Blog von Peter Piksa

Piraten-Chef “droht” mit “Abmahnungen”

5.8.2012, 21:44 Uhr

Wenn ich die Publikationen einer Zeitung lese, erhebe ich den Anspruch tatsachengemäß informiert zu werden. Weil Publikationen aber gerne auch als Information maskierte (Negativ-)Stimmungsmache verbreiten, möchte ich hier ein Beispiel anführen.

Piraten sinken in Wählergunst – Sorge um Finanzen” titelt das Hamburger Abendblatt. Hintergrund ist eine Aussage des Piraten-Parteichefs Bernd Schlömer. Weil rund 42 Prozent der deutschlandweit 33.000 Piraten ihren jährlichen Mitgliedsbeitrag in höhe von 48 Euro noch nicht bezahlt haben, erwägt Schlömer nun den Versand von Zahlungserinnerungen.

Kein sonderlich aufsehenerregender Vorgang. Beim Hamburger Abendblatt jedoch kulminiert diese Tatsache in folgender Zwischenüberschrift:

“Piraten-Chef droht Parteimitgliedern mit Abmahnungen”

Man darf diesen Satz gerne auch zwei Mal lesen, um sich bewusst zu machen, was hier (offenkundig mit voller Absicht vonseiten des Autors) abläuft. Es muss daran erinnert werden, daß Schlömer den säumigen Parteimitgliedern Zahlungserinnerungen zuzusenden beabsichtigt.

“Verehrter Pirat, Du hast dieses Jahr vergessen, Deinen Mitgliedsbeitrag zu überweisen. Hole dies doch bitte nach, damit wir bei dem bald kommenden Bundestagswahlkampf mit weniger Problemen zu kämpfen haben. Danke im Voraus, Piratenpartei.”

In etwa so könnte der Wortlaut der Zahlungserinnerung, gerne auch als Mahnung bezeichnet, lauten. Ich unterstelle dem Autor bewusste Manipulation des Lesers mit der Intention, die Piraten in einem schlechten Licht dastehen zu lassen, weil es grotesk ist, bei diesem banalen Vorgang den Begriff Abmahnung in den Mund zu nehmen. Den Unterschied zwischen einer Zahlungserinnerung und einer Abmahnung in Erfahrung zu bringen, dürfte besonders rechercheerprobten Journalisten nicht all zu schwer fallen. Was für ein Kaliber Abmahnungen sind, lässt sich übrigens sehr plastisch über eine einfache Google-Bildersuche in Erfahrung brigen.

Demaskierend ist überdies auch die Verwendung des Wortes “droht”. Da ist der böse Parteichef, der den Mitgliedern droht. Ein einfaches “Schlömer stellt säumigen Mitgliedern Zahlungserinnerung in Aussicht” hätte es auch getan. Aber diese Formulierung wäre dann doch zu unaufgeregt, zu sachlich, sie würde den interessierten Leser nicht aufwühlen. Doch genau das scheint mir an dieser Stelle beabsichtigt worden zu sein.

Achja, und eingebettet an die Zurschaustellung der zurzeit nach unten gestolperten Wählergunst steht außerdem noch der Hinweis auf den Politikwissenschaftler Wichard Woyke, den man mit den Worten “Piraten machen Anfängerfehler” zitiert. Man merkt förmlich, daß dieser Text auf negative Stimmungsmache aus ist.

Vielleicht täusche ich mich aber auch bloß, denn nebst all dem durchsichtigen Negativschreib wird auch eine Fotogalerie des “Piraten-Shootingstars” Marina Weisband verlinkt. Neun Fotos, die man beim Durchklicken mit zweifacher Werbeunterbrechung serviert bekommt. (Wenn man beim letzten Bild auf “Weiter” klickt, sind es sogar drei Werbeunterbrechungen.)

Ich würde künftig gerne Artikel über die wirklichen Versäumnisse und Fehltritte der Piratenpartei lesen; und nicht solch eine inhaltlich falsche und von schlecht kaschierten Manipulationsversuchen bestimmte Grütze. Daß es bei den Piraten und Herrn Schlömer wirklich etwas zu kritisieren gibt, habe ich schließlich gestern erst beschrieben.

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Interessiert an Bürgerrechten und Netzpolitik. In der IT-Branche tätig. Parteilos, zumindest was die Parteien anbelangt.

Ich mag süße Kätzchen sehr.
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6 Kommentare

  1. Heiko schreibt:

    Mahnung != Abmahnung. Ersteres dürfte hier gemeint sein.

    5.8.2012 um 21:49

  2. Patrick Kleeblatt schreibt:

    Lieber Peter,

    geradezu erschreckend was sich so genannte Journalisten erlauben und es sei dir an dieser Stelle für die klärenden Worte in deinem Artikel gedankt. Leider wird dein Beitrag das Hamburger Käseblatt kaum zu einer besseren, oder sollte man vielmehr von einer vernünftigeren Schreibart überzeugen. Und ja es ist nur rechtens dass ein Parteipräsident seine Mitglieder daran erinnert den für die notwendige politische Arbeit Beitrag auch zu entrichten. Mir dünkt es ist an der Zeit dass sich die Piraten überlegen mit wem sie sich unterhalten.

    5.8.2012 um 22:07

  3. Patrick Kleeblatt schreibt:

    P.S.

    Solange Deutschlands Bürger den Publikationen des Springer Verlages vertrauen, und sich zudem Journalisten (oder solche die sich dafür halten) bei einem solchen Verlag bewusst in den Dienst der Unwahrheit und Verhöhnung stellen, wird der Medienlandschaft kein Vertrauen mehr zuteil sein.

    5.8.2012 um 22:19

  4. Piratenparteiler schreibt:

    Irgendeine Agentur bringt eine Meldung heraus und alle anderen Zeitungen/News Angebote übernehmen diese einfach. Ist ja billiger als selbst recherchieren zu müssen. Die Presselandschaft geht somit immer weiter den Bach runter !

    5.8.2012 um 22:27

  5. Joe schreibt:

    Schick doch eine Beschwerde an den deutschen Presserat, wegen unethischer Joiurnaille oder dergleichen.

    5.8.2012 um 23:20

  6. thelepathy schreibt:

    @Joe

    Guter Vorschlag. Aber halt… wer genau sitzt dort eigentlich und nimmt diese Beschwerde entgegen?

    8.8.2012 um 2:06

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