Blog von Peter Piksa

Hinweis vor der NRW-Wahl am Sonntag

10.5.2012, 19:13 Uhr

Die Botschaft dieser in sozialen Netzwerken kursierenden Grafik ist irreführend und inhaltlich nicht aufrecht zu erhalten. Entgegen der Parolen “der Urheber” (wobei ich mich selbst als Urheber von “diesen Urhebern” mit bösen Absichten klar distanziere!) stehen die Piraten keinesfalls für die gerne zitierte Freibiermentalität, die ihnen oft angedichtet wird. Ebenso wenig wollen die Piraten Urheber enteignen. Für diejenigen, die genau das behaupten gilt eine der folgenden Optionen:

Option A: Unwissenheit.
Diese Gruppe gehört zu den Menschen, die sich mit der Urheberrechtsproblematik schlicht und ergreifend gar nicht oder jedenfalls zu wenig auseinandergesetzt hat und fällt auf Botschaften, wie jene in der Grafik herein. Ließe sich ändern, wenn man mal seinen Horizont erweitern würde.

Option B: Simple Ablehnung gegen Piraten.
Diese Gruppe gehört zu den Menschen, die die Piraten aus unterschiedlichen Gründen, (die sie meist selbst nicht so genau benennen können!), ablehnen und jedes Fitzelchen gegen die Piraten zu Felde führen, von dem sie glauben, ihnen damit schaden zu können.

Option C: Boshaftigkeit.
Diese Gruppe gehört zu den Menschen, die sich mit der Problematik des Urheberrechts und den Umwälzungen, die das Internet herbeigeführt hat und in Zukunft noch herbeiführen wird, sehr gut auskennen, jedoch nicht bereit sind, von ihren prä-Internetzeitalter-geprägten Denkmustern Abstand zu nehmen bzw. sie zu erneuern.

Zu dieser Gruppe gehören Menschen, wie der Urheberrechtshardliner Siegfried Kauder (CDU). Menschen wie Siegfried Kauder behaupten bei öffentlichen Auftritten gerne, daß eine irreführende Wortschöpfung wie “geistiges Eigentum” existieren und Bestand haben könnte und daß sich der Rechtsbegriff des Eigentums, der ja für Materialgüter gilt, sich eins zu eins auch auf Immaterialgüter übertragen ließe. Eine Annahme, die grotesk falsch ist.

In einer öffentlichen Anhörung des Petitionsausschusses des deutschen Bundestags bei der es gegen das ACTA ging, sagte Kauder folgenden Satz:

“Können wir uns darauf einigen, dass Geistiges Eigentum genauso ist, wie ein Fahrrad?”

Wer so in der Öffentlichkeit agitiert, agitiert boshaft. Weshalb Immaterialgüter eben NICHT genau so für Materialgüter behandelt werden können, hat freundlicherweise der Urheber von Texten und Bretspielen Marcel-André Casasola Merkle in seinem Blog aufgeschrieben. Aber Achtung, der Text erfordert vom Leser ein gewisses Maß an Intellekt.

Wer sich mit der Thematik, warum dieses Kampfbegriff des “geistigen Eigentums” unsäglich falsch ist, beschäftigen möchte, sollte sich einfach einmal diesen Text des Urhebers und Juristen Thomas Stadler durchlesen.

Und wer dann immer noch dem Denkfehler aufsetzt, daß Immaterialgüter “geklaut” werden können, der sollte sich durchlesen, wie ich erklärt habe, warum das überhaupt nicht gehen kann und weshalb unsere Rechtssprechung folgerichtig auch niemals den Begriff des “Diebstahls” in diesem Umfeld gebraucht.

Eines noch: Das Urheberrecht ist im Laufe der Zeit von einem Schutzrecht für Künstler zu einem Interessendurchsetzungsrecht für Rechteverwerter pervertiert. Die Piraten sind neben Grünen und Linken DIE politische Kraft in Deutschland, die uns dabei helfen wird, den Gesellschaftlichen Konsens in eine Richtung zu bewegen, daß ihr und eure Kinder nicht dafür kriminalisiert werdet, weil ihr euch ins Internet eingewählt habt und aktiv damit umgeht.

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Interessiert an Bürgerrechten und Netzpolitik. In der IT-Branche tätig. Parteilos, zumindest was die Parteien anbelangt.

Ich mag süße Kätzchen sehr.
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5 Kommentare

  1. bee schreibt:

    Schöner kann man seine antidemokratische Gesinnung gar nicht ins Hirn der Wähler hämmern.

    Ist das eine Wunschvorstellung? Ja, das ist es. Eine gewollte Dystopie, in der die Hartz-Gesetze als Strafe für Unschuldige benutzt werden (das ist noch der gnädigste Fall) oder als unverhohlene Drohung: wer sich in nicht systemkonformen Randgruppen aufhält, wird schon dafür sanktioniert – der Gesetzgeber behält sich die Definition vor. Und er ist lustigerweise nicht einmal in der Lage, das drohende Unheil abzuwenden. Ein plärrender Riese auf tönernen Füßen. Da hat man doch gerne Angst.

    Als Urheber fühle ich mich beleidigt. Als Demokrat erst recht.

    10.5.2012 um 19:56

  2. Rene Treffer schreibt:

    Urheberrecht gilt für angestellte Programmierer nicht.

    Eine Ausnahme die man nur in DE und USA kennt, und die eigentlich gegen Grundsätze des Urheberrechts verstößt.

    Schlecht getrollt.

    10.5.2012 um 23:02

  3. Sindy00 schreibt:

    Keine Sorge, die Leute sind nicht doof, wie viele immer denken. Sie werden sowas hinterfragen.

    Denn man sollte nicht Blind irgendwelchen Parolen vertrauen sondern sich selbst infomieren!

    Danke für deinen Beitrag.

    11.5.2012 um 10:02

  4. Tom schreibt:

    Der Autor dieses Artikels ist “beruflich bei einem Hersteller von Anti-Malware” tätig, also angestellt und wird für seine Arbeit durch einen Dritten bezahlt. Dabei ist das Gehalt per se kaum daran gekoppelt, ob die betreffenden Produkte des Anti-Malware-Hersteller gekauft oder illegal heruntergeladen werden. Ein solches Glück haben leider viele kleine,unbekannte Künstler nicht. Warum? Weil sie selbstständig tätig sind, also von dem, was sie verkaufen auch direkt leben müssen und mit jedem Nicht-Kauf (aka “illegalen” Download) ein Teil des zum Überleben notwendigen Einkommens wegbricht. Nun kann man sagen: Hätten sie halt was anderes gelernt. Richtig. Nur hat sich vielleicht das ursprünglich als überlebensfähig dargestellte Berufsmodell durch das Internet massiv nachteilig verändert.

    Ich bin weder Hardliner, noch Beführworter von ACTA, CISPA und Co., aber man wird sehr schnell nachdenklich, wenn man feststellt, dass die eigene Arbeit anderen nicht einmal 0,99 Cent wert ist (um nur mal den Durchschnittspreis eines Musiktitels ohne DRM bei iTunes zu nennen – bei Amazon oft noch günstiger). Wurde früher der Kopierschutz als Grund für den Nicht-Kauf ins Feld geführt. Heute, da dies ja nicht mehr geht, braucht man offenbar sein Erspartes, um teuere Smartphones und 50-EUR-Flatrates zu bezahlen, damit man ordentlich “saugen” kann. Das verstehe, wer will.

    Es ist keine Frage, dass im Bereich der Platten-/Filmindustrie vieles falsch gemacht wurde und noch gemacht wird (Stichwort Region-Blocking, fehlendes Angebot älterer Produkte usw). Aber: Selbst wer sich ganz ohne GEMA, Label und Co. aufmacht, um wenigstens etwas Geld mit seiner Kunst zu verdienen, stellt sehr schnell fest, dass man das positive Feedback der Fans und die vielen Likes auf Facebook nicht essen kann. Ein “Fan” ist heute offenbar jemand, der gerne auf “gefällt mir” klickt, sich persönlich gut fühlt, wenn er mit dem Künstler direkt chatten kann, aber gleichzeitig möglichst viele Songs auf YouTube hochlädt und Soundfiles kostenlos über Facebook verteilt. Natürlich ohne dass der Künstler davon auch nur einen Cent sieht.

    Arbeiten denn all die Menschen, die das Posting hier positiv sehen, auch für 0,- EUR Monatseinkommen? Würden sie das tun? Wohl kaum. Und nur mal so… auch ein Software-Hersteller, der Anti-Malware produziert, wird sich langfristig überlegen müssen, wovon er seine Mitarbeiter bezahlt, wenn die Produkte irgendwann einmal nur noch kostenlos downgeloaded werden (und ich nehme darüberhinaus an, dass exakt aus diesem Grund Ihre Produkte mit Seriennummer und Online-Registrierung arbeiten?).

    Ich finde es wichtig, dass wir uns über ein neues, gerechteres System unterhalten. Schlimm wird die Diskussion aber dann, wenn es nur noch um irgendwelche Pauschalen geht, die das massenweise Herunterladen rechtfertigen sollen und von denen wir nicht einmal wissen, wie wir sie später an wen verteilen wollen? Wir lassen dabei außer Acht lassen, dass es eben NICHT der Normalfall sein soll und darf, Musik/Filme & Co. einfach nur zu kopieren, sondern dass man das, was man haben möchte, eben kaufen muss – so wie es überall sonst auch der Fall ist (wobei natürlich jeder selbst entscheiden darf, ob er sein Wert verkauft oder frei anbietet bzw. wie viel er frei und nicht frei abgibt).

    Und es geht auch nicht an, dass wir bei derart minimalen Preisen für z. B. Musiktitel von “zu hohen Kosten” oder “Abzocke” sprechen. Jeder sollte sich einmal selbst an die eigene Nase fassen, wieviel er selbst eigentlich verdient (oder verdienen will) und warum er vielleicht beim nächsten Streik für eine Gehaltserhöhung trillerpfeiffend mitmarschiert? Sind Künstler weniger wert, nur weil sie keine Motoren bauen, sondern virtuelles Gut, das sich downloaden lässt?

    11.5.2012 um 13:12

  5. Peter Piksa schreibt:

    @Tom:

    Zunächst einmal ist es seit über einem halben Jahr nicht mehr richtig, daß ich bei einem Anti-Malwarehersteller beschäftigt bin, aber das nur am Rande.

    An Deiner Argumentation finde ich folgendes beachtlich: Du stellst fest, daß das Geschäftsmodell eines Künstlers, welches in Vergangenheit angeblich tragfähig gewesen ist, aufgrund des Internets nicht mehr tragfähig ist.

    Kann ich so nicht stehen lassen, jedenfalls nicht in dieser Pauschalität. “Das Geschäftsmodell” eines Künstlers war noch niemals in der Geschichte der Menschheit zwingend tragfähig. Selbst wenn wir das prä-Internetzeitalter betrachten, konnte ein Großteil der Künstler eben nicht ausschließlich von seiner Kunst leben. Genau so stellst Du es aber dar.

    Zum anderen wirken sich die Veränderungen, die das Internet bringt, keinesfalls immer negativ auf die wirtschaftliche Situation von Künstlern aus. Der Podcaster Tim Pritlove hat in einem aus meiner Sicht beachtenswerten Posting dargestellt, wie er durch seine Tätigkeit seit einem längerem Zeitraum schon Monat für Monat ein großeres Einkommen erwirtschaftet als so manch einer, der einem standardmäßigem Vollzeitjob nachgeht.

    Sogar Dein Vorwurf, daß ein Urheber/Künstler es alleine zu nichts bringen könnte ist mit der Darstellung von Tim Pritloves Situation eindrucksvoll widerlegt.

    Weiter später beziehst Du Dich erneut auf die Anti-Malwarehersteller und behauptest, daß sie ja nicht leben könnten, wenn sie ihre Software kostenlos anböten. Natürlich, das stimmt. Aber stell Dir vor: Viele dieser Hersteller bieten in der Tat kostenlose Anti-Malwareprodukte für den Hausgebrauch an und verdienen ihr Geld zum großen Teil mit Unternehmenskunden. Man darf also feststellen, daß vermeidlich einfache Darstellungen in der Regel nicht greifen.

    Und eines noch: Wer sagt eigentlich, daß Urheber von ihren Werken leben müssen? Warum soll die Gesellschaft eigentlich dafür Sorgen müssen, daß Urheber davon leben können? Verstehe mich bitte nicht falsch: Ich gönne es den Urhebern, daß sie gut leben können. Aber ich sehe schlicht keinen Grund, weshalb man das wirtschaftliche Auskommen dieser Menschen garantieren müsste, während eine solche Garantie für andere Menschen nicht gilt. Pizzaboten, Friseure und Angestellte in unterschiedlichen Branchen können von ihrem Verdienst auch sehr oft bloß sehr schlecht leben.

    11.5.2012 um 17:08

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