Blog von Peter Piksa

Wie eine Koalition aus Technologie- und Medienunternehmen unser Internet zu einem sicheren Ort für Kinder machen will

3.3.2012, 10:50 Uhr

Unter der Leitung von EU-Vizepräsidentin Neelie Kroes betreibt die EU-Kommission eine “Digitale Agenda”, deren Inhalt das Internet und Digitalisierungspolitik im Allgemeinen sind. Unter dem Banner der Digital Agenda konstituierte sich eine Arbeitsgruppe, die sich der Bekämpfung von Kindesmissbrauchsdarstellungen im Internet widmet, ihr Name:

Coalition of top tech & media companies to make [the] internet [a] better place for our kids“.

Mitglieder sind unter anderem solch ausschließlich am Wohlergehen der Allgemeinheit interessierte Unternehmen wie die Datenfresser und Privatsphärevernichter Facebook und Google. Nebst erklärten Gegnern von Netzneutralität wie der Deutschen Telekom und dem willfährigen Internetzensurgehilfen Vodafone befinden sich noch weitere Provider mit an Bord. Abgerundet wird diese illustre Runde durch die Teilnahme des Blackberry-Herstellers RIM, der bekanntlich repressiven Regierungen zwecks Ausspähung Zugriff auf die Gesprächs- und Datenleitungen seiner Kunden gewährt. Darüber hinaus sitzt mit Microsoft der weltweit schärfste Verfechter von OpenSource (Achtung, Ironie!) mit am Beratungstisch. Und um das Bild perfekt zu machen, darf Apple nicht fehlen. Apple ist ein Unternehmen, welches es für angemessen hält, seinen Kunden den Zugriff auf aus Apples Sicht “anstößige” Inhalte zu verbieten. Wenn es also eine Handvoll Unternehmen gibt, denen man vertrauensvoll Zensur- und Filtertechnologie an die Hand geben kann, dann sicherlich Unternehmen wie die zuvor genannten.

So viel zur Einordnung der betreffenden Akteure, die sich auf die Fahne geschrieben haben, das Internet zu einem besseren Ort für unsere Kinder zu machen.

Von einer Sitzung dieser Koalition wurde nun durch den Blogger Fefe ein Gesprächsmitschnitt verlinkt, der es Interessierten ermöglicht, sich einen Eindruck davon zu machen, mit welcher Geisteshaltung diese “Koalition der Willigen” sich anschickt, unter dem Prätext der Bekämpfung von Kindesmissbrauchsdarstellung Zensur- und Filtertechnologien zu propagieren.

Ich habe mir die nun veröffentlichte Sitzung angehört und für die interessierte Öffentlichkeit meine persönlichen Highlights jeweils mit Zeitmarke herausgearbeitet.

0:14:30 – Eine Dame von Nintendo lobte im Vorfeld ein aus Japan stammendes Verfahren, bei dem “vertrauenswürdige” Seiten klassifiziert werden und bei dem auf Computern ein Filterprogramm läuft, was demjenigen, der es dort installiert hat, erlaubt, Zugriffe auf Seiten, die nicht “vertrauenswürdig” sind, zu sperren. Die Dame von Nintendo lobt dieses Verfahren in höchsten Tönen. Daraufhin stellt Christian Bahls von Mogis der Dame von Nintendo ein Szenario vor, in dem ein Kindesmissbraucher seinem Kind den Zugang zu Seiten, die das Thema “Kinderrechte” zum Thema haben, verwehren könnte. Auf das Problem angesprochen weiß die Dame sich nicht wirklich zu helfen und stammelt sich förmlich einen zu Recht. Allem ganz offensichtlichen Missbrauchspotenzial zum Trotz versteigt die Dame sich bei 0:16:30 zu der glorreichen Aussage

“I think this is useful”.

0:31:00 – Hier geht es um die Frage, wie man bereits bekannte Kindesmissbrauchsdarstellungen im Netz detektiert. An dieser Stelle kommt ein männlicher Vertreter von Microsoft ins Spiel. Microsoft arbeitet mit einer Technologie namens photoDNA. Bei 0:40:30 wird Microsoft auf Privacy-Aspekte angesprochen, die mit solch einer Lösung einhergehen (es handelt sich bei photoDNA nämlich faktisch um Deep Package Inspection Technologie). Der Vertreter von Microsoft wiegelt ab und versteigt sich im Anschluß zu einer Aussage, die dokumentiert, daß der Herr offenkundig nicht begreift, was da eigentlich passiert:

“Its not that we analyze the picture. [...] We scan and check for matches between the pictures and the signatures.”

0:44:20 – Ein Jurist äußert Bedenken wegen der Rechteverwerterindustrie. Er erklärt, daß diese Technologie, sobald sie erst einmal flächendeckend von sozialen Netzwerken, Internet Service Providern und weiteren Akteuren zur Erkennung von Kindesmissbrauchsdarstellungen genutzt würde, augenblicklich das Interesse der Rechteverwerterindustrie auf sich ziehen würde. Diese würde nämlich fordern, daß damit auch Copyrightverstöße geahndet werden müssten. Der Vertreter von Microsoft antwortet auf diese Frage mit einer aus meiner Sicht zumindest fragwürdigen Antwort:

“At the moment photoDNA is available only for the purpose of taking down child abuse material.”

Tatsächlich befindet photoDNA sich bereits heute bei Facebook im Einsatz. Was genau Facebook damit macht, ist meines Wissen unbekannt. Tatsächlich ließe sich mit photoDNA bei Facebook die Verbreitung sämtlichen Bildmaterials unterbinden, welches Bestandteil einer Verbotsliste ist. Infografiken, die sich beispielsweise gegen lupenreine Demokraten wie Herrn Putin oder die zweifelhaften Praktiken der Rechteverwerterindustrie richten, könnten prinzipiell auf dieselbe Weise erkannt und unterdrückt werden, wie Bilder, die als Kindesmissbrauchsdarstellungen identifiziert wurden. Interessanter Weise beteuert der Microsoft-Vertreter, daß Microsoft zurzeit keine Pläne habe, photoDNA auch anderweitig zu nutzen.

0:48:00 – Weil Microsoft photoDNA auch in Verbindung mit seiner hauseigenen Suchmaschine Bing propagiert, weist Christian Bahls auf ein Problem hin, das darin besteht, daß Suchmaschinen oder Botnetze bei Bekanntwerden des Hashes einer Kindesmissbrauchsdarstellung dazu genutzt werden könnten, an die eigentlichen Kindesmissbrauchsdarstellungen zu kommen. Filesharingdienste arbeiten im Grunde nach demselben Prinzip: Man identifiziert eine Datei anhand ihres Hashes und durchsucht das Netz nach der Datei, zu der der betreffende Hash passt. Die Reaktion Microsofts ist ähnlich der der Dame von Nintendo: Man weiß nicht so recht, was man darauf antworten soll und verweist auf die Rechtslage, nach der es in den USA ein Gesetz gibt, was den Umgang mit den Hashes regelt. Demnach müsste man doch eigentlich nur in Europa darüber diskutieren, wie man die Veröffentlichung der Hashes in Europa regelt. Daß das Internet sich nicht wirklich für territoriale Grenzen interessiert, scheint dem Vertreter Microsofts noch nicht in den Sinn gekommen zu sein.

0:57:40 – Es kommt die Frage auf, ob photoDNA komprimierte oder verschlüßelte Dateien lesen kann (photoDNA kann offenbar beides nicht). Außerdem wird der DPI-Aspekt kritisiert und daß es in vielen Ländern (verfassungs)rechtliche Bedenken gegen DPI gibt. Eine Dame, die mutmaßlich ebenfalls von Microsoft kommt, meint, daß es aus ihrer Sicht keine rechtlichen Bedenken gibt, räumt aber ein, daß Microsoft hierfür eine eigene Abteilung beschäftigt, die damit betraut ist.

1:00:00 – Meine persönlicher Höhepunkt war der Vorschlag eines Herren, der meint, Microsoft solle per Windows-Update die Hashes von Kindesmissbrauchsdarstellungen an alle Windows-Computer verteilen und dann basierend darauf die Computer seiner Kunden nach Kindesmissbrauchsdarstellungen durchsuchen und im Falle eines Fundes, den Eigentümer sofort identifizieren und ihn anschließend festnehmen zu lassen. Christian Bahls lacht laut auf und bittet um die Gelegenheit, die Frage zu beantworten, worauf hin alle im Saal sehr amüsiert sind. Bahls erläutert dann dankenswerter Weise wie undenkbar absurd dieser Vorschlag ist.

Wer die Sitzung in voller Länge anhören möchte, kann das hier gerne tun:

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Interessiert an Bürgerrechten und Netzpolitik. In der IT-Branche tätig. Parteilos, zumindest was die Parteien anbelangt.

Ich mag süße Kätzchen sehr.
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39 Kommentare

  1. Gast schreibt:

    danke fürs abhören.
    Ich musste schon bei der Nintendo Frau aussteigen.

    3.3.2012 um 13:30

  2. Bob Roberts schreibt:

    Danke für die Arbeit und die Erläuterung.Well done!

    3.3.2012 um 20:05

  3. Noch'n Gast schreibt:

    Da wünscht man sich glatt vier Hände und zwei Gesichter um damit eine adäquate Fazialpalmierung zu betreiben

    Ich stell mir gerade vor, so Anno 1900 als die Luftfahrt so langsam ins Rollen gekommen ist hätten ähnliche Vollpfosten da mitgeredet. Wir würden heute vermutlich immernoch per Schiff übern großen Teich tuckern.

    3.3.2012 um 20:10

  4. Josef Prost schreibt:

    Hier gibt es auch ein Pad dazu: http://titanpad.com/0uC9OGuhYj

    3.3.2012 um 20:26

  5. Internet – Zensur 2.0 ?! | MadUnlimited - MadMike bloggt ... schreibt:

    [...] Wie eine Koalition aus Technologie- und Medienunternehmen unser Internet zu einem sicheren Ort für …. [...]

    3.3.2012 um 20:37

  6. UndNochEinGast schreibt:

    Danke für die Zusammenfassung, ich musst mir doch direkt mal die Szene bei 1:00:00 anhören. :)

    P.S.:
    Der Typ bei 0:57:40 ist doch 100% Deutscher und scheint ‘ne gewisse Ahnung zu haben. Kennt den jemand?

    3.3.2012 um 20:39

  7. Manuelito schreibt:

    “Verfechter von OpenSource” bedeutet: daß sie OpenSource befürworten. Du meinst wohl: Fechter gegenn…

    3.3.2012 um 20:42

  8. DevilDawn schreibt:

    Großartig und Danke, daraufhin konnte ich mir die interessanten Stellen auch mal anhören. Man hat den Eindruck man hat alles eingeladen, nur keine Experten für Sicherheit und Bürgerrechte…

    3.3.2012 um 20:45

  9. Peter Piksa schreibt:

    @Manuelito:

    “Verfechter von OpenSource” bedeutet: daß sie OpenSource befürworten. Du meinst wohl: Fechter gegenn…

    Der Part war mit Ironie versehen. Du bist aber heute schon der zweite, der mich darauf anspricht. Ich setze glaube ich wirklich mal einen Hinweis dahinter.

    3.3.2012 um 21:40

  10. p schreibt:

    Danke für die Arbeit!

    3.3.2012 um 23:29

  11. pandur schreibt:

    Kannst du das bitte noch weiter aufbereiten…denn ganzen Text, habe es selbst versucht, zu zynisch…kann aber diesen bzw. einen aufbereiteten Text in Kreisen verbreiten die defintive nichts mit den “üblichen Verdächtigen” zu tun haben…
    Bitte

    MfG

    Pandur

    3.3.2012 um 23:31

  12. Carsten schreibt:

    Danke für die Arbeit!

    4.3.2012 um 0:32

  13. Nachtwächter-Blah » […] der Vorschlag eines Herren, der meint, Mic… schreibt:

    [...] […] der Vorschlag eines Herren, der meint, Microsoft solle per Windows-Update die Hashes von K… 1984, Kindesmissbrauch, Link, Web 3.0 [...]

    4.3.2012 um 0:47

  14. ReplyToUndNochEinGast schreibt:

    @UndNochEinGast

    Somebody from Deutsche Telekom

    4.3.2012 um 1:19

  15. one more :) schreibt:

    I really like the “coalition of the willing” at 01:03:53

    sounds like the muppet cesar from DG HOME A2

    4.3.2012 um 1:25

  16. GreenStorm schreibt:

    Und das Sonntag-Morgens. Jetzt ist mir schlecht.

    4.3.2012 um 8:10

  17. Dave schreibt:

    Hui, Disqualifikation bereits im 2. Absatz. Wenn man ein solches Thema bearbeitet, sollte man sich hüten persönliche Vorlieben bzw. Abneigungen zu thematisieren.

    4.3.2012 um 11:44

  18. Peter Piksa schreibt:

    @Dave:

    Hui, Disqualifikation bereits im 2. Absatz. Wenn man ein solches Thema bearbeitet, sollte man sich hüten persönliche Vorlieben bzw. Abneigungen zu thematisieren.

    Du siehst stehst dem also kritisch gegenüber, daß ich deutlich aufzeige, welche Politik bei den genannten Unternehmen anzutreffen ist und darauf hinweise, daß es aus meiner Sicht keinesfalls ratsam sein dürfte, Unternehmen mit diesen Ambitionen unter dem Prätext “Bekämpfung von Kindesmissbrauchsdarstellungen im Netz” zu erlauben, unser Netz mit neuen Regeln zu versehen?

    Interessante Haltung Deinerseits. Ich stimme Dir allenfalls dabei zu, daß es möglich gewesen wäre, weniger Zynismus in den Text einfliessen zu lassen. Das war aber in Anbetracht der Situation meinerseits ausdrücklich gewollt.

    4.3.2012 um 11:53

  19. alex schreibt:

    DPI = Deep Package Inspection
    (wird im Artikel-Kontext nur bedingt klar, dass mehrfach diese Interpretation der Abkürzung gemeint ist, schliesslich haben Bilder auch Dots Per Inch…)

    4.3.2012 um 12:31

  20. Dave schreibt:

    @Peter Piksa
    Ich sehe es kritisch, wie du die Unternehmen darstellst.
    Klar ist keines dieser Unternehmen als großer Kämpfer für Netzpolitik bekannt, aber RIM als Buhmann hinstellen, nur weil sich die Firma an Vorgaben/Richtlinien/Gesetze in Staaten hält, in denen man seinen Dienst anbietet, finde ich etwas simpel.
    Das gleiche mit Apple. Du tust so, als ob Apple einem vorschreibt, welchen Inhalt ich auf meinen Geräten konsumieren darf. Das ist aber faktisch falsch. Ich kann Inhalte aus alle Quellen auf jedem meiner Geräte betrachten. Du verwechselst hier die Verkaufspolitik im AppStore mit einer Art Zensur (die Verkaufspolitik ist sicherlich diskusionswürdig, aber halt ein anderes Thema).

    Ich finde das Thema übrigens sehr wichtig und ich bin definitiv dagegen, dass diese Firma unter dem Deckmantel “Bekämpfung von Kindesmissbrauchsdarstellungen im Netz” überhaupt nur eine Entscheidung treffen sollten, aber wenn Du einen Text bereits mit falschen Fakten beginnst, dann wirkt sich das auf den kompletten Text aus.

    Man hat dann halt kein gutes Gefühl mehr beim lesen.

    4.3.2012 um 14:56

  21. gr3if schreibt:

    @Dave

    Ach was Apple erlaubt dir alles zu konsumieren? Spannend….

    Wie willst du auf einem Iphone Pornos komsunieren? Solange der Hersteller nicht extra eine HTML5 Seite dafür baut unmöglich….

    MArket? Ja super Programmer derlei Art werden direkt weggeblockt. Wie willst du zb dein Smartphone benutzen um Wlan Netzte aufzuzeichenen?

    Wieso glaubst du kannst du dein Telefon innerhalb seiner technischen Möglichkeiten komplett nutzen?

    Garnicht, aber nett das du Apple verteidigen willst. Verdient haben sie es nicht….

    Versteh mich nicht falsch Googles Datensammelwut ist fasst noch perverser, aber Apple verteidigen ist dämlich….

    4.3.2012 um 16:36

  22. Stefan W. schreibt:

    Unbezahlbar:

    1:16:35 … it is always a difficult thing if we talk about human rights – it’s always bad, it’s crime
    to talk about data protection, but still, we’re bound to legal rules – sometimes – I mean, sometimes, sometimes
    you can also find ways to, to …
    (Nuscheln von der Seite) did I say sometimes? – always, always, we are always bound to legal rules, and we have to accept this, and we
    follow this.

    4.3.2012 um 17:54

  23. Vorschläge für ein kinderfreundliches EU-Netz › netzpolitik.org schreibt:

    [...] Piksa hat bereits die erste Stunde durchgehört und verbloggt. Wer Zeit und Lust hat, kann gerne mithelfen, in diesem Pad das Meeting weiter zu verschriftlichten [...]

    4.3.2012 um 18:19

  24. Dave schreibt:

    @gr3if
    Für Dich ist also Apple = iOS, ok, dann auf dem Niveau:

    Jupp, Apple hat mir noch nie ein Stoppschild oder ähnliches gezeigt. Sollte ich Pornos konsumieren wollen, kann ich das auf allen meinen Geräten. Wenn du hier auf Flash anspielst, dann hast du wohl nicht verstanden, dass die Zeiten von Flash vorbei sind. In der Art wie es eingesetzt wurde war es mehr Qual als Wohltat. (Auch auf Geräten anderer Hersteller).
    Technische Weiterentwicklung ist aber keine Zensur o.Ä.

    Ich “verteidige” Apple nicht, ich merke nur an, dass diese Vorwürfe gegen Apple einfach nicht stimmen bzw. immer wieder aus dem Kontext genommen werden. Ich behaupte auch nicht, dass Apples Politik fehlerfrei ist.

    Ich persönlich bin jedoch froh, dass der AppStore nicht mit Pornomüll überflutet wird. Das ist aber nur meine Meiung.

    Dieser pure Apple-Hass ist einfach zum kotzen und schafft es immer wieder, dass eine normale Diskusion zum Kindergarten wird.

    Wenn Dir die Möglichkeiten eines iOS-Gerätes nicht langen, dann kauf dir keines, aber behaupte nicht, dass Apple deswegen schlecht wäre.

    Deine persönlichen Vorlieben sind kein Qualitätsmerkmal für einen Konzern!

    Die Qualität deiner Aussage kann man auch alleine daran erkennen, dass du es nicht schaffst ohne Beleidigungen zu argumentieren, was ich sehr traurig finde.

    ABER:
    Hier geht es nicht um’s iPhone.

    4.3.2012 um 18:59

  25. Rauchbier schreibt:

    “Interessanter Weise beteuert der Microsoft-Vertreter, daß Microsoft zurzeit keine Pläne habe, photoDNA auch anderweitig zu nutzen.”

    Überraschend ehrlich: ZUR ZEIT haben sie keine fertigen Pläne. Das schließt natürlich nicht aus, dass sich das in nächster Zeit ändern kann.

    (Kleine Anmerkung zur Einführung ins Thema: Zu viel Ironie führt immer wieder zu Missverständnissen. Das Thema ist aber zu wichtig für Missverständnisse. Missverständnisse nutzen nur denjenigen, die sich wünschen der Bürger soll sich nicht weiter einmischen. Mein Wunsch: Klare Sprache, möglichst wenig Ironie.)

    4.3.2012 um 20:28

  26. Jens Best schreibt:

    Danke für die Zusammenfassung.

    4.3.2012 um 23:46

  27. [KW09/12] Themen der Woche » IT::fsinn schreibt:

    [...] Ihr schon mal etwas von der “Koalition der Willigen” gehört? Nein? Dann lest Euch mal dieses Transkript einer Verhandlung dieser ACTA-Freunde durch. Den Brechreiz konnte ich nur schwer [...]

    5.3.2012 um 8:17

  28. Nachrichten vom Wochenende | Der Nachrichtenspiegel schreibt:

    [...] Ein Bericht über Sitzung der “Coalition of top tech & media companies to make [the] internet … Mitglieder sind unter anderem solch ausschließlich am Wohlergehen der Allgemeinheit interessierte Unternehmen wie die Datenfresser und Privatsphärevernichter Facebook und Google. Nebst erklärten Gegnern von Netzneutralität wie der Deutschen Telekom und dem willfährigen Internetzensurgehilfen Vodafone befinden sich noch weitere Provider mit an Bord. Abgerundet wird diese illustre Runde durch die Teilnahme des Blackberry-Herstellers RIM, der bekanntlich repressiven Regierungen zwecks Ausspähung Zugriff auf die Gesprächs- und Datenleitungen seiner Kunden gewährt. Darüber hinaus sitzt mit Microsoft der weltweit schärfste Verfechter von OpenSource (Achtung, Ironie!) mit am Beratungstisch. Und um das Bild perfekt zu machen, darf Apple nicht fehlen. Apple ist ein Unternehmen, welches es für angemessen hält, seinen Kunden den Zugriff auf aus Apples Sicht “anstößige” Inhalte zu verbieten. Wenn es also eine Handvoll Unternehmen gibt, denen man vertrauensvoll Zensur- und Filtertechnologie an die Hand geben kann, dann sicherlich Unternehmen wie die zuvor genannten. Ich habe mir die nun veröffentlichte Sitzung angehört und für die interessierte Öffentlichkeit meine persönlichen Highlights jeweils mit Zeitmarke herausgearbeitet. [...]

    5.3.2012 um 8:59

  29. Densor schreibt:

    Interessant fand ich auch mehrere Stellen an denen betont wurde das “Kinder ja nicht als spielchip in dieser diskussion missbraucht werden dürfen”.

    Aber wenn es dann um die unterschiedliche Rechtslagen in den EU Ländern zu bestimmten Themen ging (Datenschutz, nicht vereinbarkeit mit Grundgesetz zB) wurden diese Bedenken in regelmässigen Abständen zur Seite gewischt mit einer heroischen Ansprache der Sorte:

    “Es sind doch unsere Kinder um die es geht! Wir sollten uns keine Gedanken darum machen wie diese Methoden missbraucht werden könnten, wir sollten uns nur darum kümmern wie man durch diese Methoden Kinder schützt!”

    (Frei übersetzt und zitiert)

    Diese ganzen 2 Stunden sind ein extrem trauriges Beispiel dafür das selbst auf hohen EU ebenen, nur auf CSU Stammtisch niveau disktuiert und entschieden wird.

    Ausserdem zeigt dieser Mitschnitt ein ganz anderes Problem das dort offensichtlich herrscht: Missverständnisse bei Kommunikation bzw. mangelndes Wissen über die technischen Hintergründen.

    So gut die Zusammenfassung hier auch sein mag, ich finde hier fehlen (gefühlt) mindestens zwei dutzend “tolle” Stellen dieser Sitzung. Stellen an denen sich jedem frei denkenden Menschen die Zehennägel aufrollen sollten vom zuhören…

    5.3.2012 um 9:47

  30. Stefan W. schreibt:

    @Dave: Ist Dir der Fall mit dem spanischen Magazin gar nicht bekannt? Und dt. Zeitschriften wurden doch auch schon von Apple zensiert.

    Als braver Konsument kann man ja begrüßen, eine derartige Kindertante mitzuführen, aber es zu leugnen …

    5.3.2012 um 11:08

  31. Dave schreibt:

    @Stefan W.

    und wieder.. Verkaufspolitik im AppStore.
    Wieso glaube eigentlich alle, dass Apple nicht das Recht hat in seinem eigenen Laden nur das zu verkaufen, was sie für richtig halten?

    Ich sage ja gar nicht, dass ich es begrüße, dass Magazine abgelehnt werden. Man kann das natürlich kritisch sehen, aber daraus dann ein Skandal zu fantasieren ist wirklich albern.
    Zensur ist was ganz anderes.

    5.3.2012 um 11:13

  32. Stefan W. schreibt:

    @Dave: Wer sagt, Apple habe nicht das *Recht* zu verkaufen was sie wollen?

    Auch ein Bahnhofskiosk kann natürlich selbst entscheiden, welche Zeitschriften er verkauft und welche nicht. Nur habe ich noch nicht gehört, dass ein Magazin den Titel geändert hätte, um in einem bestimmten Kiosk verkauft werden zu können.

    In Zukunft kann also jedes Magazin, welches auch im AppStore erhältlich ist, mit Rücksicht auf diesen infantilisiert worden sein.

    Wieso Du das als Verbraucher unter den Teppich gekehrt sehen willst ist aber ebenso Deine Privatangelegenheit – es steht uns frei das anders zu sehen, wenn ein Händler seinen persönlichen Geschmack den Kunden vorschreiben will.

    Und hier geht es ja darum, dass solche Figuren an “globalen Lösungen” arbeiten. Da gehört deren charakterliche Eignung sehr wohl thematisiert, finde ich, auch wenn Du eine Definition von “Zensur” kennst, die darauf nicht passt.

    5.3.2012 um 12:32

  33. Dave schreibt:

    @Stefan W.
    Wenn ich wollte, dass es unter den Teppich gekehrt wird, hätte ich doch nicht drauf hingewiesen, dass es Verkaufspolitik ist.
    Es geht mir auch nicht um die Wertung der Sache, sondern darum, dass im 2. Absatz dieses Textes hier zu viel unwahr bzw. übertrieben wurde.

    Die Einleitung ist nunmal ein Stimmungsmacher für den weiteren Text. Das habe ich bemängelt.

    Aber was soll’s, bekommt der kleine Kiosk halt mehr Rechte als Apple.

    Bin raus hier.

    5.3.2012 um 13:48

  34. Peter Piksa schreibt:

    @Dave:

    Ich sehe es kritisch, wie du die Unternehmen darstellst.
    Klar ist keines dieser Unternehmen als großer Kämpfer für Netzpolitik bekannt, aber RIM als Buhmann hinstellen, nur weil sich die Firma an Vorgaben/Richtlinien/Gesetze in Staaten hält, in denen man seinen Dienst anbietet, finde ich etwas simpel.

    Freut mich sehr, daß Du kritisch hinguckst. Dann gucke aber auch kritisch darauf, ob es in erster Linie auch angemessen ist, daß ich meinerseits kritisch auf diese Unternehmen gucke.

    Fakt ist, daß RIM repressiven staatlichen Institutionen Zugriff auf die Kommunikationsvorgänge seiner Kunden gewährt hat. Dasselbe trifft auf Vodafone zu. Man kann freilich immer versuchen, sich leicht mit dem Argument “Wir handeln lediglich nach Recht und Gesetz” aus der Affäre zu ziehen, aber aus meiner Sicht ist es nun einmal ein scheinheiliges Argument. Der Punkt ist: Bloß weil mein Handeln im juristischen Sinne legal ist, ist es noch lange nicht in Ermangelung moralischer/ethischer Maßstäbe richtig. Eine Regierung kann von mir aus ein Gesetz erlassen, daß es rechtmäßig erscheinen lässt, die Opposition, Bürgerrechtler, Andersgläubige oder sonstige Minderheiten auszuspähen – wenn Unternehmen bei diesem abstoßenden Spiel mitspielen bloß um sich ein Stück Marktanteil zu sichern, verurteile ich das. Das kannst Du anders sehen als ich – ich lasse Dir Deine Meinung. Aber versuche bitte zu verstehen, wie ich zu meiner Kritik eigentlich komme.

    Das gleiche mit Apple. Du tust so, als ob Apple einem vorschreibt, welchen Inhalt ich auf meinen Geräten konsumieren darf. Das ist aber faktisch falsch. Ich kann Inhalte aus alle Quellen auf jedem meiner Geräte betrachten. Du verwechselst hier die Verkaufspolitik im AppStore mit einer Art Zensur (die Verkaufspolitik ist sicherlich diskusionswürdig, aber halt ein anderes Thema).

    Und ja, Apple schreibt einem vor, was ihre Kunden sehen dürfen und was nicht. Apple hält es für angemessen, die Maßstäbe einiger weniger bestimmenden Menschen als Maßstab dafür zu nehmen, was Millionen Apple-Kunden im Internet zu sehen bekommen und was nicht. Wenn Du hier von einer “Verwechselung von Verkaufspolitik und Zensur” sprichst, fehlt Dir meiner Meinung nach schlicht der Weitblick, der nötig ist, um die weitreichenden Konsequenzen dieser Konstellation angemessen zu beurteilen.

    Überdenke bitte noch einmal, ob es angemessen ist, mir vorzuwerfen ich würde mit falschen Fakten hantieren. Inhaltliche Belege für meine Aussage über RIM finden sich jedenfalls hier, hier und hier.

    Sollte es Dich nach Belegen für meine Aussagen zu Vodafone als willfährigen Zensurgehilfen dürsten, so stille Deinen Durst bitte hier. Informationen zu Apples Wir-lassen-Dich-keine-anstößigen-Inhalte-sehen-Politik findest Du hier.

    Melde Dich bitte, falls Du nach Lektüre dieser Dokumente noch immer den Vorwurf gegen mich erhebst, ich würde falsche Fakten verbreiten.

    5.3.2012 um 18:05

  35. Stefan W. schreibt:

    Tja – die Kritik an Apple ist wohl etwas zugespitzt. Natürlich kann Apple seinen Kunden nichts verbieten, sondern nur vorenthalten.

    Aber wenn Anbieter dazu gezwungen werden, die Applerichtlinien einzuhalten, und etwas so unerfreuliches wie das Wort “Penis” vom Magazintitel zu entfernen, dann ist das eben eine Einmischung, die zwar jedem Bahnhofskiosk prinzipiell ebenso offen steht, aber die die Bahnhofskioske eben nicht machen, weil sie nicht so puritanisch verklemmt sind, oder weil sie es prinzipiell nicht für richtig halten, die eigenen Werte der Umwelt aufzuzwingen.

    Ironischerweise stand der angebissene Apfel einst für den Ungehorsam des Menschen, für eine Neugier, die es in Kauf nimmt, aus dem Paradies vertrieben zu werden, wenn es der Erkenntnis dient. Der biblischen Legende zufolge erkannte der Mensch, dass er nackt ist. Damit einher ging Scham und die Unterscheidung von Gut und Böse.

    Der weiße Apfel steht offenbar nun für das Gegenteil: Es wird spießig verhüllt, und eine kindliche, unwissende Unschuld angestrebt.

    Es geht gar nicht um Rechte, die Apple oder ein Kiosk bekommt, sondern deren Umgang mit dem Recht.

    Früher hatten die Klöster das Wissen in Giftschränken eingesperrt, aber das analphabetische Volk begehrte nicht auf. Heute kommt die Zensur mit einer Horde Fans daher, die die eigene Entmündigung als das Recht ihres Herrn bejubeln. Hallelujah!

    5.3.2012 um 19:13

  36. it-Cube schreibt:

    Erstmal: Danke für die Zusammenfassung, so kann ich mir die interessanten Passagen anhören, ohne alles dazwischen auch hören zu müssen.

    “Daß das Internet sich nicht wirklich für territoriale Grenzen interessiert, scheint dem Vertreter Microsofts noch nicht in den Sinn gekommen zu sein.” – das ist denke ich ein allzu wahrer Punkt.
    Alles steckt noch in den Kinderschuhen, bin gespannt, wie sich das noch weiter entwickeln wird.

    12.3.2012 um 11:49

  37. Microsoft zensiert The Pirate Bay und bezieht dazu nun erstmalig öffentlich Stellung » Blog von Peter Piksa schreibt:

    [...] zusammen mit Nintendo, der Telekom, Vodafone, Apple und einigen weiteren globalen Akteuren in der EU-Arbeitsgruppe für ein “kindersicheres Internet” sitzt, darf Besorgnis erwecken. Schließlich sollen EU-Bürger Unternehmen wie Microsoft vertrauen, daß [...]

    27.3.2012 um 17:16

  38. Zu Ostern mal was Sinnvolles tun » Blog von Peter Piksa schreibt:

    [...] und bringt interne Gespräche von Lobbyvertretern der Wirtschaft ans Licht der Öffentlichkeit, wie dieses eine neulich, von dem auch Fefe und Markus Beckedahl auf Netzpolitik.org berichtet [...]

    9.4.2012 um 14:54

  39. 2012 ist gegessen. Ein Rückblick. schreibt:

    [...] Pikante Details zu ACTA kommen ans Tageslicht. [...]

    30.12.2012 um 3:43

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