Blog von Peter Piksa

G Data bewirbt seinen Virenschutz mit dem Slogan dieser sei “Gut gegen Geheimdienste”

Wie ich soeben erfahren habe, bewirbt das in Bochum ansäßige Unternehmen G DATA Software AG seine Antivirenlösung “InternetSecurity 2014″ mit dem Slogan “Gut gegen Geheimdienste”.

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Nun kann man einen solchen Move freilich als “am Puls der Zeit” bewerten, immerhin wird seit über zwei Monaten in der Weltöffentlichkeit thematisiert, wie die Geheimdienste zahlreicher Regierungen allen voran amerikanische und britische eine Vollüberwachung der (digitalen) Menschheit durchführen.

Ich neige jedoch zu einer anderen Bewertung.

Als Informatiker und ehemaliger Angestellter bei einem (anderen) Antivirenhersteller will ich die Öffentlichkeit dringlich davor warnen, dieser Reklame von G Data auch nur einen Hauch Vertrauen zu schenken.

Man kann nur hoffen, daß die fürs Marketing Verantwortlichen bei G Data kein sehr umfängliches Verständnis von dem haben, was eine Antivirensoftware zu leisten im Stande ist – und was eben nicht. Dann nämlich ließe sich eine solche Reklame noch unter dem Begriff “Netter Versuch” bewerten. Anderenfalls kann hier aus meiner Sicht schlechterdings nur von unverantwortlicher Irreführung die Rede sein.

Ich kann nur mit Fassunglosigkeit zur Kenntnis nehmen, daß ein solches Vorgehen vonseiten G Data auch noch in einer Linie mit der an Ahnungslosigkeit nicht zu überbietenden Empfehlung von Bundesinnenminister Friedrich steht, man möge doch zum Schutze gegen die Spähambitionen der Geheimdienste einen Virenschutz installieren (siehe Spiegel Online).

Fakten:

  • Der britische Geheimdienst GCHQ betreibt für seine Internetüberwachung mittels “Tempora” einen so genannten “FullTake”-Ansatz. Hierbei werden für drei Tage lang sämtliche Daten, derer der GCHQ habhaft werden konnte, zwischengespeichert und daraus die Bewegungsdaten (wer, wann, von wo, nach wo hin, mit wem, wie lange) extrahiert und diese anschließend für alle Ewigkeit gespeichert um schlußendlich Erkenntnisse daraus zu gewinnen. Antiviren helfen dagegen nicht im Geringsten.
  • Das US-Amerikanische Späh-Programm “PRISM” arbeitet gezielt mit Anbietern von Clouddiensten wie Apple, Microsoft, Google, Facebook, Yahoo und weiteren zusammen. Hierbei werden umfänglich Informationen über die Kunden betreffender Unternehmen an die US-Amerikanischen Geheimdienste weitergegeben. Antiviren helfen dagegen nicht im Geringsten.
  • Staatliche Trojanereinsätze, ganz gleich, ob diese nun auf Basis der Strafprozessordnung oder des BND-Gesetzes erfolgen, werden meines Wissens von Antivirenherstellern regelmäßig nicht durch Erkennung des Spähprogramms durch den Antivirus verhindert. Mir jedenfalls ist kein solcher Fall bekannt. Ferner sei anzumerken, daß besonders unter der US-Amerikanischen Jurisdiktion Anbieter von “Sicherheitslösungen” kurzerhand zur “Kooperation”, das heißt zum wohlfeilen Durchwinken staatlicher Spähprogramme gezwungen werden können. Wie groß die Bereitschaft aufseiten betreffender Hersteller über derlei Vorgänge öffentlich zu sprechen sein mag, kann sich jeder selbst denken.

Grundsätzlich sei noch anzumerken, daß der Einsatz von Antiviren generell eine eher schlechte Idee ist. Was man stattdessen tun sollte, habe ich Ende 2011 in einem Gastbeitrag für das Anti-Botnetz Beratungszentrum notiert.

Thorsten Krauel hat wieder zugeschlagen und Peter Tauber (CDU) applaudiert

Großer Gott, ich habe nur den Einleitungstext von “Selbst ernannte Retter” gelesen und schon war mir klar, daß das Murks sein muss: Edward Snowden hat durch seine Veröffentlichung angeblich “die Welt an den Rand des Abgrunds gebracht”.

Autoren, die so etwas schreiben, müssen wirklich in einer Welt leben, deren Zeitstrahl längs zur eigentlichen Realität verläuft. Nur eben umgekehrt und sich selbst im Kreis drehend. So, als sei Snowden vom Bösen und nicht etwa die Überwachung der Geheimdienste.

Unfassbar! m(

Richtig geil ist auch dieser Abschnitt hier:

“Es waren Menschen wie Edward Snowden – politisch denkende, von ihrem Gewissen geplagte Zeitgenossen, die eine fatale Entscheidung trafen: Sie selber wüssten am besten, was jetzt gut für Amerika sei. Sie wissen es aber nicht.”

Gruselig, wie hier moralisch handelnde Menschen nach Meinung des Autors schlechthin “fatale Entscheidungen” getroffen haben. Gruseliger als das noch ist aber die Tatsache, daß nicht in einer einzigen Silbe bemerkt wird, daß nicht diese Menschen den Stein ins Rollen gebracht haben, sondern jene, die sich so widerlich verhalten, daß sie ihr handeln lieber im geheimen vollziehen. Die Geheimdienste nämlich und oder die einzelne Machthabende.

Das ist widerwärtigste Solidarisierung mit denen, die unsere Freiheit, unsere Menschenrechte und den Frieden in der Welt abzuschaffen gedenken. Abstoßend! Und bei wem habe ich den Link hierzu gefunden? Na? Auf Facebook bei dem CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Tauber, der diesen Text für

“einen der besten Artikel zur aktuellen Debatte um die Geheimdienste”

erklärt.

Unfassbar, ich kann mir nur wiederholen!

Und dann scrollst Du ganz runter in dem Text und stellst fest, das Thorsten Krauel der Autor ist. Lest ihr zufällig mein Blog? Nee? Den Thorsten Krauel habe ich in meinem Blog schon einmal erwähnt. Das war im November 2011. Krauel schrieb damals – ebenfalls für “Welt Online” – über die Vorratsdatenspeicherung folgendes nieder:

“Die generelle Datenspeicherung hat ihren Sinn. Im Licht der aufgedeckten Verbrechen wäre eine Aufbewahrung aller Verbindungsdaten für mindestens fünf bis zehn Jahre sogar sehr empfehlenswert – einschließlich des Rechts der Strafverfolger, nachträgliche Bewegungsprofile zu erstellen.”

Passt. Und zwar wie Arsch auf Eimer! m(

Weshalb CDU/CSU und FDP Deutschland immer noch regieren

Eigentlich muss man Frau Merkel mit ihrer Behauptung, diese Bundesregierung sei die erfolgreichste seit der Wiedervereinigung nachträglich Recht geben.

Man muss sich nur vergegenwärtigen, wie unbeschadet diese Regierung der vielen Skandale zum Trotz und ihres Totalversagens zum Trotz verhältnismäßig unbeschadet weiteroperieren kann.

Ich bilde mir inzwischen ein, eine Systematik darin erkannt zu haben. Der Trick besteht kurioserweise offenbar darin, kontinuierlich an allen Fronten zu versagen. Zwar leistet die vierte Gewalt im Staate im Falle eines Skandals in Ressort 1 ihre Arbeit. Doch weil der nächste Skandal ausgehend von Ressort 2 nur zwei Wochen später stattfindet, kommt Ressort-1-Minister mehr oder minder unbeschadet aus der Sache heraus, die Aufmerksamkeit richtet sich ja inzwischen auf den aktuellen Skandal aus Ressort 2.

Man fährt den Wagen vor die Wand und noch bevor es wirklich brenzlig wird, macht es schon an der nächsten Ecke bumms. Verteidigungsminister Thomas de Maiziere, der bis vor kurzem noch mit Drohnenproblemen zu kämpfen hatte, hat den Staffelstab der medialen Aufmerksamkeit ja ganz offensichtlich vor einigen Wochen an den Innenminister Friedrich übergeben. Über de Maiziere spricht inzwischen niemand mehr. Gelöst wurde das Drohnenproblem freilich noch immer nicht – und de Maiziere ist noch immer im Amt. De Maizieres Vorgänger Karl-Theodor zu Gutenberg oder auch Annette Schavan hatten da nicht so viel Glück.

Zum Glück. Immerhin.

Inzwischen gewinne ich aber den Eindruck, daß der Rücktritt eines versagenden Ministers nicht mehr in erster Linie durch sein Versagen getriggert wird, sondern letztlich davon abhängt, ob CDU/CSU und/oder FDP sich in der unmittelbaren Folgezeit nicht den nächsten Skandal leisten.

Ja, Frau Merkel hat Recht. Diese Regierung ist die erfolgreichste seit der Wiedervereinigung. Jedenfalls im Hinblick auf die Verhinderung von Konsequenzenziehung aus dem eigenen Dauertotalversagen.

Plötzlich ist da diese Schere im Kopf.

Heute nachmittag diskutierten meine Eltern und ich über die aktuelle Nachrichtenlage. Die Überwachung durch die NSA und andere Geheimdienste war dabei eines der Hauptthemen. Resignierend meinte meine Mutter, daß die ganze Welt vor die Hunde geht. Von ihr aus sollte eine “große Bombe” alles auslöschen und man sollte dann noch einmal neu anfangen.

Sympathischer Gedanke eigentlich. Jedenfalls solange man es bei Sarkasmus und Humor belässt.

Einige Stunden später erzählte mir eine Freundin über den Facebook-Chat, daß sie gerade auf der Suche nach einer bezahlbaren Dreizimmerwohnung sei und wie schwierig es sei eine solche zu finden. Die Nachfrage sei ziemlich groß, sie hätte schon bei mehreren Angeboten angerufen. Außerdem würden junge Paare ja immer kritisch beäugt.

“Wird alles beschissener…”, antwortete ich. Und im nächsten Atemzug schrieb ich folgenden Satz:

“Meinte meine Mutter auch schon heute. Wenns nach ihr ginge, müsste eine fette Bombe auf die Erde fallen und selbige von der Menschheit erlö…”.

Ich setzte ab ohne die Nachricht abzuschicken.
Dann löschte ich sie und schrieb stattdessen:

“Meinte meine Mutter auch schon heute”.

Mir rauschte durch den Kopf: Der Facebook-Chat wird automatisch nach Stichworten durchsucht und bei Begriffen wie “große Bombe” da überlegt man sich schon, ob man seine eigenen Datensätze mit Begriffen anreichern will, die dazu führen, daß man durch die Kaskaden der Bewertungssysteme für potenzielle Kriminelle rauscht. NSA lässt grüßen.

Im Facebook-Chat, in diesem Moment wurde mir klar, in was für einem Gefängnis wir inzwischen leben.

Die Gedanken sind frei, heißt es. Doch die Gewissheit, daß unsere digitale Kommunikation, die ja letztlich Spiegelbild unserer Gedanken ist, von Staaten und Privatunternehmen beäugt und bewertet wird, schränkt diese Freiheit ein.

Das habe ich in diesem Augenblick heute erstmalig selbst gespürt. Ich bin unter keinen Umständen bereit, das hinzunehmen. Ich bin weder gewillt, mich mit dem status quo noch mit der Perspektive, daß es in fünf Jahren noch schlimmer sein wird abzufinden.

Wir müssen unsere Regierungen und die Privatwirtschaft dazu zwingen, wieder auf den Pfad der Vernunft zurückzukehren. Die Überwachung muss zu einem Ende kommen. Unserer Freiheit willen!

Deutsche Telekom konkretisiert ihre Drosselpläne in Bezug auf die Übertragungsmengen – jedenfalls so halb.

Anfang Juni 2013 schrieb ich darüber, daß die Deutsche Telekom bei ihren Plänen, die Geschwindigkeit ihrer DSL-Anschlüsse zu drosseln, nicht genau sagen konnte, ab welcher Menge übertragener Daten genau die Drosselung einsetzt. Dieser vielgelesene Beitrag führte dazu, daß ich für die im ZDFinfo ausgestrahlte Produktion “Elektrischer Reporter” einen Gastauftritt machen durfte, in dem die ganze Sache fürs Fernsehen und Internetvideo visuell aufbereitet wurde. Das Video ist seit einigen Tagen auch auf YouTube verfügbar und enthält am Ende eine weitere Reaktion vonseiten der Telekom, auf die ich gleich näher eingehen werde.

Wie der Schlußbemerkung des Videoclips zu entnehmen ist, hat die Telekom sich nun geäußert:

“Mittlerweile hat sich die Telekom entschieden: Auf unsere Anfrage hin teilte das Unternehmen mit, dass die Drosselung ab 644 Mrd. Bit greift.”

Das ist aus Kundensicht zunächst einmal eine erfreuliche Nachricht. Zu erwähnen sei in diesem Zusammenhang auch die zwischenzeitlich stattgefundene Entwicklung, daß man nicht mehr auf 384KBit/s sondern “nur” noch auf 2.000KBit/s drosseln möchte.

Nun sollten Endverbraucher sich mit einem bloßen Lippenbekenntnis zu der Kalkulation basierend auf 1.024 jedoch keineswegs zufrieden geben. Ausweislich der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (siehe PDF) ist die entscheidende Frage, ob nun mit 1.000 oder 1.024 gerechnet wird, nämlich noch immer nicht zufriedenstellend geklärt. In den AGB ist nach wie vor nur von “GB” die Rede, weshalb das Vertragswerk inhaltlich im Widerspruch zu der Aussage aus dem Videobeitrag steht.

Ich stelle an die Telekom daher folgende Forderung:
Stellen Sie bereits in ihren AGB fest, daß die Ihrerseits verwendete Berechnungsgrundlage die IEC-Notation (Kalkulation mit 1.024) und nicht etwa die SI-Notation (Kalkulation mit 1.000) ist. Führen Sie in den AGB auf, daß die Telekom 1 Gigabyte mit 1.073.741.824 Byte definiert. Und wenn Sie es wirklich korrekt im Sinne der Mathematik machen wollen, dann schreiben Sie, daß die Drosselung ab 75 Gibibyte (GiB) beginnt. Genau das tut Sie gemäß Ihrer gegenüber “Elektrischer Reporter” getätigten Aussage nämlich.

Solange die Telekom diese Forderung nicht erfüllt, könnte sie 2016 entgegen ihrer gegenüber “Elektrischer Reporter” getätigten Aussage statt bei 644 Milliarden Bit bereits bei 600 Milliarden Bit anfangen zu drosseln. Genau das steht nämlich zurzeit noch in den Verträgen drin – und genau die sind das Einzige, was am Ende wirklich zählt!

Ich verschlüssele meine Emails. Warum nicht auch Du?

Ich weiß von mindestens zwei Personen, die ich innerhalb von drei Tagen, nur indem ich davon sprach, jetzt meine eMails zu verschlüsseln, dazu brachte, ihre Mails ebenfalls zu verschlüsseln.

Der Markus Beckedahl hat auf Netzpolitik.org geschrieben, daß unsere Bundesregierung ja auch mal etwas dafür tun könnte, daß die Bürger Deutschlands über dieses Thema aufgeklärt werden. Bei der “Gib-AIDS-keine-Chance”-Kampagne hat es doch ebenfalls mit – so sagt man jedenfalls – ansehnlichem Erfolg geklappt.

Und damit weist Beckedahl auf einen wichtigen Punkt hin, nämlich daß der Staat von sich aus darauf einwirken könnte, daß wir hier mehr mündige und aufgeklärte Bürger bekommen.

Meiner Meinung nach sollte man schon Kindern von klein auf beibringen, daß Verschlüsselung nicht nur nicht schadet, sondern im Zweifel sogar Deine Weichteile rettet und daß es aus einer logischen Ratio heraus eigentlich keine Rechtfertigung gibt, darauf zu verzichten – jetzt mal von Faulheit, Dummheit oder wegen Softwareproblemen abgesehen natürlich.

Ihr lasst euch selbstverständlich nicht von irgendeinem dahergelaufenem Draufgänger-Hansel ungeschützt flachlegen, und zwar weil ihr WISST, daß ihr euch dort den übelsten Pilz, Syphilis oder Schlimmeres einfangt. Und genau so selbstverständlich sollte es meines Erachtens auch sein, seine Festplatten, Speicherkarten und Emails zu verschlüsseln.

Das beste an der Sache: Im Gegenteil zu Sex mit Kondomen macht verschlüsselte Kommunikation sogar richtig Spaß! Alleine schon weil man sich daran erfreuen kann, daß die vielen Spanner nichts als unbenutzbaren Cryptoschrott abfangen! :-)

Von Freunden, die ihre Freunde überwachen

Tolle “Freunde”, die wir da haben.

Bis vor wenigen Minuten unterlag ich noch der irrigen Annahme, daß nicht ein einziger Hansel aus unserer Administration, wahrscheinlich noch nicht einmal jemand aus den im Bundestag vertretenen Parteien, mit Ausnahme der Linken vielleicht, das Rückgrad aufbringen wird, um spätestens jetzt mit der Regierung der USA in angemessener Tonalität und Haltung zu verfahren.

Stattdessen werden unsere Volksvertreter sich den Genuss ihres Sommerurlaubs nicht vergrämen lassen (es sei Ihnen gegönnt!) und anschließend so tun, als hätte der Spiegel nie darüber berichtet, daß unsere “Freunde” sich uns gegenüber nicht wie Freunde, sondern wie Feinde verhalten.

Irrig deshalb, weil zumindest der Grüne Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht bereits kurz nach Bekanntwerden des in Rede stehenden Übels in Form einer Pressemitteilung reagierte und die zuletzt bekannt gewordenen ethisch-moralischen sowie mutmaßlich auch (völker)rechtlichen Grenzübertretungen angemessen geißelt:

“[...] Niemand ist mehr vor Überwachung sicher! Das Europäische Parlament ist nun – als offenbar letztes Bollwerk des freiheitlich-demokratischen Rechtsstaats – gezwungen, sofort zu handeln.

Nicht nur bedarf es einer schonungslosen Offenlegung und Aufklärung der dramatischen Grenzübertretungen von Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden beiderseits des Atlantiks. Es müssen nun alle Mittel des verbleibenden Rechtsstaates genutzt werden, um diese massiven Rechtsverstöße zu ahnden und deren Rechtswidrigkeit festzustellen.

Die EU-Kommission muss ein Vertragsverletzungsverfahren gegenüber EU-Staaten als auch eine Beschwerde vor dem Internationalen Gerichtshof gegenüber den USA einleiten. [...]“

Parallel dazu sei aus meiner Sicht nur noch anzumerken, daß es für deutsche Politiker sowie die deutsche Zivilgesellschaft spätestens jetzt an der Zeit ist, das “freundschaftliche Verhältnis” zur US-Amerikanischen Regierung und ihrem Staats- und Geheimdienstapparat neu zu beurteilen.

Freilich darf eine kritische Betrachtung der eigenen Handlungen und ihren zu Grunde liegenden Maximen nicht außenvorbleiben. Deutschland könnte ja durchaus Gefahr laufen, von seinen “Freunden” Doppelzüngigkeit und das Messen mit zweierlei Maß vorgeworfen zu bekommen.

Vorwürfe, die übrigens zu Recht erhoben würden.

Wie mein Raspberry Pi meinen Sonnenstrom zu Bitcoins macht

Erstaunlich, zu was es die Bitcoin-Szene bereits gebracht hat. Inzwischen ist man so weit angekommen, daß man sich speziell für das Minen von Bitcoins angefertigte ASIC-Chips anfertigen und diese zu speziellen Mining-Boards zusammenlöten lässt. Drei sehr handliche USB-Bitcoin-Miner habe ich mir in den vergangenen Tagen zugelegt. (Update vom 05.10.2013: Inzwischen lassen sich besagte USB-Miner sogar sehr günstig bei Amazon bestellen!)

ASICBlockErupter

Das Produkt hört auf den Namen “Block Erupter” und liefert ziemlich genau 332 bis 336 MHash/s – bei einem Stromverbrauch von gerade einmal 3 Watt, wohlgemerkt. Zum Vergleich: Würde ich meine beiden ATI-Grafikkarten in meinem Computer minen lassen, was ich eine ganze Zeit lang getan habe, hätte ich einen Stromverbrauch von etwa 160 Watt und gerade einmal 210 bis 220 MHash/s. Ich habe meine Performance mit diesen drei ASIC-Minern etwa verfünffacht, den Stromverbrauch gleichzeitig auf etwa ein Fünfzehntel meines alten Setups minimiert.

Natürlich brauchen die Sticks einen Computer, der sie mit Daten füttert. Und hier kommt mein Raspberry Pi zum Einsatz, für den ich bislang noch keine richtige Aufgabe hatte. Der auf Twitter als MineForeman agierende Neil Fincham hat für den Raspberry mit dem “Minepeon” eine Software geschrieben, die speziell für das Betreiben von FPGA/ASIC-Minern auf dem Raspberry konzipiert ist. Dieses Paket ist für jemanden wie mich, der von Linux kaum Ahnung hat, ein einziger Traum. Die Inbetriebnahme ist in wenigen Schritten erledigt:

1.) Image runterladen und auf die Speicherkarte schreiben.
2.) Das Webfrontend aufrufen und Mining-Pools konfigurieren.
3.) Mining-Hardware anschließen, fertig!

Über das Webfrontend liefert der Minepeon außerdem schöne grafische Logs über die Performance, und zwar in einer übersichtlichen Ansicht für Stunden, Tage, Wochen, Monate und Jahre:

mhsav-day

Um die Block Erupter an einem Raspberry Pi zu betreiben, braucht man zwingend einen USB-Hub mit externer Stromversorgung. Jeder Stick braucht etwa 550 Milliampere Strom, der Raspberry liefert jedoch bloß etwa 130 Milliampere pro Port und ist damit ungeeignet.

Problematisch ist aus meiner Sicht lediglich die Hitzeentwicklung der Sticks. Diese sind zwar mit einem kleinen Passivkühler versehen. Aus meiner Sicht ist der jedoch nicht ausreichend. Bereits nach wenigen Minuten im Betrieb werden die Block Erupter derart heiß, daß man sich daran die Finger verbrennt, wenn man sie länger als einen Wimpernschlag berührt. Deshalb, und um die Lebenszeit meiner kleinen Investition zu erhöhen, habe ich zusätzliche Kühler angebracht:

RPiMinepeon2von2

Damit das alles auch schön aussieht, werde ich versuchen, mir drei Baugleiche Kühler wie den großen Silbernen zu besorgen. Angebracht habe ich die Kühler übrigens auf diesem Wärmeleitpad. Es lässt sich hervorragend zurechtschneiden und passt auf die Auflagefläche der Block Erupter hervorragend drauf. Sogar die Dicke des Pads ist wie maßgeschneidert: Der Standardkühler der Block Erupter ist an zwei Stellen mit herausragenden Nieten montiert. Wenn man auf den Kühler jedoch das verlinkte Wärmeleitpad legt, kann man ohne weitere Maßnahmen einen weiteren großen Passivkühler aufsetzen.

RPiMinepeon1von2

Im nächsten Schritt werde ich die gesamte Installation dahingehend umbauen, daß ich zum Betrieb des Raspberry und des USB-Hubs keinen Strom aus der Wand mehr benötige. Dieser soll direkt von meiner Solar-Inselanlage kommen. Ich mache dann meinen Sonnenstrom zu Bitcoins.

Die Telekom kann nicht genau sagen, bis zu welcher Datenmenge Daten “ungedrosselt” fließen

In den vergangenen Tagen fand zwischen der Deutschen Telekom und mir via Twitter ein Gespräch statt, das glaube ich von öffentlichen Interesse sein dürfte. Es geht dabei um die vonseiten der Telekom für 2016 in Aussicht gestellte “Drosselung” (andere sagen dazu “funktionale Kaputtmachung”) der im Festnetz-Internet tariflich bereitgestellten Bandbreite. Diese soll ab Erreichung einer übertragenen Datenmenge in Höhe von 75 Gigabyte (wobei in diese Rechnung sowohl die Downloads als auch die Uploads einfliessen) auf 384 Kilobit pro Sekunde vermindert werden.

Alles begann mit einer Frage nach der eigentlichen Datenmenge, ab der “gedrosselt” werden soll – und zwar in der Maßeinheit Bit, dem kleinsten möglichen digitalen Informationsschnipsel mit dem Computer arbeiten.

Nun ist meine Frage durchaus erklärungsbedürftig. Zum einen ist nicht für jedermann offensichtlich klar, weshalb ich gerade nach den Bits gefragt habe, wenn doch die Zahl 75 Gigabyte im Raume steht und damit eigentlich(!) schon alles klar sein müsste. Zum anderen: Wie kommt es eigentlich zu den beiden Werten “600.000.000.000″ und “644.245.094.400″.

Vorweg eine kurze Erläuterung zu den Zahlen

Wer sich schon einmal eine Festplatte mit einem Terabyte Speicherkapazität gekauft hat, wunderte sich wahrscheinlich, weshalb sein Computer die Platte nur mit rund 931 Gigabyte erkannte. Das Problem rührt daher, daß Computer auf Zweierpotenzen basieren, die Angaben Kilo, Mega, Giga, Tera und so weiter jedoch Zehnerpotenzen ausdrücken.

Festplattenhersteller beispielsweise berechnen die Kapazität ihrer Produkte nach folgendem Schema:

Kleinste mögliche Einheit = 1 Bit.
8 Bit ergeben 1 Byte.
1.000 Byte ergeben 1 Kilobyte.
1.000 Kilobyte ergeben 1 Megabyte.
1.000 Megabyte ergeben 1 Gigabyte.
1.000 Gigabyte ergeben 1 Terabyte.

Computer hingegen – ich hatte es bereits erwähnt – kennen nur Eins oder Null und arbeiten entsprechend mit einem Zweierpotenzsystem. Die Rechnung sieht demnach ein Bißchen anders aus:

Kleinste mögliche Einheit = 1 Bit.
8 Bit ergeben 1 Byte.
1.024 Byte ergeben 1 Kibibyte.
1.024 Kibibyte ergeben 1 Mebibyte.
1.024 Mebibyte ergeben 1 Gibibyte.
1.024 Gibibyte ergeben 1 Tebibyte.

Kibi/Mebi/Gibi-bittewas? Klingt auf den ersten Blick komisch, ist aber so. Weil Angaben wie “Kilo” nun einmal 1.000 und nicht die für Computer relevanten 1.024 ausdrücken, wurde eines Tages die so genannte “IEC-Notation” eingeführt, die wiederum Ordnung in das ganze Schlamassel bringt. Die IEC-Notation führt erstmalig Binärpräfixe (also das Kibi, Mebi, Gibi usw.) ein und erlaubt eine sinnvolle weil aus Kundensicht eindeutige Angabe einer Speicherkapazität.

Zum besseren Verständnis: Die Angabe “600.000.000.000 Bit” entspräche der Rechenart eines Festplattenherstellers und somit 75 Gigabyte bzw. 69.84 Gibibyte. Wohingegen “644.245.094.400 Bit” dem entspräche, was man eigentlich erwarten würde, 75 Gibibyte. Was man hierbei wissen muss: Ein Windows-Betriebssystem rechnet intern mit IEC-Notation, also in Gibibyte, stellt die Größe einer heruntergeladenen Datei jedoch in Gigabyte dar. Es ist daher wichtig, zu wissen, wie viel denn nun wirklich geladen werden kann!

Ich habe mich also gefragt: Wenn Angaben von Festplattenherstellern und Betriebssystemen aus Kundensicht verwirrend sind, weshalb sollten ausgerechnet Telekommunikationsdienstleister hier eine Ausnahme sein?

Um eine hieb- und stichfeste Angabe über das maximal übertragbare ungedrosselte Datenvolumen eines Telekom-Datentarifes zu erhalten, fragte ich also an, wie viele Bits man übertragen darf, bevor die “Drosselung” greift.

Das zu beantworten sollte für die Telekom ja eigentlich nicht so schwer sein. Immerhin sind ja schließlich sie diejenigen, die sich ihre Verträge und das Konzept der “Drosselung” ausgedacht haben. Aber “denkste!”, wie der nachfolgende Antworttweet beweist:

“Na gut, fragt mal!”, dachte ich mir. Ich warte dann so lange am Empfang. Lang können die Gänge bis zum Kollegen ja selbst in einem großen Unternehmen wie der Telekom ja nicht sein. Ich wartete also… bis zum nächsten Tag – worauf ich dann doch noch einmal nachfragte:

Wenige Minuten später dann die Antwort:

Das war am 1. Juni. Alles klar, die Gänge sind offenbar doch länger, als ich erwartet hatte. Lassen wir den Damen und Herren in ihren magentafarbenen Hemden doch noch eine Weile. Lange kann es ja nicht mehr dauern! Zwei Tage später, es war bereits der 3. Juni, hatte ich leider noch immer keine Antwort erhalten, fragte erneut nach und erhielt auch prompt eine Reaktion:

Ok..? Die “Fachabteilung” kann Stand Juni 2013, zu einem Zeitpunkt also, an dem die Telekom ihren Kunden bereits eine funktionale Zerstörung ihrer Internetbandbreite in Aussicht gestellt hatte, sobald eine bestimmte Menge an Daten geflossen ist, nicht zweifelsfrei benennen, wie groß die ungedrosselte Datenmenge denn nun eigentlich ist? Ernsthaft?

Wohlgemerkt: “Fachabteilung”. Und das, obgleich die Verträge bereits stehen! Mein Gesprächsverlauf war inzwischen auch Dritten (möglicherweise Telekom-Kunden) aufgefallen, die sich zu Wort meldeten:

Und so fragte ich dann doch noch einmal nach…

…und erhielt am Folgetag eine Antwort, die eigentlich nichts sagt, und gleichsam doch so vieles offenbart:

Bleibt eigentlich nur noch die Frage offen, ab wieviel übertragenen Bits der Internetzugang funktional kaputt gemacht wird. Die Kernfrage. Nicht etwa irgendein unwichtiges Detail am Rande.

Es ist ja nicht so, daß es hier um Erbsenzählerei ginge. Der Unterschied beträgt immerhin 7.37 Prozent beziehungsweise 5.15 Gibibyte beziehungsweise 5.53 Gigabyte.

Und unabhängig davon, ob meine Ausführungen zu Gigabyte und Gibibyte nun verständlich waren: die besagten Fünf-komma-Qietsch Giga/Gibibyte sind eine Größenordnung, für die es sich zu fragen lohnt – besonders wenn man sich vor Augen hält, daß der Datenhunger künftiger Internetdienste weiter wachsen wird, und zwar unabhängig davon, ob der gebuchte Tarif nun einem Singlehaushalt oder einer Familie mit drei internetbegeisterten Kindern dient.

2006 warb die Telekom noch mit dem Slogan “Hallo Zukunft!”. Was Telekomkunden 2013 respektive 2016 bekommen, sieht man ja.

So plusminus 5 Giga/Gibibyte jedenfalls…

TL;DR / Fazit

Die Telekom kann nicht genau sagen, bis zu welcher Datenmenge Daten “ungedrosselt” fließen, obwohl die “Drosselung” bereits heute in den Verträgen steht. Das ist mindestens peinlich. Um Klarheit zu schaffen, muss vonseiten der Telekom bloß angegeben werden, ob das magentafarbene Gigabyte nun aus 8.000.000.000 oder 8.589.934.592 Bit besteht.

Tut sie dies nicht, ist davon auszugehen, daß der kleinere Wert zieht. Die Drosselung griffe demnach bereits bei einer übertragenenen Datenmenge, ähnlich wie bei dem Problem mit den Festplatten, die kleiner ausfiele als dem Kunden sugerriert wird – statt bei 75 wäre bereits bei rund 69.8 Schluss mit Highspeed.

Kunden der Telekom sollten vonseiten der Telekom Klarheit einfordern – und zwar jetzt, und nicht erst ab 2016. Auch alle übrigen Telekommunikationsanbieter sollten ihr Verständnis von Gigas und Gibis öffentlich klären – und zwar zumindest im Kleingedruckten.

Der Sinn und Unsinn von Petitionen

Nicht erst seit jüngster Zeit machen besonders in den politisch interessierten Ecken der sozialen Netzwerke immer wieder Petitionen die Runde. Eines bleibt dabei so gut wie niemals aus: Die allgemeine Kritik an Petitionen und die damit verbundenen aus meiner Sicht bedauernswerten Folgen. Zwar sind Petitionen durchaus kritikwürdig. Doch die Chance, auf den demokratischen Willensbildungsprozess einzuwirken, ist ein Argument, das alle Kritik aussticht. In diesem Beitrag will ich versuchen, Kritiker von der Tauglichkeit von Petitionen überzeugen.

Demokratie: Spiel und Spaß für die ganze Familie!

Wie war das noch gleich mit der theoretischen Lehre von der Demokratie? Ach ja, richtig: Menschen haben meist unterschiedliche Interessen und Ansichten. Sie haben unterschiedliche Vorstellungen davon, wie eine Gesellschaft am besten funktionieren könnte. Wie man Frieden und Gerechtigkeit für möglichst alle erreicht; wie man Reichtum verteilt und nach welchen Regeln das Zusammenleben aller am besten funktionieren könnte.

Um die daraus entstehenden Spannungen möglichst klein zu halten, entwickelte man eines Tages das Konzept “Kompromiss”. Bei einem Kompromiss handeln die Vertreter gegenläufiger Interessen einen Mittelweg aus, mit dem alle irgendwie leben können. Naturgemäß bekommt dabei keine der beteiligten Parteien 100 Prozent dessen, was sie ursprünglich gefordert hat, aber es findet ein Interessenausgleich statt, der bestenfalls für alle Parteien akzeptabel ist.

Theorie ist eine tolle Sache, weil in ihr meistens alles wunderbar funktioniert. Das Problem: Die Theorie hat einen ungezogenen kleinen Bruder, der auf den Namen “Praxis” hört. In der Praxis treffen Altruisten (das sind Menschen, die am Gemeinwohl interessiert sind) auf Egoisten. Egoisten scheren sich meist nicht um die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Mitmenschen. Sie setzen gerne rücksichtlos auf alle und alles andere ihre eigenen Wünsche um.

In der Praxis sieht das dann so aus, daß ganz Wenige ganz viel haben; Viel Kapital, viel Einfluss – viel von allem. Die meisten anderen hingegen, gehen betteln (oder werden aus ökonomischen Zwängen heraus Leiharbeiter), können kaum mitreden geschweige denn mitentscheiden und sind die meiste Zeit damit beschäftigt, chronischen Mangel an allem zu verwalten.

(Letzteres freut übrigens ganz besonders die herrschende Personengruppe. Die muss sich dann nämlich weniger darum sorgen, daß der verarmte Pöbel aufbegehrt. Wie sollte er denn auch – mangels Zeit, Gesundheit, Möglichkeit zur Einflussnahme und finanzieller Mittel?)

Wir sprechen also von Mächtigen und Ohnmächtigen. Am Ende dreht sich alles um die Machtfrage!

Mächtig sind in einer Demokratie neben den Schwervermögenden an erster Stelle die Regierenden, also die Bundesregierung. Die Bundesregierung, das lehrt uns bereit das Grundgesetz in Artikel 20 Absatz 2, unterliegt letztinstanzlich dem Willen des Volkes. Artikel 20, Absatz 2 des Grundgesetzes lautet:

“Alle Staatsgewaltgeht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.”

Auch das ist zunächst einmal: nur Theorie. Die Praxis sieht – das weiß jeder, der, wie ich, einmal die SPD gewählt und sich anschließend massiv verraten gefühlt hat – anders aus. In der Praxis versuchte wohl jede bisher existierende Bundesregierung sich irgendwie durchzumogeln; irgendwie, möglichst still und ohne viel Aufsehen zu erregen, die Interessen derjenigen durchzusetzen, denen ihre Loyalität eigentlich gilt.

Das war am Beispiel der SPD ein Unternehmen, dessen Eigentümer auf den Namen Maschmeyer hört. Bei der FDP sind das Hoteliers oder die deutsche Textilindustrie. Bei der CDU… ich glaube, man versteht, worauf ich hinauswill.

Demokratie ist nicht nur Spiel, sondern auch ein Kampf, den es sich zu kämpfen lohnt!

Wer Demokratie, Teilhabe, Mitbestimmung oder “einfach” eine bessere Welt haben will, der wird sie für sich und seine Mitmenschen erkämpfen müssen – Im Kampf gegen die Egoisten, im Kampf gegen die Arroganz und Ignoranz der Herrschenden. Im Kampf gegen Menschen wie unseren Vizekanzler Phillip Rösler – seines Zeichens Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, gleichzeitig Bundesvorsitzender der FDP und zu allem Überfluss auch noch Vizekanzler Deutschlands.

Ich erwähnte es bereits: Arroganz und Ignoranz gehen bekanntlich gerne Hand in Hand. Und so verwundert es auch nicht, daß Philipp Rösler mal eben 242.000 Bürger, die eine Petition gegen Wasserprivatisierung unterzeichnet haben, schlichtweg ignoriert. Campact, der Initiator dieser Petition hat hierzu eine Bekanntmachung veröffentlicht. Rösler verweigert einfach die Annahme der Unterschriftenliste. Dahinter steht ein Kalkül, an dem ich verdeutlichen will, weshalb Petitionen sinnvoll sind:

Wer als Mitglied der Bundesregierung 242.000 Unterschriften von kritisierenden Bürgern in Empfang zu nehmen hat, der ahnt, daß er mit Presse und mit Berichterstattung, mit einer immer lauter werdenden inner- und außerparlamentarischen Oppositionen, mit Bloggern und sozialen Netzwerken – kurzum: mit einer größer werdenden kritischen Öffentlichkeit zu kämpfen haben wird und daß er, falls er denn auf lange Sicht nicht den letzten Rest seiner Akzeptanz verspielen will, seine Loyalität wieder dem Volk geben werden wird.

Was haben also Petitionen mit den oben beschriebenem Mechanismus zu tun?

Ganz einfach: Wo eine Petition ist, da kann öffentliches Interesse wachsen. Wo eine Petition ist, da bekommt ein Bundesminister wie Philipp Rösler die Gelegenheit geboten, unmissverständlich klar auszudrücken, wie sehr er auf die Interessen des Volkes pfeifft. Und genau dieser Sachverhalt kann publikgemacht werden, was wiederum dazu führt, daß mehr Menschen begreifen, daß es bei der nächsten Wahl wohl eher eine ganz schlechte Idee ist, sein Kreuz bei der FDP zu machen.

Überhaupt, diese Sache mit den Wahlen: Immer wieder höre ich (teils zu Recht, teils zu Unrecht) die Beschwerden darüber, daß Bürger kaum Möglichkeit hätten, auf die Politik in diesem Land einzuwirken und daß es nicht befriedigend ist, bloß einmal alle vier Jahre wählen zu können.

Nun, unabhängig davon, daß neben der vierjährigen Bundestagswahl auch noch Landtags- und Kommunalwahlen stattfinden, sei darauf hingewiesen, daß es schlicht töricht ist zu glauben, daß Politik sich von jetzt auf gleich ändert! Wer die Politik in diesem Land verändern will, der muss das Denken der Menschen beeinflussen und der muss Sorge tragen, daß sich die Kenntnis darüber wer Gutes und wer Schlechtes tut, sich herumspricht. Hier ein konkretes Beispiel:

Ich habe Philipp Röslers arroganten Umgang mit 242.000 Bürgern als abstoßend empfunden und das öffentlich auf Facebook und Twitter zum Besten gegeben.

Auf Facebook führte das dazu, die bislang noch nichts wussten, sich empörten, kommentierten und – viel wichtiger: die Sache weiterverbreiteten! Mein obiges Posting auf Twitter führte nicht zuletzt dank eines Retweets des reichweitenstarken Nutzers Holger Klein (mal eben über 20.000 Follower) zu einem Kickstart, was die weitere Verbreitung der Nachricht beförderte.

Ihr, der Mob, seid der Souverän! Werdet euch eurer Macht bewusst und setzt sie endlich ein.

Man mag die Verbreitung der Nachricht als klitzekleinen Partikel betrachten. Ja, das ist er auch. Aber wollt ihr auf diese Partikel verzichten? Wollt ihr ernsthaft Transparenz in demokratischen Prozessen fordern und gleichzeitig aber auf derlei Partikel verzichten, die in Ihrer Summe genommen geeignet sind, dem an chronischer Vergesslichkeit leidendem Wählergedächtnis etwas auf die Sprünge zu helfen?

Glaubt ihr ernsthaft, Radio- und Fernsehsender würden länger als zwei Tage über die Drosselkom berichten (und damit Aufmerksamkeit auf das Thema lenken!), wenn da nicht eine Petition mit über 100.000 Unterzeichnern gelaufen wäre, in der es dem Petenten (Danke, Du bist ein Held!) gelungen ist, sich medienwirksam gegen die Absichten der Telekom zur Wehr zu setzen und sei das Ergebnis auch “nur” ein Imageschaden für den magentafarbenen Konzern gewesen?

Wollt ihr ernsthaft die Chance ungenutzt lassen, daß die in sozialen Netzwerken mitlesenden Journalisten mit eigenen Augen sehen, daß ein Vorgang wie der des Herrn Rösler für Empörung sorgt, und dies zum Anlass nehmen, auf noch viel reichweitenstärkeren Print- und Onlinemedien darüber zu berichten und somit zu begünstigen, daß noch mehr Menschen lernen Gutes von Schlechtem zu unterscheiden?

Glaubt ihr auch nur für eine Sekunde daran, daß wir das Zugangserschwerungsgesetz verhindert hätten, wenn Franziska Heine nicht 134.014 Unterschriften eingesammelt und die Unterstützer dieses Gesetzes ins Licht der empörten Öffentlichkeit gezerrt hätte?

Anatol Stefanowitsch, den ich sehr gerne mag, hat mir als Reaktion auf meinen Tweet geantwortet – er argumentiert ähnlich wie auch Fefe, dessen Blog ich ebenfalls sehr gerne täglich lese:

Wer will, kann das so sehen. Ich persönlich habe dieser Ansicht ebenfalls bis vor einiger Zeit zugestimmt. Damals habe ich Petitionen so wahrgenommen, als würde das, was der Petent mit seiner Petition beabsichtigte, umgesetzt werden müssen. Klingt ja irgendwie auch naheliegend. Aber so ist es eben nicht. Eine erfolgreiche Petition verändert nicht unmittelbar unsere Gesetze. Das macht immer noch der Gesetzgeber. Aber Petitionen, besonders sehr erfolgreiche Petitionen sind eines der vielen Mittel, die 82 Millionen Bundesbürgern zur Verfügung stehen, wenn sie ein politisches Ziel erreichen wollen. Wenn ihr glaubt, auf dieses Mittel verzichten zu können, dann gebt ihr im Kampf für die Gute Sache ohne Not eine nützliche Waffe aus der Hand.

Wer bereit ist, sich von dem Irrglauben zu verabschieden, daß Petitionen eine Wunderwaffe sind; wer Petitionen als ein Werkzeug unter vielen begreift, der wird ihre Nützlichkeit zu schätzen wissen und sie anwenden.

(Und genau hierzu rufe ich im Interesse der Netzneutralität jetzt auf. Gehet hin und zeichnet die Petition für eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität! Aber glaubt nicht, daß die Schlacht damit geschlagen wäre.)

Junge Dame wehrt sich gegen sexuellen Übergriff und dokumentiert die Tat auf Twitter

Ich habe bewusst erst eine Nacht darüber geschlafen, bevor ich diesen Eintrag verfasste. Was passiert ist, wühlte mich gestern Abend auf. Ich will mit kühlem Kopf darüber schreiben.

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Am Abend des 25.05.2013 ereignete sich in einer Berliner S-Bahn im Beisein einiger Mitreisender ein sexueller Übergriff auf eine junge Dame, die möglicherweise bloß aufgrund ihrer couragierten Wehrhaftigkeit das ihr widerfahrene Übel noch halbwegs abwehren konnte.

Unter Wehrhaftigkeit ist in diesem Fall zu verstehen, daß sie sich nicht nur lautstark zur Wehr setzte, sondern zum Zeitpunkt des Vorfalls über Twitter Aufmerksamkeit auf das Geschehen lenkte.

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Nachfolgend die von ihr abgesetzten Tweets in chronologischer Reihenfolge:

(An dieser Stelle stünde eigentlich ein Tweet, in dem das Foto des mutmaßlichen Angreifers eingebunden ist. Der junge Mann befindet sich auf der Sitzfläche, hält eine Zigarette in seiner rechten Hand, die einen Teil seines Gesichts verdeckt. Mit seiner linken Hand präsentiert er seinem Opfer den Mittelfinger. Auf der Sitzfläche ihm gegenüber ist eine weitere männliche Person zu sehen, die eine – soweit ich es erkennen kann – leere Vodkaflasche ins Bild hält.

Ich binde diesen Tweet aus bewusst nicht ein. Sollte dieser Vorfall nämlich ein juristisches Nachspiel erfahren, halte ich es für durchaus möglich, daß die Verteidigung des Täters eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte ihres Mandaten geltend machen wird.

Möglicherweise ändert daran auch die Tatsache nichts, daß das Opfer dem Täter in Aussicht stellte, das Foto zu veröffentlichen und dieser sein Einverständnis gab. Aus meiner Sicht ist offensichtlich, daß ein Einverständnis im offensichtlich alkoholisiertem Zustand unwirksam ist. Der Volljurist Stefan Engeln bestätigte meinen Gedanken bereits.

Wer das Foto jedoch unbedingt sehen möchte, wird es ohnehin finden können.)

Anmerkung: Bei der unter dem Twitter-Pseudonym agierenden Marthadear handelt es sich um Anne Wizorek. Anne Wizorek brachte vor wenigen Wochen erst unter dem Stichwort “Aufschrei” eine deutschlandweite Diskussion zum Thema Sexismus ins Rollen.

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Grundsätzliches

Zunächst möchte ich der jungen Dame meine Gratulation aussprechen. Gratulation dafür, daß sie imstande war, sich gegenüber den vier Männern zur Wehr zu setzen. Gratulation dafür, daß sie die Größe besessen hat, diese Situation ganz auf sich alleine gestellt zu meistern, obwohl man eigentlich hätte annehmen müssen, daß die übrigen Mitreisenden sich hätten einschalten können – dafür jedoch offenbar zu feige waren.

Ich kann mir das große Unbehagen ausmalen, das man fühlen muss, wenn man in einer solchen Notsituation als Frau vier alkoholisierten Männern gegenübersteht und einen zu allem Überfluss auch noch die Erkenntnis trifft, daß die Mitreisenden aus welchen Motiven auch immer wegsehen.

Daß Kathy, so lautet laut Twitter der Name des Opfers, sich nicht hat einschüchtern lassen, verdient meine Anerkennung und Achtung.

Das Foto und die Diskussion um den Pranger

Es war klar, daß das kommen würde. Kaum war das Foto des Täters getwittert, ergoß sich auf Twitter eine Diskussion um den Pranger. So, als sei es Kathy zu verübeln, daß sie sich in dieser Situation zur Wehr setzte. Bei allem Verständnis für den Schutz von Persönlichkeitsrechten und bei allem Verständnis für Datenschutz: Die Konzepte Persönlichkeitsrecht und Datenschutz wurden gewiss nicht mit der Zielfunktion Täterschutz erdacht.

Mich irritiert so manche gegenüber Kathy vorgebrachte Kritik aufgrund der Veröffentlichung des Fotos. So wurde zum Beispiel angemerkt, es sei unbotmäßig den Täter ins Licht der Öffentlichkeit zu zerren. Irrtum, liebe Kritiker. Die betreffende Person und ihre drei Gefährten befanden sich zum Zeitpunkt des sexuellen Übergriffs bereits in der öffentlichen Sphäre. Die Berliner S-Bahn ist kein Bereich der Privatsphäre. Mit der Zugänglichmachung des Fotos wurde lediglich der Kreis jener erweitert, die an dem Vorgang teilhaben können.

Wer sich ernsthaft öffentlich darüber ventiliert, daß ein Opfer sexualisierter Gewalt sich auf diese Weise zur Wehr setzt, sollte sich ernsthafte Gedanken um seine Fähigkeit zur Empathie machen. Der sollte versuchen, sich einmal in die Situation von Kathy hineinzuversetzen und sich die erdrückend geringen Handlungsspielräume vergegenwärtigen, die einem da zur Verfügung stehen. Und vor allen Dingen sollte man sich einmal mit dem Begriff der Opfer-Täter-Vertauschung auseinandersetzen.

Die Forderung nach mehr Videoüberwachung

Nein, brauchen wir nicht. Videoüberwachung verhindert Straftaten wie diese nicht, richtet dafür enormen Flurschaden an. Anstelle eine debile Diskussion über Videoüberwachung vom Zaun zu brechen, sollte es Anliegen dieser Gesellschaft sein, die Ursachen der mangelnden Zivilcourage der übrigen Fahrgäste auszumachen. Es sollte Anliegen dieser Gesellschaft sein, die Opfer in Schutz zu nehmen und die Täter gesellschaftlicher Ächtung sowie der Strafverfolgung auszusetzen.

Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, in der man irrtümlicherweise glaubt, soziale Probleme mit technischen Mitteln lösen zu können. Wer das tatsächlich glaubt, ordnet den Menschen der Maschine unter. Wer das glaubt, der hat vor dem eigentlichen Problem bereits kapituliert. Wer das glaubt, der sollte von mir aus weiter daran glauben – er sollte aber nicht denen im Wege herumstehen, die gewillt sind, das eigentliche Problem zu lösen.

Update, 26.05.2013, 17:30 Uhr: Inzwischen hat sich bei mir eine Augenzeugin gemeldet, die sich imstande sieht, zur Strafverfolgung beizutragen. Ich habe Kathy die Kontaktdaten der Zeugin zugänglich gemacht und wünsche ihr für den weiteren Verlauf alles erdenklich Gute.

Gespräche mit Roland Tichy

Roland Tichy ist Chefredakteur der “Wirtschaftswoche”. Herr Tichy ist ein Mensch, der eine offenbar sehr schwerwiegende Abneigung gegen alles Grüne, Sozialdemokratische, Linke und Piratige hat. Leider neigt Herr Tichy dazu, seine Haltung nicht etwa argumentativ zu unterfüttern und auf diesem Wege seine Kritik an der Politik besagter Parteien sinnvoll rüberzubringen. Was bedauerlich ist, zumal auch an diesen Parteien einiges zu kritisieren ist. Aber heute geht es mir in erster Linie um Herrn Tichy.

Herr Tichy zeiht es vor, von “rot-grünen Umerziehungslagern” zu sprechen; wegen der um sich greifenden Bevormundungspolitik, die von diesen beiden Parteien aus seiner Sicht ausgeht. Als Chefredakteur lässt der feine Herr auch gerne schon einmal Sätze, wie den Nachfolgenden ab:

Außerdem ist Herr Tichy sauer. Sauer auf das Umweltbundesamt. Weshalb genau Herr Tichy sauer ist, das wird zumindest aus seinen Wortmeldungen auf Twitter nicht so richtig klar. Sich damit näher zu befassen, würde sich wahrscheinlich ohnehin nicht lohnen, denn kaum ist der eine Fauxpas über die Bühne gegangen, da folgt auch schon die Fortsetzung, dieses Mal auf Facebook (nachzulesen hier).

Und weil dieser so bitterlich in die Hose gegangener Versuch Satire zu betreiben mit intellektueller Brillanz in etwa so viel zu tun hat, wie dieser Mai mit gutem Wetter, freute sich der Atomkraftbefürworter und stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender Dr. Michael Fuchs (CDU) über die Facebookkommentare zu Herrn Tichys Ausflug ins Land der Satire – oder sollte ich sagen “ins Land der Zurschaustellung antiintellektuellen Unflats”? Wobei, warum eigentlich “sollte”? Ich tat genau das:

Damit sollte meine heutige Beschäftigung mit dem geistigen Output des Herrn Tichy eigentlich zu Ende sein. Eigentlich, denn Tichy fühlte sich zu einem Kommentar angeregt, der wiederum zu einem kurzen Wortwechsel zwischen ihm und mir führte:

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Nun gut. Damit war aus meiner Sicht und zu meinem Bedauern noch immer kein sinnvoller Austausch von Argumenten losgetreten, aber auf der anderen Seite bestätigt ein Dialog wie dieser meine Haltung gegenüber Menschen, die sich so benehmen, wie Herr Tichy sich benimmt.

Kurz darauf meldete sich dann aber auch noch einmal der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Dr. Michael Fuchs zu Wort, der mich zwar persönlich nicht kennt und von dem ich neben den zahlreichen Artikeln, die ich über seine Umtriebe im Laufe der Zeit auf CDUWatch.de veröffentlichte, nur sagen kann, daß er mir noch nicht ein einziges Mal eine sinnvolle Antwort auf eine ernstgemeinte Frage via Twitter geben konnte bzw. wollte. Und obgleich Herr Unions-Fraktionsvorsitzender mich nicht kennt, will er in mir einen Gutmenschen identifiziert haben:

Freilich scheint in den Augen des typischen Unionsabgeordneten der Begriff “Gutmensch” eher nicht in die Kategorie Kompliment zu fallen – aber damit kann ich leben, erinnere ich mich doch gerne daran, daß “Gutmensch” für gewöhnlich als Beleidigung für Atomkraftgegner, Tier-, Klima- und Datenschützer, für Unterstützer der Energiewende und für Bürgerrechtler verwendet wurde und nach wie vor wird.

Rundherum also Dinge, mit denen ich mich ausgesprochen gerne beleidigen lasse. Aber zurück zu Herrn Tichy, seiner Abneigung gegen alles Rote, Grüne, Linke und eigentlich allem, was nicht straff leistungsorientiert daherkommt.

Vor einiger Zeit, um genau zu sein am 2. Februar 2013 hatte ich schon einmal so ein Aufeinandertreffen mit Herrn Tichy – ebenfalls auf Twitter. Hintergrund damals war ein Castortransport, in den die rotgrüne nordrhein-westfälische Landesregierung involviert gewesen ist. Herr Tichy nahm dies zum Anlass von “klammheimlicher” Vorgehensweise zu sprechen, war jedoch nicht imstande klarzumachen, was genau an dem gesamten Vorgang eigentlich klammheimlich gewesen ist.

Nun ist es so, daß ich politische Auseinandersetzung wirklich sehr schätze – besonders wenn sie mit dem politischen Gegner erfolgt. Nur muss sie inhaltlich fundiert sein, will heißen: Sie muss Fakten aneinanderreihen, die Mosaiksteine zusammenlegen und es einem Außenstehenden ermöglichen, sich entweder selbst ein vollständiges Bild zu machen oder eben schlicht zu überzeugen. Was ich hingegen weniger schätze, ist es, wenn lautstarke Möchtegern-Meinungsführer ihre persönliche Ansicht in den öffentlichen Raum drücken und sich anschließend aber, konfrontiert mit Angriffen inhaltlicher Natur, nur mit persönlichen Angriffen zu behelfen wissen.

Auf Roland Tichy scheint eher letzteres zuzutreffen, wie die beiden nachfolgenden Fotos meiner Diskussion von Anfang Februar mit ihm nahelegen:

Ich bitte die schlechte Bildqualität zu entschuldigen. Zu dem Zeitpunkt als diese Fotos entstanden, musste ich meine Tablet mit dem Mobiltelefon abfotografieren, um die Diskussion zu dokumentieren.

pprt2

pprt3

Im Übrigen stellte es sich als glückliche Handlung heraus, Fotos von der Diskussion anzufertigen. Wenige Minuten, nachdem ich Herrn Tichy erklärte, daß er sich mit seiner dumpfbackigen Art mich dem Lager der Sozialdemokraten zuzuordnen (wohlgemerkt ohne mich persönlich zu kennen) schwer in die Nesseln gesetzt hatte, löschte er seine Tweets.

Ich frage mich gerade, wie lange es wohl dauert, bis Herr Tichy auch seine Wortbeiträge zu seinen Schwerpunkten “Reichsklimakammer” und “Umerziehungslager” wieder kassiert. Oder wie lange die Geschäftsleitung der Handelsblatt GmbH in Gestalt von Frau Michalski sowie den Herrschaften Mertens und Steingart sich diesen im Namen ihres Unternehmens verbreiteten Unflat noch anzusehen gedenken. Aber möglicherweise werden derlei Eskapaden in Wahrheit ja sogar für gut befunden.

“Verfassungsschutz”

Wenn ich behaupte, daß Geheimdienste bereits aufgrund ihrer Arbeitsweise mit einer Demokratie unvereinbar sind und daß insbesondere der so genannte “Verfassungsschutz” liquidiert werden muss, werde ich regelmäßig von unterschiedlichsten Leuten angegangen ob ich denn noch richtig ticke.

Ein paar Wochen später dann lese ich Zeitungsberichte wie diesen hier. Das ist immer wieder der Moment, an dem ich mir vergegenwärtige, daß die Kritiker meiner Forderung meine Argumente bislang nicht widerlegen konnten, während selbige durch immer neue Vorfälle gestützt werden.

Immerhin bin ich nicht der Einzige, der sich fragt, wer die in Deutschland lebenden Menschen eigentlich vor diesem “Verfassungsschutz” schützt.

Passivkühler für den Raspberry Pi

Kürzlich habe ich mir einen Raspberry Pi gekauft. Das ist ein Computer, der so klein ist, daß er in einer Zigarettenschachtel passt. Ein hübsches kleines Teil, mit dem ich einfach mal diverse Dinge ausprobieren will. Bei der Gelegenheit kann ich mir gleich ein paar bis dato nicht existente Linux-Kenntnisse aneignen.

Als ich den Raspberry mit seinem 700 MHz schnellen Prozessor das erste Mal ausprobierte, empfand ich das System verhältnismäßig ruckelig. Um das Problem zu beheben, habe ich vor, das Gerät zu übertakten. Damit meine Investition nicht den Hitzetod stirbt, arbeite ich zurzeit an der Anbringung eines Passivkühlers. Ich möchte an dieser Stelle beschreiben, wie ich dabei vorgegangen bin.

Zunächst einmal habe ich mit eine Schieblehre die Abstände der Komponenten auf der Platine vermessen, um die Dimension des Kühlers bestimmen zu können. Den Kühler selbst habe ich von einer alten ausrangierten Grafikkarte abmontiert. Das Bild unten zeigt den Raspberry Pi, rechts davon meine Vermessung und oben den alten Grafikkartenkühler:

rpikühler

Auf dem Kühler selbst liegt ein Stück Papier, das ich dazu benutzt habe, auf der Unterseite mit einem Bleistift die Schnittlinien einzuzeichnen. Zu meinem Glück befanden sich die Schnittlinien auf allen Seiten genau zwischen den nach oben gerichteten Kühlrippen des Kühlers.

Der Zuschnitt des Kühlers war kein Hexenwerk. Aluminium lässt sich mit einer handelsüblichen Säge verhältnismäßig gut sägen. Empfehlenswert ist es, den Kühler vor dem Sägen fest einzuspannen, wobei darauf geachtet werden sollte, Dämmmaterial einzusetzen, damit die Kühlrippen nicht verbiegen. Außerdem sollte man den Kühler nicht zu fest einspannen, weil sich sonst die Bodenplatte verbiegt. Fertig eingespannt und bereit zum Sägen sieht das ganze wie folgt aus:

rpikühlereingespannt

Nachdem ich mit allen Schnitten fertig war, habe ich die Kanten noch mit einer Feile geglättet. Das beinahe fertige Ergebnis sieht ganz zum Schluß wie folgt aus:

raspberrypi_with_heatsink

Ich schreibe “beinahe fertig” weil mir bisweilen noch beidseitig klebender Wärmeleitstreifen fehlt. Außerdem muss ich mir noch eine Lösung für ein weiteres Problem einfallen lassen: Der kleine Chip unterhalb der USB-Buchse ist geringfügig tiefer als der größere Chip in der Mitte der Platine. Mit einem Quentchen Glück werde ich das Problem allerdings bereits mit dem Wärmeleitstreifen lösen können – notfalls trage ich auf dem kleinen Chip zwei Lagen auf.

Wer für seinen Raspberry Pi einen ähnlichen Kühler nachbauen möchte, nachfolgend die Maße des Kühlers:

rpimaße

Fertige Kühler zum Aufkleben gibt es aber auch käuflich zu erwerben:

Kühlerkit 1 Kühlerkit 2 RPi mit Kühler
Hinweis: Diese Tabelle enthält Affiliate-Links von Amazon. Wer hier keine Grafiken sieht, hat wahrscheinlich einen Werbeblocker aktiviert. Wer hingegen auf einen der Links klickt und einen Artikel bestellt, unterstützt mich indirekt beim Decken der Hostinggebühren und weiteren Projekten! :-)

Viel Spaß beim Nachbau! :)

Der Terminator in unserer Mitte

Gestern Abend stolperte ich über folgende Botschaft:

Piraten_Polizeidrohne

Bevor ich die Botschaft kommentiere, sei darauf hingewiesen, daß es mir ausdrücklich nicht darum geht, Werbung für die Piratenpartei zu machen. Nichts desto trotz freut es mich sehr, daß es mit den Piraten eine Partei gibt, die gewillt ist, den Themenkomplex Robotisierung und Automation von Militär und Polizeiarbeit zu thematisieren.

Auch wenn die jüngsten Entwicklungen auf diesem Terrain noch bei weitem nicht in das kollektive Bewusstsein der in Deutschland lebenden Bevölkerung vorgedrungen sind, muss man kein Phantast sein, um denkbare Szenarien an die Wand zu malen, die schon binnen der nächsten zehn, vielleicht fünfzehn Jahre auf diese Gesellschaft zukommen werden. Ich will mit diesem Beitrag versuchen, diesen Themenkomplex unter die Lupe zu nehmen.

Der Terminator ist schon längst Realität

Was die meisten Menschen für alberne Spinnerei von Jugendlichen, die zu viele Science Fiction Filme gesehen haben halten mögen, ist nüchtern betrachtet schon heute Realität. Roboter, die sich selbstständig selbst durch widriges Terrain bewegen, ja sogar Häuserfassaden erklimmen können, sind 2013 keine Zukunftsvision sondern stellen lediglich den Stand der Technik dar.

Der Grundstein hierfür wurde meiner Beobachtung nach in den frühen Neunzigerjahren gelegt. Um genau zu sein 1992 als die heute im US-amerikanischen Waltham, Massachusetts ansässige Firma “Boston Dynamics” sich aus der Arbeit des Massachusetts Institute of Technology abspaltete und in die kommerzielle Entwicklung o.g. Maschinen einstieg.

Boston Dynamics entwickelt beispielsweise Roboter, die zur Unterstützung militärischer Bodentruppen konzipiert wurden. Bodentruppen standen schon immer vor Dilemma: Zur Steigerung der Schlagkraft wird technisches Equipment benötigt. Muss dieses auf dem Fußweg über längere Distanzen transportiert werden, führt das in absehbarer Zeit zu Erschöpfung. Abhilfe schafft ein Roboter namens “LS3″ oder “Legged Squad Support System”. Wer sich einen Eindruck des LS3 in Aktion verschaffen möchte, dem sei das nachfolgende Videodokument empfohlen:

Ausweislich der Informationen auf Wikipedia ist der LS3 imstande, rund 180 Kilogramm Beladung aufzunehmen. Ausgestattet mit moderner Sensorik zur Wahrnehmung seiner Umgebung und damit zur Steigerung der Autonomie stellte der LS3 sich bereits ernstzunehmenden Herausforderungen:

On September 10, 2012, two LS3 prototypes were demonstrated in an outdoor test. One of them had done so earlier in the year. The LS3 prototypes completed trotting and jogging mobility runs, perception visualization demonstrations, and a soldier-bounded autonomy demonstrations. They were roughly “10 times quieter” than the original platform. Other improvements included a 1 to 3 mph walk and trot over rough, rocky terrain, an easy transition to a 5 mph jog, and a 7 mph run over flat surfaces. Testing will continue approximately every quarter at military bases across the country.

Der LS3 selbst ist eine Weiterentwicklung eines Vorgängermodells, dem BigDog – oder auch AlphaDog genannt. Mit einem Gewicht von etwa 108 Kilogramm bringt dieser etwa einen Meter lange und 76cm Höhe Roboter erstaunliche Fähigkeiten mit sich. Fähigkeiten, die in den nachfolgenden Videos dokumentiert wurden:

Vor meinem inneren Auge sehe ich schon die Bilder von Straßenschlachten in Ländern, deren Regierungen mittels Roboter wie diesem versuchen, “Recht und Ordnung” widerherzustellen. Wer sich vergegenwärtigt, daß das syrische Staatsoberhaupt in Gestalt von Baschar al-Assad im Rahmen des Syrischen Bürgerkrieges durchweg skrupellos Teile der syrischen Bevölkerung ermorden lies, wird eine Vorstellung von dem Unheil bekommen, das solche Roboter anzurichten imstande sind sofern sie von den falschen Personen kontrolliert werden.

Die Rede ist von Fähigkeiten, die man einfach einmal auf sich wirken lassen sollte, während man sich vor Augen führt, daß es an allen Orten dieser Welt politische Entscheidungsträger gibt, denen Begrifflichkeiten wie “Technikfolgenabschätzung” ebenso fremd sind wie die nötige Phantasie respektive Weitsicht über die möglichen Probleme beim Einsatz dieser Technik. Die schmutzige Wahrheit ist: Es braucht keinen Baschar al-Assad. Es genügt ein Innenminister Hans-Peter Friedrich, der die jährlich in Deutschland stattfindenden Maikrawallen unter Zuhilfenahme entsprechend entwickelter Roboter zu bekämpfen versucht. Widerstandsfähig sind sie ja, wie in dem nächsten Video eindrucksvoll präsentiert wird:

Stählerne Armee im Landesinnern

Wer die jüngsten Entwicklungen der Flugdrohnen mit nur einem Auge im Blick hat, wird sich mit Leichtigkeit gruselige Szenarien vorstellen können. Was sollte einen autoritären Victor Orban davon abhalten, die nächste Schwulendemonstration von der Luft aus zu überwachen und die untereinander per Funk kommunizierenden Drohnen zur Koordinationen weiterer Bodeneinheiten einzusetzen, die den Teilnehmern der ungeliebten Schwulendemo die Parade vermiesen?

Einen per Flugdrohne kontrollierten Bodenroboter wie den ebenfalls von Boston Dynamics entwickelten “Cheetah” könnte man doch spielend durch die Menschenmenge treiben – ganz ohne den Einsatz von müden Polizeikräften, die ggf. sogar aufgrund von moralischen Bedenken den Dienst quittieren. Eine Kostprobe:

Die technischen Grundlagen zur Kommunikation der Drohnen untereinander laufen inzwischen in die Entwicklung von Personenkraftwaren ein, die in naher Zukunft untereinander kommunizieren um so beispielsweise Auffahrunfälle zu vermeiden. Doch mit den personenähnlichen Robotern “Atlas” und “Petman” liefert Boston Dynamics gleich zwei Roboter aus, die an die Science-Fiction-Vorlage aus den Filmen von James Cameron bereits verdächtig nahe kommen:

Boston Dynamics: Modell Atlas

Boston Dynamics: Modell Petman

Das Bedauerliche an derlei Technologie ist der Umstand, daß ihre Forschung und Entwicklung stets von den falschen Menschen und Institutionen vorangetrieben werden: dem Militär und den Wasserträgern des Repressionsapparates. Millionen, wenn nicht Milliardenbeträge in Form von Steuergeldern werden weltweit investiert und am Ende erhält man eine Technologie, die gegen die Bevölkerung missbraucht wird.

Guter Bot, böser Bot

Natürlich ist nicht alles bösartig und auf Repression programmiert. Doch schon beim Einsatz von so genannter “Deep Package Inspection”-Technologie, die in den Geräten, die unser weltweites Datennetz darstellen, scheiden sich die Geister. Was für den einen ein willkommenes technisches Hilfsmittel zur Stabilisierung der Netze ist, ist in den Augen eines anderen ein Werkzeug zur Überwachung und Unterdrückung ganzer Bevölkerungen. Der Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur besteht schon lange nur noch in Form einer Konfigurationsdatei.

Meinen ersten Terminatorfilm habe ich mit etwa 13 Jahren gesehen. Ich bin heute fast 28. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß mir im Alter von 40 Jahren auf der Straße eine Maschine in Polizeiuniform begegnet. Das Problem an der Sache ist: Ich habe keinerlei Gewissheit, daß sie keine bösartige Konfigurationsdatei geladen hat.

Was, wenn die in Europa grassierende Austeritätspolitik auch meine Rente auffrist und was, wenn ich im Zeitalter des Terminators auf der Straße demonstrieren will?

Kommentar zur AdBlocker-Diskussion

Spiegel Online, Zeit, die Rheinische Post und einige weitere Publikationen haben Anfang dieser Woche damit begonnen einen großen Banner über ihre Artikel zu setzen. Mit diesem Banner weisen die Verlage darauf hin, daß ihnen durch den leserseitigen Einsatz von AdBlockern Werbeeinnahmen entgehen. Vielerorts wird auf diesen Vorgang mit Spott und Häme reagiert.

Grundsätzlich erscheint mir ein Teil Kritik am Vorgehen der Verlage berechtigt. Schon seit einigen Jahren sind die Onlineangebote der Verlage ohne AdBlocker streckenweise nur schwer erträglich. Ständig öffnen sich störende Popups und/oder Overlays. Fortwährend trüben epilepsieerregende Blinkegrafiken das leserseitige Informationsbedürfnis; ein Bedürfnis, das sich in einem ungestörten Ambiete eigentlich am wohlsten fühlt.

Nicht zuletzt auch wegen des vielen Unmuts, den die Verlage mit ihrer Lobbyarbeit für das irrsinnige Leistungsschutzrecht auf sich gezogen haben, ist es zumindest nachvollziehbar, daß die Verlage mit ihrer aktuellen Aktion nur wenig Zuspruch erhalten.

Für gänzlich überzogen und wenig umsichtig halte ich jedoch Aufrufe wie den eines Bloggers, der fordert

“Verwenden Sie überall und ausnahmslos AdBlocker”.

Um gleich allen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: Ja, auch ich verwende AdBlocker. Ähnlich wie Jürgen Kuri empfinde auch ich den Einsatz von AdBlockern teilweise als eine Art Notwehr. Allerdings dürfte den vielen Kritikern, die Werbeeinblendungen grundsätzlich als Teufelszeug ansehen, die Frage nach einer Alternative gestellt werden. Ich glaube: Viele, die sich jetzt das Maul zerreissen, werden keine Lösung anbieten können, mit der sich journalistische Projekte selbst finanzieren werden können.

Mir geht es hierbei aber nicht bloß um Verlage. Ich selbst betreibe mit CDUWatch.de ein Blog, das ich aus eigenen Mitteln finanziere. Ja, ich benutze dort Flattr und habe eine Bitcoin-Spendenadresse eingerichtet. Ja, ich freue mich regelmäßig auch über die Flattr-Spenden. Trotzdem trägt sich das Projekt nicht von selbst und das obwohl alleine die Kosten für den Webspace, die Domain und die MySQL-Datenbank bei bloß unter 200 EUR jährlich liegen. Ich habe beispielsweise auf CDUWatch noch niemals Werbebanner geschaltet. Wenn ich allerdings lese, daß der Betreiber von “Der Postillon” unter anderem mit Werbebannern gut 2.000 EUR im Monat einnimmt, denke ich schon darüber nach ebenfalls Banner zu schalten.

Nicht etwa um damit Unmengen an Geld einzufahren. Sondern weil der Wunsch zu Grunde liegt, daß derlei Projekte sich auch selbst finanzieren können sollten. Auf Netzpolitik.org wurde kürzlich vorgerechnet, wie teuer der Betrieb des Projekts ist und was auf der anderen Seite tatsächlich reinkommt. Die Bilanz ist – oh, welch ein Wunder! – negativ. Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen.

Es ist das eine, viel zu wollen. Das andere ist, sich auch ein tragfähiges Konzept für die Realisierung zu überlegen. Ich persönlich hätte überhaupt nichts dagegen, wenn beispielsweise Netzpolitik.org mehr Banner schalten würde. In meinem AdBlocker ist für deren Seite ohnehin seit langer Zeit schon eine Ausnahme eingerichtet. Ganz einfach weil ich WILL, daß sie Kohle dafür bekommen.

So verhasst der Online-Werbemarkt und die mit ihm einhergehende Nervensägerei auch ist: Aus einer anderen Perspektive betrachtet kann er auch als eine große Umverteilungs-Maschine verstanden werden, derer man sich nur bedienen muss.

Ein Hinweis noch: Dieser Beitrag ist zwischen Tür und Angel entstanden. Mein Kommentar wird der gesamten Komplexität dieses Themas bei weitem nicht gerecht. Trotzdem werden die o.g. Aspekte aus meiner Sicht von einigen Akteuren nicht angemessen beachtet.

Audiomitschnitte der Republica 2013

republica-2013[1]

Was im Rahmen der diesjährigen Republica bislang leider noch fehlte, war eine Downloadmöglichkeit der jeweiligen Vorträge und Interviews im Audioformat. Diese Lücke darf jetzt als gestopft betrachtet werden. Ich habe in den vergangenenen Tagen alle 142 Videos runtergeladen und die Audiospur extrahiert, die ich nun via BitTorrent verfügbar mache.

In einer vorhergehenden Version dieses Beitrags hatte ich damit begonnen, jeden Vortrag einzeln zu verlinken, aber das stellte sich aus völlig unpraktikabel heraus, weil es einfach viel zu viel Arbeit verbunden und außerdem fehleranfällig gewesen ist. Ich habe daher alle Dateien zu einem einzigen Torrent zusammengefügt.

Damit Eure Download schnell läuft, habe ich heute Nacht bereits für die Vorverteilung im Netz gesorgt. An dieser Stelle herzlichen Dank an die Unterstützer. Der Download schlägt mit 3.39GiB zu Buche. Das Audioformat ist OGG Vorbis. Hier der Torrent, hier der Magnet-Link. Ihr seid herzlich eingeladen, den Link weiterzureichen.

Viel Spaß beim Anhören! :)

Chaosdorf meets Fensterbank-Solaranlage

Der Chaos Computer Club Düsseldorf hat mich gefragt, ob ich im Rahmen des “Freitagsfoo” nicht einmal Lust hätte, meine Solar-Inselanlage vorzustellen. Ich habe denen zugesagt und werde die Hardware morgen Abend (10. Mai) in den Räumlichkeiten des Chaosdorfs auf der Hüttenstraße 25 in Düsseldorf vorstellen und vorführen.

Wer interessiert ist, kann natürlich gerne kommen. Der Eintritt ist frei, Einlass ab 18.00 Uhr. Ich könnte sogar jemanden aus Langenfeld mitnehmen. Er oder sie müsste mir als Gegenleistung nur beim Tragen behilflich sein. Ich freue mich schon sehr darauf, den Laden und die Menschen dort einmal persönlich kennen zu lernen!

Zeit für einen Politikwechsel!

Der nachfolgende Kommentar ist eine Erwiderung auf einen Blogeintrag des Düsseldorfer CDU-Netzpolitikers Thomas Jarzombek, der gleichfalls Bundestagsabgeordneter ist und Mitglied der Enquete-Kommission für Internet und Digitale Gesellschaft gewesen ist.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin mit Jarzombeks Kommentar überhaupt nicht einverstanden. Im Gegenteil. Ich halte Jarzombeks Forderung an die Netzgemeinde für durchsichtig und darauf ausgerichtet, die schädliche (Netz-)Politik seiner Kanzlerin und seiner Partei länger am Leben zu erhalten, als es gut für die in Deutschland lebenden Menschen wäre. Jarzombek will eine Laufzeitverlängerung für rückwärtsgewandte und von Wirtschaftslobbys ungebührlich stark beeinflusster Klientelpolitik. Doch was es braucht, das ist aktive Sterbehilfe.

Es macht mich wütend zu lesen, wenn ein CDU-Netzpolitiker wie Jarzombek schreibt, daß ein Rückzug dieser Netzgemeinde falsch wäre. Nicht etwa, weil Jarzombek zu Beginn seines Textes die Piratenpartei anspricht während er tatsächlich eher die Netzgemeinde in ihrer parteiunabhängigen Form adressiert. Es ist ein heuchlerisches und vergiftetes Lob, wie das Nachfolgende, das durchsichtiger nicht sein könnte:

“Das politische Engagement der Netzgemeinde ist unersetzlich.”

Ach, ist es das? Mir will beim besten Willen nicht einleuchten, wie ein CDU-Netzpolitiker wie Thomas Jarzombek, der sich während seiner Arbeit in der Netz-Enquete gegen eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität eingesetzt hatte und der immerzu betont hatte, in Wahrheit doch gegen das Leistungsschutzrecht zu sein, nur um dann doch nicht gegen seine Installation zu arbeiten, ohne dabei vor Scham zu erröten “politisches Engagement der Netzgemeinde” einfordern will.

Beinahe satirisch wirkt es auf mich, wenn Jarzombek eine Politik einfordert, die

“endlich die Infrastruktur des Netzes pusht statt Hürden aufzubauen”.

Ist es tatsächlich doch das Werk seiner eigenen Partei und – auch das gehört zur schmutzigen Wahrheit – dem Mitwirken Thomas Jarzombeks zu verdanken, daß beispielsweise im Rahmen der Netz-Enquete Gelegenheiten verpasst worden sind, korrekturbedürftige Missstände zu korrigieren und sinnvolle Weichenstellungen vorzubereiten. Eigentlich wäre es sogar angemessen, nicht von verpassten Gelegenheiten, sondern vielmehr von aktiver Verhinderungsarbeit durch den CDU-Politiker Jarzombek und auch seinem Parteikollegen und Mitteilnehmer an der Netz-Enquete Peter Tauber zu sprechen, aber um den geht es heute nicht.

Jarzombek bezieht sich in seinem Kommentar auf Sascha Lobos Vortrag auf der diesjährigen Re:publica, einer Konferenz zum Thema… nun, man könnte sagen, ebenfalls “Internet und digitale Gesellschaft”. Sascha Lobo forderte in seinem Vortrag, die Netzgemeinde müsste im Grunde genommen Überzeugungsarbeit leisten und so bitter es auch sein mag, zurzeit eine Bundeskanzlerin namens Angela Merkel zu haben, mit eben dieser zu arbeiten. Das Zauberwort heißt laut Jarzombek “Kompromiss” und überhaupt will Jarzombek schon immer Recht gehabt haben, denn:

“Immer wenn ich mich in den letzten Jahren für einen Kompromiss eingesetzt habe, hagelte es härteste Kritik aus dem Netz. Zuletzt beim Leistungsschutzrecht. Natürlich konnte man sich auf die Position stellen: Ich bin dagegen, alles Blödsinn. Aber was haben diejenigen erreicht? Nichts.”

Ach, wirklich? Nichts? Der ebenfalls netzaktive wenngleich parteipolitisch unabhägige Thomas Stadler zeichnete unlängst in Bezug auf das Leistungsschutzrecht ein erheblich anderes Bild, dem ich viel eher geneigt bin meine Zustimmung zu geben. Und tatsächlich kommt auch Jarzombek auf das Leistungsschutzrecht zu sprechen:

“Der Versuch, dem Leistungsschutzrecht die Zähne zu ziehen, war dagegen gar nicht so unerfolgreich. Ohne jetzt noch einmal alles aufzählen zu wollen: Zumindest ist das Gesetz nun deutlich harmloser als zuvor. Ein klassischer Kompromiss, bei dem niemand am Ende sein Gesicht verloren hat.”

Den Streit um die Einführung des Leistungsschutzrecht als Kompromiss zu bezeichnen, ist aus meiner Sicht ein starkes Stück. Demokratietheoretisch wird man zustimmen müssen, daß es am Ende tatsächlich einen Kompromiss gegeben hat. Aber soll die Art der “Kompromissfindung” wie die deutsche Öffentlichkeit sie am Beispiel des Leistungsschutzrechts gesehen hat prototypisch werden für die Art und Weise wie künftige Gesetze und politische Bestrebungen allgemein “ausgehandelt” werden? Wollen wir das? Ist das wünschenswert für eine Gesellschaft, die eigentlich ganz gerne endlich einmal ernsthaften Breitbandausbau, mehr openGovernment und echte Netzneutralität bei zeitgleich keinerlei Vorratsdatenspeicherung hätte? Ist es einer auf Maximierung von persönlicher und kollektiver Freiheit ausgerichteten und der Zukunft zugewandten Gesellschaft zuträglich, bei absolut inakzeptablen Forderungen (Vorratsdatenspeicherung, Leistungsschutzrecht) und inakzeptablen Zuständen (fehlende Netzneutralität, Blamagen-Breitband) tatsächlich mit denjenigen einen Kompromiss zu suchen, auf deren Mist eben jene Missstände gewachsen sind und weiter vor sich hinsiechen würden?

Wofür Jarzombek hier plädiert, ist die Kooperation mit dem Feind. Wer auf diese Weise mit dem Feind kooperiert, ist dafür verantwortlich, daß Missstände wahlweise nur im Schneckentempo oder gar nicht behoben werden. Wer auf diese Weise mit dem Feind kooperiert, darf sich nicht wundern, wenn es am Ende heißt:

“Wir haben mit diesen Netzmenschen gesprochen und nehmen deren Bedenken sehr ernst. Am Ende haben wir uns aber trotzdem dafür entschieden, die Vorratsdatenspeicherung zu fordern, das Leistungsschutzrecht zu installieren und bei der Netzneutralität auf die magischen Fähigkeiten der unsichtbaren Hand des freien Marktes zu vertrauen. Wir danken aber für das freundliche Gespräch!”

Wofür Jarzombek hier plädiert, ist die Verlängerung des politischen Versagens. Es ist der Versuch den politischen Gegner mit einer Geste der Umarmung kaltzustellen. Kommt, lasst uns doch Freunde sein! Selten so gelacht, Herr Jarzombek.

Betitelt ist Jarzombeks Blogeintrag übrigens mit der Frage, “Zeit für Realpolitik?”. Ja, es ist tatsächlich an der Zeit für Realpolitik. Am dringlichsten ist es Zeit für reale Veränderung. Was es wirklich braucht, ist nicht der vergiftete Kompromiss im Sinne des Herrn Jarzombek, sondern einer konkreten Veränderung der Machtverhältnisse in Deutschland.

Was es braucht, ist ein Erdbeben im September diesen Jahres bei der Bundestagswahl, von dem man sagen wird, daß die vergangenen Landtagswahlen, bei denen Union und FDP signifikante Rückschläge erlitten haben, lediglich kleine Vorboten gewesen sind. Was es braucht, ist eine konsequente Abwahl derjenigen, die uns diesen ganzen Mist eingebrockt haben: Schwarz-Gelb. Es braucht einen Politikwechsel. Und dieser darf im Übrigen gewiss nicht das rote Label der Sozialdemokraten tragen. Die haben uns nämlich schon oft genug verraten und werden es wieder tun.

Weshalb Bayern die CSU abwählen sollte

Man wird sich bestimmt noch an den Aufschrei erinnern, als vor einigen Monaten herauskam, daß irgendein Pirat seine Freundin im Landtag oder so was Ähnlichem beschäftigt hatte. Stimmt, da war doch was. RIESEN-Empörung, besonders vonseiten der etablierten Parteien. Allen voran natürlich SPD und Union. Ihr erinnert euch.

Nun, die Leute beim Spiegel haben sich jetzt mal hingesetzt und ein Bißchen mit der langen Gabel im Sumpf herumgestochert. Und guckt mal, was da Schönes bei den Moralaposteln von der CSU mit einer schwulstigen Gasblase ans Tageslicht geblubbert kommt!

Das netzpolitische Vorzeigemariechen der CSU, Dorothea Bär hat nicht nur ihren jetzigen Mann, sondern noch weitere Verwandte auf vom Steuerzahler bezahlte Stellen gebracht. Und darauf angesprochen kommt von Fräulein CSU-Netzpolitik nur “Ich äußere mich nicht zu meinem Privatleben!”

Neee, Liebchen! Sie haben da etwas falsch verstanden: Das hier ist nicht länger eine Sache Ihres “Privatlebens”. Das ist “Sie haben Ihrer Familie finanzielle Vorteile zu Lasten der Bürger verschafft!”. Das ist genau dieselbe Kategorie korruptes Handeln wie das, was die gesamte Union immer wieder bei dem aus meiner Sicht korrupten und moralisch misraten handelndem Peer Steinbrück angeprangert hat.

Überhaupt, CSU! Man darf sich schon fragen, weshalb in Bayern diese Partei der Unfähigen überhaupt noch etwas zu melden hat. Sehen wir uns doch einfach einmal kurz um, was die Herrschaften der CSU dort so fabrizieren. Anfangen möchte ich mit der tollsten und besten Verbraucherschutzministerin Frau Ilse Aigner.

Ja, genau! DIE, Ilse Aigner, die aus wutschnaubendem Protest mal Facebook damit gedroht hat, ihren Gesichtsbuch-Account zu kündigen! Das ist genau dieselbe Ilse Aigner, die über Jahre hinweg nicht ein Sterbenswörtchen zur Netzneutralitätsdebatte beigetragen hat, obwohl sie aus Verbraucherschutz-Perspektive mit dem ganz großen Hammer hätte draufhauen müssen. DIE Ilse Aigner, die den “Dinosaurier des Jahres” (ein Negativpreis des Naturschutzbundes Deutschland) 2012 erhalten hat, und zwar für:

“Für ihre „rückwärtsgewandte Klientelpolitik“, die einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Politikgestaltung widerspreche. Die Hauptgründe dafür seien, dass Aigner an einer umweltschädlichen Agrarpolitik festhalte und sich nicht engagiert genug für ein besseres Tierschutzgesetz eingesetzt habe. Des Weiteren habe sie eine Neuregelung des Jagdrechtsblockiert sowie sich nicht ausreichend für eine nachhaltigere Fischerei eingesetzt.”

Und diese Dame ist Verbraucherschutzministerin auf Bundesebene! Mir ist unerklärlich, weshalb eine solche fleischgewordene Nichtsnutzigkeit überhaupt Ministerin werden konnte, aber Frau Aigner hat auch noch eine Parteikollegin, die ebenfalls Ministerin ist – in Bayern, ihr Name ist Beate Merk, Ihres Zeichens Bayrische Justizministerin. Was diese Dame so auszeichnet? Nun, ein Blick in die Wikipedia offenbart gar Schauderhaftes:

“Im Februar 2010 erntete Merk Kritik, als sie sich hinter Äußerungen des damaligen Bischofs Walter Mixa stellte, die sexuelle Revolution sei mitursächlich für den sexuellen Missbrauch an Kindern in katholischen Einrichtungen. Merk hatte sich bei Mixa „sehr dankbar für diese klare Stellungnahme“ gezeigt.”

Oder das hier:

“Nach den Anschlägen in Norwegen 2011 forderte Merk die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung. So müsse es „über mehrere Monate hinweg“ möglich sein zu wissen, „wer mit wem telefoniert, wer wem eine E-Mail oder SMS geschickt hat“. „Wir brauchen einen Zeitraum von mehreren Monaten, in denen Verbindungsdaten sicher auf Vorrat gespeichert werden.“”

Im Justizfall Gustl Mollath ist Frau Merk ebenfalls negativ in Erscheinung getreten. Und daß regelmäßig über Prügelpolizisten in Bayern berichtet wird, scheint Frau Merk überhaupt nicht zu interessieren. Jedenfalls ist bisweilen nicht zu mir durchgedrungen, daß sie auch nur irgendetwas in Richtung Problemlösung unternommen hätte.

In der Steuerhinterziehersache um Herrn Hoeneß wurde herausgefunden, daß die Bayrische Justiz seit Mitte 2012 von Hoeneß’ Eskapaden wusste. Gemacht haben sie offensichtlich Nichts. Warum eigentlich nicht, Frau Merk? Das ist doch Ihr Zuständigkeitsbereich!

Ach ja, und dann war da noch jemand. Dieser feine Herr mit viel zu viel Gel in den Haaren, der sich gerne wahlweise auf Panzern oder der New Yorker Skyline ablichten ließ und sich seinen Doktortitel zusammenbetrogen hat. Dieser feine Herr macht jetzt was mit Internet und richtet dort weiter Schaden an.