Telekom drosselt Bandbreite zu YouTube
Focus Online berichtet von einem interessanten Vorgang zum Umgang der Telekom hinsichtlich der Netzneutralität. Zahlreichen Telekom-Kunden fiel auf, daß YouTube bei ihnen nur sehr langsam läuft, während andere Portale dieses Problem nicht haben.
Das Blog Stadt-Bremerhaven führte am 17. Mai einen Artikel auf, in dem eben dieses Phänomen geschildert wird. Daß es sich um eine durch die Telekom bewusst herbeigeführte Verminderung der Bandbreite bei dem Dienst YouTube handelt, ist offensichtlich: Nutzt man einen VPN-Kanal, so kann die Telekom nicht mehr feststellen, daß die Daten von YouTube stammen – die Videoclips kommen daher plötzlich in ungebremster Geschwindigkeit beim Kunden an.
Das Problem, das auf den ersten Blick den Anschein einer einfachen technischen Schwierigkeit macht, ist in Wahrheit der politische Wille der Deutschen Telekom, die diskriminierungsfreie Zustellung von Inhalten aus dem Internet abzuschaffen und – wie die Telekom zu sagen pflegt – sogenannte Qualitätsklassen einzuführen. Wie schnell sich eine solche künstliche Beschränkung der Bandbreite wieder zurückfahren lässt, wird in dem Focus-Artikel ebenfalls deutlich:
Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg bestätigte im FOCUS das Problem und versprach: „Die Kapazitäten werden jetzt verdreifacht“.
Freilich lässt die Feststellung des Herrn Nierwetberg den Rückschluss zu, daß die Bandbreite für YouTube bereits mindestens gedrittelt worden ist – anderenfalls liessen sie die Kapazitäten schließlich nicht verdreifachen. Und selbst diese Aktion ist meiner Meinung nach noch immer zu ächten. Die einzig richtige Antwort hätte laufen müssen “Wir stellen die künstliche Beschränkung der Bandbreite einzelner Dienste komplett ein.”
Telekom-Sprecher Mark Nierwetberg ist mir übrigens kein Unbekannter. Ende Juli vergangenen Jahres räusperte ich mich bereits sehr deutlich über das Vorgehen der Telekom. Weil über Twitter auch sehr viele andere Menschen ihren Unmut äusserten wandte Nierwetberg sich via YouTube-Video an die Öffentlichkeit und versuchte zu beschwichtigen. Später meldete er sich auch im Kommentarbereich meines Blogs zu Wort.
Update vom 23. Mai: Da ich via Twitter auf diesen Artikel aufmerksam machte, meldete die Telekom sich nun mit einer Anwort an mich:
Und in der Tat, in den Kommentaren des Stadt-Bremerhaven-Blogs findet sich ein Eintrag von Mark Nierwetberg, der wiederum auf diesen Blogeintrag der Telekom selbst verweist. Der Inhalt ist ähnlich dem obig dargestellten Tweet, in dem die Telekom mir vorwirft ich würde Verschwörungstheorien verbreiten wollen. Das klingt dann so:
Verschwörungstheoretisch würde es ins Bild passen: Die Telekom denkt über Serviceklassen für gesicherte Qualitäten nach und um Druck zu machen, drosselt sie die Kapazität [...]
Was eine naheliegende Vermutung mit einer ausgewachsenen Verschwörungstheorie gemein haben soll, erschließt sich mir indes noch nicht so ganz. Aber es ist ja auch einfach seine Kritiker mit der großen Verschwörungstheorie-Keule zu diskreditieren – und wenn man inhaltlich wenig entgegenzuhalten hat, wohl auch das einzige Mittel.


