Blog von Peter Piksa

Wie das Internet aussehen wird, sobald Telekom & Co. die Netzneutralität beerdigt haben

2.11.2013, 11:47 Uhr

Mein Kumpel ilf ist zurzeit für einige Monate in Thailand sowie Malaysia und hat von dort einige Werbeprospekte dortiger Internet Service Provider fotografiert, auf denen zu sehen ist, was auch uns hier in Europa schwant, sofern Telekom und Co. sich mit ihren Plänen zur Beerdigung der Netzneutalität durchsetzen. Guten Appetit, denn es soll nacher niemand sagen können, niemand hätte deutlich gewarnt!

“Ach, Sie möchten gerne auf Facebook lauern, die Wikipedia lesen oder Freunden per Instagram Ihr Mittagessen zeigen? Dann zahlen Sie mal extra!”

Malaysia:

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Thailand:

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Spaßfakt am Rande: Bereits im Jahre 2010 wurde angekündigt, daß genau so was passieren würde. Damals wurde man dafür noch ausgelacht mit dem “Argument”, daß so was ja nie passieren könnte, weil der Markt es schon regeln würde.

Haha!

Update vom 3.11.2013: Ich habe zwei Mails bekommen, in denen sich die Autoren beschweren, ich würde hier den Eindruck erwecken, die Prospekte würden Festnetz-Internet abbilden, während in Wahrheit Mobilfunktarife beworben werden.

Dazu nur Folgendes: Netzneutralität ist sowohl im Mobilfunk als auch im kabelgebundenen Zugang zu gewährleisten. Wir können die Internet Service Provider nicht dafür kritisieren, daß sie im kabelgebundenen Zugang die Netzneutralität brechen, während wir ihnen diese Praxis bereits beim Mobilfunk durchgehen lassen.

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Interessiert an Bürgerrechten und Netzpolitik. In der IT-Branche tätig. Parteilos, zumindest was die Parteien anbelangt.

Ich mag süße Kätzchen sehr.
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12 Kommentare

  1. Netzneutralität: Wenn wir nichts machen, bekommen wir thailändische Verhältnisse | Digitale Notdurft schreibt:

    […] Wie das Internet aussehen wird, sobald Telekom & Co. die Netzneutralität beerdigt haben […]

    2.11.2013 um 12:56

  2. Das internetz von morgen | Schwerdtfegr (beta) schreibt:

    […] deutschland aussehen wird, wenn solche läden wie die drosselkom mit ihren plänen voranschreiten, muss man oder fruh nur einen blick nach tailand werfen. Da hats der markt schon […]

    2.11.2013 um 14:35

  3. Die Internet-”Speisekarte” — Just! Stevinho – ein ausgezeichneter Blog! schreibt:

    […] Quelle: piksa.info […]

    2.11.2013 um 15:28

  4. Tyram schreibt:

    Ich lebe seit 4 Jahren in Thailand. Die Information über das Internetangebot hat ihr Freund falsch verstanden.

    Der abgebildete Prospekt ist lediglich für Smartphones oder Tablets (3g oder umts). Damit kann man innerhalb von 3 Minuten einen Tarif seiner Wahl für kleines Geld buchen. Deshalb sind auch auf dem Prospekt die Nummern mit dem grünen Hörer abgebildet.
    Extrem praktisch wenn man unterwegs ist und ins Internet möchte (dann der Vertrag ist nur für eine bestimmte Dauer und wird nicht automatisch verlängert).

    Echte Flatrates gibt es hier in Massen. Insgesamt gibt es vier große Anbieter und eine 16er Leitung kosten um die 600 bis 800 Baht (15-20 Euro) im Monat. Und da wird nichts gedrosselt (auf meinen neuen PC habe ich über Steam und Origin wieder etliche Spiele gedownloadet, das waren mehrere hunderte Gigabytes). In Großstädten und Touristenzentren ist das Internet in Thailand sehr gut ausgebaut. Teilweisse bis 100 Mbps. Auf dem Land sieht es da ganz anders aus – da gibt es keine Festnetzanschlüsse und man muss auf solche Tarife wie im Prospekt zurückgreifen).

    3.11.2013 um 9:58

  5. Froschs Blog: » Im Netz aufgefischt #134 schreibt:

    […] Peter Piksa: Wie das Internet aussehen wird, sobald Telekom & Co. die Netzneutralität beerdigt haben (via […]

    3.11.2013 um 13:25

  6. ilf schreibt:

    Tyram: Niemand hat behauptet, dass das für DSL gilt. Aber ist Mobilfunk kein Internet? Auch dort wollen wir ein neutrales, echtes Netz. Und kein Skype-Verbot oder YouTube-Upgrade.

    3.11.2013 um 16:42

  7. Tyram schreibt:

    @ilf

    Auch in Thailand gibt es für den Mobilfunk ein neutrales Netz. Dieses ist aber im Vergleich zu den speziellen angebotenen Tarifen wie im Prospekt teuer.

    Ein “normaler” Thai verdient zwischen 200-300 Baht pro Tag (5-8 Euro) und eine Flatrate für Mobilfunk kostet 1500 Baht aufwärts – das können sich nur Ausländer oder betuchte Thais erlauben.

    Ich habe in meiner Wohnung eine Internetflatrate mit 16 Mpbs für 599 Baht und nutze für mein Smartphone einen Volumentarif (30 Tage 3G mit 1,5 GB)für 399 Baht (rund 10 Euro).

    Ganz anders sieht es in Laos aus. Wenn man überhaupt mal Glück hat einen Internetanschluss zu finden sind unglaublich viele Seiten gesperrt (also nicht nur Pornoseiten, sondern auch fast alle ausländischen Nachrichtenseiten, Facebook, youtube usw). Aber das ist im Gegensatz zu Thailand auch dritte Welt und dort herscht richtige Armut.

    3.11.2013 um 17:29

  8. Alfons schreibt:

    Ich stimme Tyram im Prinzip zu und sehe die Situation in Thailand auch nicht so dramatisch. Ich benutze allerdings Internet nur mit Flatrate von zu Hause aus. Die Situation (Netzverbreitung, Verbindungsstabilität, Preis-Leistungsverhältnis, Geschwindigkeit, Kundenservice) hat sich von Jahr zu Jahr verbessert. Allerdings ist die TOT, die etwa der dt. Telekotz entspricht, besser zu meiden. Es gibt Bestregungen und Aktivitäten zu flächendeckendem freiem Internetzugang, aber in einem Land wie diesem braucht eben alles noch mehr Zeit und die verbreitete Korruption ist dabei auch nicht förderlich. Drosselung im eigentlichen Sinne sehe ich nicht, aber (finde ich irgendwie natürlich) abgestufte Angebote mit unterschiedlichem Preis für unterschiedliche Geschwindigkeiten. Dabei hat sich gezeigt, dass das teuerste Angebot eher überflüssig ist und man mit z.B. dem zweitteuersten oder einem mittleren genauso gut bedient ist. Das sind für mich (zu zweit mit wlan) beim derzeitigen Wechselkurs € 15.- pro Monat, was gut 2 Tage Arbeit bei (nicht immer bezahltem) Mindestlohn sind. Die “Drosselung” ergibt sich durch das allgemeine Surfaufkommen “von selber”, so dass die von den Anbietern genannten theoretischen Geschwindigkeiten sehr oft nicht erreicht werden (können), vor allem von Freitagnachmittag bis Sonntagabend. Das ist wie Stau auf der Autobahn: erlaubt sind 120 oder mehr, aber man kann sie nicht fahren. Das ist auch der Grund, warum sich die obersten Angebote nicht lohnen.

    4.11.2013 um 3:56

  9. ilf schreibt:

    Ich erkenne den Zugangs-Aspekt durchaus. Drüben bei Netzpolitik steht:

    “Nun könnte man tatsächlich argumentieren, dass der Zugriff auf einige Webseiten besser ist als gar kein Internet, vor allem aus Entwicklungs-Perspektive. Das greift aber zu kurz, denn wir wollen nicht Facebook oder Google für alle, sondern Internet und freie Kommunikation für alle, eben Internet als Menschenrecht.”

    https://netzpolitik.org/2013/free-zone-google-und-die-netzneutralitat-sind-schon-lange-nicht-mehr-beste-freunde/

    Dazu stehe ich.

    Und das kostenlose WLAN von TOT an jedem 7-Eleven ist toll, besser als Berlin! :)

    7.11.2013 um 14:10

  10. Lesenswertes 09/11/2013 | Sebastian Booch schreibt:

    […] Wie das Internet aussehen wird, sobald Telekom & Co. die Netzneutralität beerdigt haben » Blog… Ziemlich erschreckende Bilder aus Fernost. Wenn es hier so weit kommt, kann man seinen Internet-Anschluss wohl gleich kündigen und dieses Internet einfach aussitzen. […]

    9.11.2013 um 8:14

  11. Webfunstücke 0004 | Techsuppe schreibt:

    […] Das Internet ohne Netzneutralität Ein paar Screenshots von Telkoflyern aus Asien. So wird es wohl in ein paar Jahren hier auch ausshen. Schade :-/ […]

    10.11.2013 um 7:45

  12. Vihart – Net Neutrality in the U.S. | Tobis Bude schreibt:

    […] Zumindest auf europäischer Ebene wurde die Netzneutralität erstmal gestoppt. Wenn es irgendwann die Netzneutralität nicht mehr geben wird, könnte es bald so aussehen: Klick […]

    11.5.2014 um 20:37

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