bitte mit Namen und Adresse), an die Sie meine Daten übermittelt haben,
- meine aktuellen Wahrscheinlichkeitswerte (Scorewerte) und die zu meiner Person innerhalb der letzten zwölf Monate übermittelten Scorewerte,
- die individuelle und einzelfallbezogene Erklärung meiner Scorewerte.
Zur Verifikation erhalten Sie im Anhang dieser Email einen (gemäß den Empfehlungen des Bundesdatenschutzbeauftragten geschwärzten) Scan meines Personalausweises.
Mit Dank im Voraus
Peter Piksa
Anmerkung: Im Anhang dieser Mail übersandte ich der Schufa einen beidseitigen Scan meines Personalausweises, auf dem ich neben meinem Foto so ziemlich alles schwärzte, was der Schufa gar nicht zusteht, über mich zu wissen: Augenfarbe, Personalausweisnummer, Geburtsort, Größe und die Unterschrift wurden geschwärzt. (Gegebenenfalls hätte ich sogar die Ausstellungs- und Ablaufdaten des Ausweises schwärzen können. (Ich bin mir jedoch nicht sicher!))
Nach wenigen Tagen erhielt ich ein Schreiben (siehe Scan), was mich ziemlich wütend machte. Die Schufa erdreistete sich, mich dazu aufzufordern, ihr meine früheren Anschriften mitzuteilen – Zitat:
Diese Anschriften dienen der einwandfreien Identifizierung Ihrer Person. Eine eindeutige und damit sichere Zuordnung Ihrer Anfrage zu Ihren persönlichen Daten ist ohne Voranschriften nicht möglich. Diese Regelung dient dem Schutz Ihrer persönlichen Daten.
Der eine oder andere wird nicht nachvollziehen können, weshalb mich dieser Brief wütend machte. Es ist ganz einfach: Die Daseinsberechtigung der Schufa basiert darauf, daß sie persönliche Informationen über mich sammelt, diese in Korrelation zueinander setzt, dann bewertet und an Dritte (beispielsweise an künftige Vermieter) übermittelt. Ich persönlich werde nicht gefragt, ob es mir komfortabel ist, daß jemand Informationen über mich speichert und (ohne mein Wissen) an andere preisgibt. Ich werde vor allem auch nicht danach gefragt, ob ich bei diesem perfiden Spiel überhaupt mitspielen will – ich muss mitspielen, und zwar ob ich eine Wohnung haben möchte, oder nicht!
Wenn die Auskunfteien inzwischen also eine derart hohe “Akzeptanz” genießen, daß ein Vermieter einem seine Wohnung nicht gibt, wenn der Mieter keine Auskunft über sich erteilt, dann sollte zumindest sichergestellt sein, daß die Informationen, die die Auskunftei über mich zur Beurteilung meiner Bonität heranzieht, auch stimmen – denn würden diese nicht stimmen, könnte es schnell passieren, daß jemand aufgrund einer unrechtmäßig schlechten Beurteilung seiner Selbst eine Wohnung (oder einen Kredit, oder, oder, oder) nicht bekommt. Und das bloß, weil die Schufa basierend auf falschen Daten falsche Beurteilungen erstellt.
Nun schickt die Schufa mir also diesen Scheißbrief (entschuldigt bitte meine Wortwahl, aber eines gesitteteren Ausdrucks ist dieses Schreiben leider nicht würdig), in dem sie behaupten, sie könnten mich ja nicht zweifelsfrei identifizieren, und das, obgleich ich einen beidseitigen Scan meines Personalausweises mitgeschickt habe.
Hätte das Handeln der Schufa nur im Entferntesten etwas mit Logik zu tun, bedeutete dies, daß ein Polizeibeamter, der bei einer Verkehrskontrolle meine Identität feststellen will, mich künftig nach meinen früheren Wohnsitzen fragen müsste. Im Übrigen kennt die Schufa meinen ersten sowie zweiten Vornamen, meinen Familiennamen, meinen gegenwärtigen Wohnsitz und meinen Geburtstag. Sarkastische Spaßfrage an die Schufa (falls sie diesen Artikel lesen): Wie viele Peter Lukas Piksa, die gegenwärtig in Langenfeld wohnen und am xx.yy.zzzz zur Welt kamen, stehen eigentlich in Ihrer Datenbank?
Die Sache sieht wie folgt aus: Die Auskunfteien machen sogenanntes »Geoscoring«. Gebe ich an, in einer Gegend zu wohnen, in der arme, arbeitslose und verschuldete Menschen wohnen, so beurteilt die Schufa meine Bonität entsprechend geringer. Ich glaube die Denkweise, die dem zu Grunde liegt, ist in etwa diese:
“Wer es nötig hat, in solch einer schlechten Gegend zu wohnen, der muss ja zwangsläufig arm, arbeitslos oder verschuldet sein. So jemanden müssen wir pauschal schlechter bewerten!”
Das ist aber nur eine Vermutung meinerseits, es kann natürlich auch sein, daß ich mich irre. Wie dem auch sei: Ich war nicht bereit, der Schufa eine Auskunft über meine früheren Anschriften zu geben. Im Kern gibt es hierbei nämlich zwei Szenarien. Das erste Szenario, lautet, daß sie keine früheren Anschriften von mir besitzen. In diesem Fall würde ich deren Datenbank mit weiteren Informationen über mich füttern, was ich nicht will.
Das zweite Szenario lautet, daß sie zu mir eine meiner (mutmaßlich) früheren Anschriften sehr wohl besitzen (wovon ich schon beim Erhalt dieses Schreibens ausging, und was sich später auch bestätigte!), und ich die Qualität dieser Information aufwerten würde, indem ich sie auch noch verifiziere (Im Sinne von, “Ja, liebe Schufa, die frühere Anschrift, die ihr da über mich gespeichert habt, die stimmt tatsächlich!”) – auch hierzu bin ich nicht bereit.
Nach Erhalt der besagten Aufforderung zur Zusendung meiner früheren Anschriften, sendete ich der Schufa am 26. Januar eine zweite stocktrockene Mail mit folgendem Wortlaut:
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie Ihrerseits angefordert, übersende ich Ihnen anbei die angeforderten Daten in Form eines beidseitigen Scans meines Personalausweises mitsamt allen zur zweifelsfreien Identifikation meiner Person notwendigen Daten.
Mit Dank im Voraus
Peter Piksa
Anmerkung: Im Anhang dieser Mail übersendete ich gleichfalls stocktrocken den gleichen geschwärzten Scan meines Personalausweises, wie bereits bei der ersten Mail.
Heute, am 5. Februar (zufällig auch die Frist, die ich der Schufa für die Bearbeitung meiner Anfrage zugestand), erhielt ich die angeforderte Selbstauskunft, und das ohne, daß ich der Schufa meine vorherigen Anschriften nannte. Und erstaunlicher Weise geht aus der mir zugesandten Selbstauskunft hervor, daß die Schufa sehr wohl eine (mutmaßliche) vorherige Anschrift zu mir besitzt.
Ich verkneife es mir an dieser Stelle, niederzuschreiben, was ich im Angesichte des durchsichtigen Geschäftsgebarens der Schufa von selbiger halte. Wer zwischen den Zeilen lesen kann, wird sich seinen Teil denken.
Februar 1st, 2011
Bundesinnenminister Thomas de Maizière trat heute vor die Öffentlichkeit, um zu verkünden, daß mit dem 1. Februar eine
“Zurückführung der öffentlich wahrnehmbaren Präsenz”
der seit Monaten bestehenden Anti-Terror-Maßnahmen stattfindet. Gemeint sind bewaffnete Polizisten an Flughäfen und Bahnhöfen.
In einem Video, welches Spiegel Online zur Verfügung stellt, stellt Thomas de Maizière eine Behauptung auf, die, wie ich finde, an Frechheit gegenwärtig nur schwer zu überbieten ist. Wörtlich sagt er:
“Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, ob unsere Maßnahmen einen Anschlag verhindert haben. Eine gute Wirkung hatten Sie allemal.”
Vor etwas über zwei Wochen schrieb ich in meinem Artikel »Was die Angst vor dem Terror hervorbringt« Beispiele nieder, die das genaue Gegenteil von de Maizières Aussage belegen.
Es handelt sich drei Beispiele, die eindrucksvoll belegen, in welchem Maße die durch das Bundesinnenministerium heraufbeschworene irrationale Angst vor angeblich drohenden Akten des Terrors unsere Gesellschaft vergiftet.
Zusätzlich dazu sind mir drei Fälle bekannt, in denen aufgrund der unnötigen Polizeipatrouillen an Flughäfen konkret Menschenleben gefährdet wurden.
Datiert auf den 15. Dezember 2010 ist ein Bericht auf Focus Online, nach dem Passagiere des Münchener Flughafens nur knapp einem Unglück entkommen sind, als sich aus der Maschinenpistole eines Bundespolizisten versehentlich ein Schuß löste.
Aus einem auf den 1. Februar 2011 datierten Bericht der Rheinischen Post Online geht hervor, daß Ermittler der Bundespolizei am Düsseldorfer Flughafen zwei weitere Fälle bearbeiten, in denen sich ebenfalls Schüße aus Pistolen lösten. In einem dieser Fälle, schoß sich ein Polizist in den eigenen Oberschenkel.
Ich kann mir vor diesen Hintergründen selbst mit einigem Wohlwollen nicht erklären, worin Thomas de Maizière “eine gute Wirkung” seines Maßnahmenpakets sieht.